Die „Hex“ hat Marco Köninger im vergangenen Jahrzehnt begleitet. Nun sattelt der 40-Jährige um und macht sich mit einem Analyselabor als Berater für Weinerzeuger selbstständig. | Foto: Michael Moos

Labor als Marktlücke

Marco Köninger nimmt Abschied von der Kappler „Hex“

Anzeige

Die Feinheiten der „Hex vom Dasenstein“ kennt Marco Köninger wie nur wenige andere: Er hat die Weine aus Kappelrodeck sowohl als Kellermeister wie auch als Geschäftsführer der Winzergenossenschaft entscheidend geprägt. Jetzt sucht er eine neue Herausforderung in den Bereichen Analytik, Beratung und Handel: Im Zusammenhang mit der in der vergangenen Woche auch offiziell besiegelten Wein-Hochzeit der „Hex“ mit der Oberkircher Winzer eG macht sich der gerade mal 40-jährige Oenologe nun selbstständig.

Mythos „Hex“

„In Kappelrodeck gibt es drei wichtige Leute – den Pfarrer, den Bürgermeister und den Kellermeister.“ Mit diesen Worten erinnerte man Köninger an die große Bedeutung der Aufgabe, als er Anfang 2008 das Amt des Kellermeisters der „Hex“ übernahm. Vier Jahre zuvor erst hatte er die Hochschule Geisenheim als Diplom-Oenologe abgeschlossen, ließ sich danach in Rheinhessen und in Südafrika beruflich den Wind um die Nase wehen und sammelte Erfahrungen im Weinbau. Dabei machte er sich dabei auch mit innovativen Methoden der Kellerwirtschaft vertraut. So gerüstet, kam Marco Köninger nach Kappelrodeck und fand in Vor-Vorgänger Robert Schnurr einen „wahnsinnig guten Lehrmeister“.

 „Villa Heynburg“ als Spielwiese

Während der Mythos „Hex vom Dasenstein“ als Marke allenfalls behutsam weiterentwickelt werden durfte, bekam Marco Köninger seine „Spielwiese“ in dem gemeinsam mit dem damaligen Geschäftsführer Jürgen Decker kreierten Weingut „Villa Heynburg“. „Der Erhalt der Tradition und die Möglichkeit, etwas völlig Neues zu entwickeln – diese Chance hat man nur einmal im Leben“, sagt Köninger. Hier konnte er experimentieren, neue Projekte angehen – und seine in Südafrika gewonnenen Erfahrungen bei der Kreation von Wein-Cuvées einsetzen. So wurde der „Freistil“ der Villa Heynburg geboren. Und im Keller schlummert noch ein „High-End-Cuvée“ aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc, der zu gegebener Zeit auf die Flasche kommen soll.

„Absoluter Glücksfall“

Als Kellermeister und seit Ende 2012 auch als Geschäftsführer hat Marco Köninger die Kappler Winzergenossenschaft geprägt – seit 2014 gemeinsam mit Alexander Spinner, der als „Wunschkandidat“ nach Kappelrodeck wechselte und den Köninger als „absoluten Glücksfall“ einstuft. Seit Spinner nach Kappelrodeck wechselte, wurden drei Bundesehrenpreise ins Achertal vergeben, Köninger selbst hat in dieser Hinsicht 2009 und 2013 gepunktet.

Neue Herausforderung

Während Spinner der „Hex“ auch nach der Fusion mit der Oberkircher Winzer eG für die „Hex vom Dasenstein“ ebenso wie für die „Villa Heynburg“ als Kellermeister Verantwortung tragen wird, sucht Marco Köninger in seiner Heimatgemeinde eine neue berufliche Herausforderung: Er wird sich im kommenden Jahr in der Hauptstraße 186 (ehemals Stirners Kaffeerösterei“) als Oenologe selbstständig machen. Die Idee: Den Weinerzeugern in der gesamten Region mit Laboranalyse und Beratung zur Seite stehen und ergänzend einen Handel für Kellereibedarf eröffnen. Zum Sortiment gehören beispielsweise Barrique-Fässer.

„Marktlücke gefunden“

Fachlabors für die Weinwirtschaft gibt es außerhalb der großen Betriebe kaum – deshalb ist Köninger überzeugt, eine Marktlücke gefunden zu haben. Zugute kommen ihm dabei seine Kenntnisse von Land und Leuten – als Netzwerker und ausgewiesener Wein-Fachmann ist Köninger weithin bekannt. Dass er mit seinem Wechsel in die Beratungstätigkeit gewissermaßen in die Fußstapfen seines Vaters tritt, dürfte auch kein Nachteil sein: Winfried Köninger stand einst als Weinbauberater in den Diensten des Ortenaukreises und Chef des ehemaligen Weinbauversuchsguts Schloss Ortenberg.

 

Die Beratungstätigkeit reizt Marco Köninger sehr: „Mit Hilfe der Labortechnik kann man Fehler aufdecken, bevor die Nase sie erkennt.“ Die Analytik kommt in den verschiedenen Phasen der Kellerwirtschaft zum Tragen und kann helfen, geeignete Strategien beim Ausbau edler Tropfen zu entwickeln. „Das ist genau mein Thema“, sagt Köninger, „das Fachsimpeln mit anderen Kellermeistern war schon immer mein Steckenpferd“.

Wechsel genau überlegt

Den Winzerkeller der „Hex“ verlässt Köninger, wie es so schön heißt, „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Er hat sich den Wechsel genau überlegt: „Ich kann das Unternehmen mit Stolz verlassen, gleichzeitig aber auch mit viel Freude in die Zukunft schauen“.