Die Debatte über die Klinikreform im Ortenaukreis wird zusehends aufgeregter. Landrat Frank Scherer hat jetzt an die Kreisräte geschrieben. | Foto: Karmann

Klinikreform im Ortenaukreis

Landrat Scherer: „Lieber vier statt drei Häuser“

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Die Debatte um die Zukunft des Ortenau Klinikums kocht weiter. Dies tut sie offenbar auf einer so großen Flamme, dass sich Landrat Frank Scherer an diesem Montag zu einem offenen Brief an die Kreisräte veranlasst sah. Tenor: Es werde nicht gelingen, einen Keil zwischen ihn und Christian Keller, Geschäftsführer des Ortenau Klinikums, zu treiben. Scherer betont in seinem am Montagnachmittag veröffentlichten Brief zudem, dass es noch immer kein Zwischenergebnis zum derzeit entstehenden Gutachten gebe, „so dass ich nicht in der Lage bin, eine fundierte Position zur zukünftigen Krankenhausstruktur einzunehmen“.

Unbeirrt von Drohungen

Wünschen, so Scherer, würde er sich freilich die heutige Struktur mit all ihren Standorten, „und wenn dies nicht möglich sein sollte, dann sähe ich lieber vier statt drei Standorte“. Er wie auch Geschäftsführer Keller würden, so schreibt der Landrat abschließend, ihr Bestes geben um die Kreisräte bei der anstehenden Entscheidung so vorzubereiten, dass sie ihre Verantwortung gerecht werden könnten: „Wir werden uns dabei weder von Drohungen und üblen Nachreden noch von anonymen Schreiben mit falschen Behauptungen und Beschuldigungen beirren lassen“.

Vielfältige Angriffe

Wie ausführlich berichtet, sehen sich Scherer wie auch Keller in letzter Zeit vielfältigen Angriffen ausgesetzt, die teilweise auch in den persönlichen und familiären Bereich gehen. Der Landrat hatte darauf im Gespräch mit verschiedenen Medien verwiesen und gleichzeitig das angespannte „Betriebsklima“ im Kreistag zum Thema gemacht. Mit dem neuen Schreiben will er nun die Dinge aus seiner Sicht gerade rücken und dabei „angeblichen Äußerungen und Meinungen“ entgegentreten, die kolportiert würden um Stimmung zu machen.

Finanzierbare Struktur

Wichtig, so Scherer, sei ihm der Hinweis, dass das noch ausstehende Gutachten nicht automatisch seine Meinung widerspiegle; er wolle sich in erster Linie von Sachargumenten leiten lassen, die auch, aber sicherlich nicht nur, aus dem Gutachten stammen. Dabei stehe letztlich eine wohnortnahe und qualitativ hochwertige Versorgung der Bevölkerung im Mittelpunkt. Vorzuziehen sei daher eine Struktur, die dieser Forderung unter allen Gesichtspunkten am besten Rechnung trägt. Diese müsse finanzierbar sein, aber es müsse nicht unbedingt die effizienteste und ökonomischste Lösung gewählt werden, sondern die, „die wir uns leisten können und wollen“.

Entscheidung im Sommer

Bekanntlich plant der Ortenaukreis eine große Klinikreform, die zu einer umfassenden Standortdebatte führen wird. Bereits im vergangenen Jahr hatte es mit einem ganzen Paket von Beschlüssen erste Schritte gegeben, um den Betrieb der derzeit noch neun Häuser zumindest mittelfristig finanzieren zu können. In diesem Sommer soll dann über mögliche Neubauten entscheiden werden. Spannend wird dabei vor allem, welche Lösung für die nördliche Ortenau zustande kommt und insbesondere was mit dem Haus in Achern geschieht.