Erwartungen übertroffen: Seit knapp fünf Jahren dreht sich das Windrad auf der Hornisgrinde. Jetzt soll hier eine zweite Anlage errichtet werden. | Foto: Karl-Anton Doll

Acherner Investor

Matthias Griebl plant ein zweites Windrad auf der Hornisgrinde

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Der Wind bläst eigentlich immer auf der Hornisgrinde. Kein Wunder, dass der mit 1.164 Metern höchste Berg im Nordschwarzwald ein guter Standort für ein Windrad ist. Keiner weiß das besser als Matthias Griebl, dessen Familie hier seit vielen Jahren Windkraftanlagen betreibt. Zunächst gab es drei Windmühlen auf dem Berg, die vor knapp fünf Jahren durch eine einzige, größere Anlage ersetzt wurden. Jetzt will Matthias Griebl hier in Zusammenarbeit mit dem Elektrizitätswerk Mittelbaden (EWM) ein zweites Windrad errichten. Doch es gibt Probleme mit artenschutzrechtlichen Bedenken.

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„Der Stromertrag hat unsere Erwartungen um gut zehn Prozent übertroffen“, sagt Matthias Griebl: Statt der erwarteten 5,2 Millionen Kilowattstunden pro Jahr beläuft sich die „Stromernte“ auf bis zu sechs Millionen Kilowattstunden – genug, um etwa 6.000 Menschen mit elektrischer Energie zu versorgen. 85 Meter über dem Boden – dort, wo die Nabe des Windrads sitzt – bläst der Wind im Durchschnitt mit rund acht Meter pro Sekunde. „Gemäß den Vergleichszahlen des Herstellers Enercon ist die Hornisgrinde damit der beste Standort in Baden-Württemberg – vielleicht sogar in ganz Deutschland“, stellt Griebl fest.

Stromproduktion reicht für alle privaten Haushalte in Achern

Insofern würde er es nicht zuletzt mit Blick auf den Klimaschutz für „schade“ halten, wenn man den Standort mit dieser „Windhöffigkeit“ nicht besser nutzen würde. Deshalb plant Griebls Firma den Bau einer zweiten Windkraftanlage mit einer Leistung von vier Megawatt. Die Windmühle wäre zwar bis zu 50 Meter höher als die bestehende Anlage, könnte aber angesichts besserer Technik und einer noch besseren Ausnutzung des Winds pro Jahr rund 20 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren – das entspricht in etwa dem Bedarf aller privaten Haushalt in der Großen Kreisstadt Achern. Gebaut werden könnte das zweite Windrad auf Gemarkung Sasbachwalden rund 250 Meter südlich der heutigen Anlage an der Straße zwischen der Grindehütte und dem Bismarckturm. Auch das bestehende Windrad liegt auf Sasbachwaldener Gemarkung – Griebl hat auch bei seinem zweiten Projekt die Unterstützung der Gemeinde.

„Vorhaben aussichtslos“

Die Genehmigung für das zweite Windrad fällt in den Zuständigkeitsbereich des Landratsamts Ortenaukreis. Eine gewichtige Rolle spielt jedoch auch die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Freiburg. Und hier hat man offenbar bereits im Vorfeld den Daumen gesenkt: „Das Vorhaben sei aussichtslos, hat man mir aus Freiburg mitgeteilt“, so Griebl.

Blick voraus: Matthias Griebl plant ein zweites Windrad auf dem Hornisgrindegipfel. | Foto: Dominik Körner

Die Argumente kann der Winkraftbetreiber allerdings nur schwer nachvollziehen: Es gehe vornehmlich um den Vogelschlag und mögliche Folgen für das Auerhuhn. Beide Befürchtungen könnten laut Griebl durch die bisherige Praxis widerlegt werden. So sei durch den Betrieb der vorhandenen Windkraftanlage kein einziger Fall von Vogelschlag dokumentiert. Und mit Blick auf das Auerhuhn sei festzustellen, dass es schon in Anbetracht des regen Ausflugsverkehrs auf dem Hornisgrindegipfel mit Sicherheit in diesem Bereich keinen Bestand der streng geschützten Vögel gebe. Das Auerwild sei vielmehr im Biberkessel beheimatet – tatsächlich nicht weit entfernt von der Hornisgrinde, aber räumlich getrennt durch eine steile, 200 Meter hohe Karwand. Griebl stellt des weiteren fest, dass negative Auswirkungen eines Windrads auf das Auerwild durch Schattenwurf oder eine Blendwirkung „nicht eindeutig nachgewiesen wurden“. Griebl: „Mögliche Störungen durch Wanderer oder die Forstwirtschaft sind deutlich größer.“

„Fadenscheiniges Argument“

Apropos Forstwirtschaft: Habitatspflegende Maßnahmen zum Wohle des Auerhuhns werden in einem Schutzgebiet von 30 Hektar bereits vollzogen. Dabei handelt es sich um eine Ausgleichsmaßnahme, zu der sich die Familie Griebl beim Bau des vorhandenen Windrads verpflichtet hatte. „Das Monitoring zeigt, dass sich die Bedingungen für das Auerhuhn durch diese Maßnahme eher verbessert als verschlechtert haben“, sagt Griebl. Insofern sei es „ein fadenscheiniges Argument“, wenn der Bau des zweiten Windrads mit Hinweis auf das Vorkommen des Auerwild abgelehnt werde. Auch der Nationalpark wird nach den Worten Griebls durch das Vorhaben „in keiner Weise beeinträchtigt“. Er appelliert an die Vernunft der Planungsbehörden sowie der Politik, diese Chance für einen starken Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende in Baden-Württemberg zu nutzen. „Das Achertal könnnte schon bald klimaneutral sein und nicht erst 2050 wie von der Bundesregierung angepeilt.“

Artenschutzrechtliches Konfliktpotenzial

„Die Landesregierung hat sich im Rahmen ihrer Klimaschutzpolitik deutlich zum verstärkten Ausbau der Windenergie in den kommenden Jahren bekannt und strebt an, die Potenziale der Windenergie bestmöglich zu nutzen.“ bestätigt Heike Spannagel als Sprecherin des Regierungspräsidiums Freiburg. Bei der Planung von Windenergieanlagen gelte es aber auch, die Anforderungen des Natur- und Artenschutzes mit den technischen Anforderungen der Anlagen in Einklang zu bringen. Mit Blick auf Griebl Vorhaben sei bereits jetzt absehbar, dass bei einem möglichen Standort für eine zweite Windenergieanlage aufgrund der Lage der Anlagen im Vogelschutzgebiet „ein sehr hohes artenschutzrechtliches Konfliktpotential gegeben ist.“ Zu nennen seien hier „die bedeutende Auerhuhnpopulation“ sowie wichtige Bereiche für Zug- und Rastvögel.