Klärwerk Achern
Der Umwelt zuliebe soll das Acherner Klärwerk mit einer vierten Reinigungsstufe ausgestattet werden. Ziel ist es, die sogenannten Spurenstoffe – beispielsweise Arzneimittelwirkstoffe – herauszufiltern. | Foto: Roland Spether

Gebühr könnte steigen

„Leuchtturmprojekt“: Vierte Reinigungsstufe für das Acherner Klärwerk

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Die Stadt Achern setzt ein Zeichen für den Umweltschutz: Das städtische Klärwerk soll auf freiwilliger Basis mit einer vierten Reinigungsstufe ausgestattet werden, um sogenannte Spurenstoffe zurückzuhalten. Gesetzlich ist die mit Investitionskosten von 1,4 Millionen Euro verbundene Maßnahme nicht vorgeschrieben – deshalb kann die Stadt Achern mit Zuschüssen rechnen.

Die Kehrseite der Medaille: Die Bau- und Betriebskosten könnten den Abwasserpreis um bis zu 23 Cent pro Kubikmeter verteuern. Was das bei einem Wasserverbrauch von 140 Litern pro Einwohner und Tag bedeutet, muss sich noch zeigen. Der Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss des Gemeinderats beauftragte die Stadtverwaltung am Montagabend einstimmig, die notwendigen Schritte für die weitere Planung einzuleiten und die Zuschussanträge einzureichen. Auch Oberbürgermeister Klaus Muttach hatte sich auf der Grundlage einer auf Antrag der ABL-Gemeinderatsfraktion erarbeiteten Machbarkeitsstudie für den Einbau der vierten Reinigungsstufe ausgesprochen. Mit dem Baumaßnahmen könnten 2020 begonnen werden.

„Leuchtturmprojekt“ im Regierungsbezirk Freiburg

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie stellte Mario Bitsch von den Pforzheimer Weber-Ingenieuren vor. Vorgeschlagen wird eine technische Lösung, die im Bereich des Regierungsbezirks Freiburg so noch nicht verwirklicht wurde und deshalb als „Leuchtturmprojekt“ zusätzliche Fördermittel nach Achern leiten soll. Grundlage ist die Beimischung von Pulveraktivkohle in den Zulauf des Belebungsbeckens. Ein weiterer zentraler Bestandteil der Anlage ist der dem Nachklärbecken nachgeschaltete Tuchfilter. „Über dieses Verfahren können die im Abwasser verbleibenden Spurenstoffe deutlich reduziert und gleichzeitig der Phosphatgehalt im Ablauf auf ein Minimum abgesenkt werden“, heißt es in der Stellungnahme der Stadtverwaltung.

Mühlbach führt ohnehin nicht viel Wasser

„Wir tun etwas für unsere Umwelt – deshalb sind wir dafür“, signalisierte Karl Früh die Zustimmung der CDU-Fraktion. Auf seine Nachfrage bestätigten die Fachleute einen zusätzlichen positiven Aspekt der vierten Reinigungsstufe: Da die Acherner Kläranlage das gereinigte Abwasser in den Mühlbach und damit in ein ohnehin nicht sehr viel Wasser führendes Gewässer einleitet, ist die Zurückhaltung der Spurenstoffe hier umso wichtiger. Das gelte, wie Ralf Volz als Leiter der Stadtwerke bestätigte, besonders in trockenen Sommern: Gerade in diesem Sommer sei der Wasserstand in dem von der Acher gespeisten Mühlbach besonders niedrig gewesen: „Die Mindestwassermenge wurde nicht immer ganz erreicht.“ Laut Volz wird das Mühlbachwehr in Oberachern normalerweise so gesteuert, dass der Acher ebenso wie dem Mühlbach jeweils mindestens 200 Liter pro Sekunde verbleiben.

Mikroplastik wird nicht zurückgehalten

„Die Erhöhung des Wasserpreises um 23 Cent ist ein Wort“, stellte Thomas Kohler im Namen der Freien Wähler fest. Dennoch sei die Eliminierung der Spurenstoffe „eine wichtige Maßnahme“, die auch die Zustimmung seiner Fraktion finde. Auf seine Frage äußerte Mario Bitsch die Erwartung, dass mit der vierten Reinigungsstufe „70 bis 90 Prozent“ der Spurenstoffe ausgefiltert werden könnten. Positiv regierten auch die Vertreter von Acherner Bürger Liste und SPD. Im Namen der ABL bedauerte Ernst Kafka, dass sich kleinste Plastikpartikel auch mit dieser Anlage nicht zurückhalten können. Das bestätigte Mario Bitsch: „Mikro- und Nanoplastik kann nicht zurückgehalten werden. Die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen“.

Hintergrund: Spurenstoffe
Täglich gelangen Chemikalien und pharmazeutische Stoffe mit dem häuslichen Abwasser in die Kläranlagen. Trotz des hohen Ausbaustandards können dort mit den herkömmlichen Verfahren nicht alle Stoffe ausreichend entfernt werden. Die Folge: Spurenstoffe gelangen in die Gewässer.
Als Spurenstoffe werden organische anthropogene Stoffe bezeichnet, die in einer geringen Konzentration von weniger als einem millionstel Gramm in Gewässern nachzuweisen sind.
Zu den Spurenstoffen zählen beispielsweise Arzneimittelwirkstoffe, Röntgenkontrastmittel, Duftstoffe in Körperpflege- und Reinigungsmitteln, Biozide, Flammschutzmittel, perfluorierte Chemikalien (PFC) sowie Stoffe mit hormonähnlichen Wirkungen. Manche Stoffe können schon in diesen sehr geringen Konzentrationen nachteilige Wirkungen für empfindliche Gewässerorganismen wie Fische, Muscheln oder Schnecken haben (Quelle: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg).