Mehr Kapazität für das Stromnetz: Mit einer „Zubeseilung“ ertüchtigt der Übertragungsnetzbetreiber Amprion die vorhandene Hochspannungsleitung in der Region. Platz gibt es auf den vorhandenen Masten (im Bild rechts). | Foto: Christian Schäfer

50-Millionen-Euro-Projekt

Mehr Kapazität für das Stromnetz: Neue Seile auf alten Masten

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Die Energiewende führt zum Ausbau der Kapazitäten für die Stromübertragung von Nord nach Süd. Das hat jetzt Auswirkungen für die gesamte Region: Nicht nur die Transnet arbeitet – wie berichtet – an einer Ertüchtigung ihrer Hochspannungsleitungen, sondern auch der in Dortmund beheimatete Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Bis 2023 will das Unternehmen mit einem Kostenaufwand von 50 Millionen Euro die vorhandene Trasse zwischen Daxlanden bei Karlsruhe und Kühmoos im Kreis Waldshut mit einem zusätzlichen Stromkreis ausstatten. Im Ortenaukreis sind 133 Masten betroffen, davon zwei in Achern.

Gesamte Region betroffen

Die Umbaumaßnahme der Höchstspannungsleitung „Kühmoos-Daxlanden“ betrifft einen Teilabschnitt der Gesamtmaßnahme vom hessischen Bürstadt bis ins südbadische Kühmoos“, im Dezember 2017 bestätigt von der Bundesnetzagentur. Wie Projektsprecher Jörg Weber bei einer Pressekonferenz in Achern erläuterte, geht es um eine Erhöhung der Übertragungskapazität auf der Nord-Süd-Achse und darum, die Pumpspeicher in den Alpen und im Hochschwarzwald zukünftig flexibler nutzen zu können. Mit der geplanten Maßnahme werde das Übertragungsnetz zwischen Süd-Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg insgesamt verstärkt und dadurch die Versorgungssicherheit in der Region erhöht. Aus Richtung Norden über Sinzheim, Bühl und Unzhurst kommend, sind Gemarkungsflächen in Achern und Rheinau sowie Exklaven von Lauf, Sasbach, Renchen und Oberkirch betroffen, bevor die Trasse über Kehl, Neuried, Meißenheim, Schwanau, Kappel-Grafenhausen und Rust in den Landkreis Emmendingen weitergeführt wird.

„Eingriffe so gering wie möglich halten“

Zwischen Daxlanden und Kühmoos verläuft die von Amprion und Transnet BW gemeinschaftlich betriebene Leitungstrasse, die Amprion nun ausbauen will. Hier hängen bereits drei 380-Kilovolt-Stromkreise auf den Masten. Im Zuge der Umbaumaßnahme soll auf den bislang noch leeren Mast-Traversen ein weiterer 380-kV-Stromkreis aufgelegt werden. Das nennt man „Zubeseilung“. Amprion-Projektleiterin Claire Tranter: „Dabei handelt es sich um eine technisch und baulich relativ einfache Verstärkungsmaßnahme, da wir die vorhandenen Masten nutzen und so den Eingriff für Mensch und Natur so gering wie möglich halten.“ In einzelnen Bereichen werde geprüft, ob einige Masten leicht erhöht oder neu gebaut werden müssen. „Das hängt mit der Einhaltung der aktuellen DIN-Normen zusammen, wie zum Beispiel den Bodenabständen oder der TA-Lärm“, so Tranter weiter. Betroffen ist im Ortenaukreis der Schwanauer Ortsteil Wittenweier. Hier verläuft die bereits 1967 errichtete Stromtrasse in der Nähe des Orts – und hier sollen technische Maßnahmen dafür sorgen, dass die Stromleitungen „leiser“ werden.

Temporäre Wegebaumaßnahmen

Obwohl von den insgesamt 580 Masten auf der immerhin 204 Kilometer langen Ausbaustrecke voraussichtlich nur rund 30 ausgetauscht werden müssen und die Trasse selbst unverändert bleibt, sucht Amprion frühzeitig den Kontakt mit den Bürgern und den Behörden. In 60 Rathäusern entlang der Trasse hat man bereits vorgesprochen, ebenso in den Regierungspräsidien Karlsruhe und Freiburg, in denen von Ende 2019 an das fällige Planfeststellungsverfahren geführt wird. 2021 soll dann die rund anderthalbjährige Realisierungsphase beginnen. Die „Zubeseilung“ erfolgt über Rollen vom Erdboden aus. Dazu werden „temporäre Wegebaumaßnahmen“ erforderlich – beispielsweise werden Zufahrten zu den einzelnen Masten mit Aluplatten hergestellt.

Bürgertelefon

Fragen zum vorgesehenen Netzausbau beantwortet Amprion unter der kostenlosen Bürger-Hotline unter der Rufnummer (08 00) 58 95 24 74.

 

Amprion GmbH beschäftigt 1.300 Mitarbeiter und betreibt mit 11.000 Kilometern das längste Höchstspannungsnetz in Deutschland. Von Niedersachsen bis zu den Alpen werden mehr als 29 Millionen Menschen über das Amprion-Netz versorgt. Das Netz mit den Spannungsstufen 380 000 und 220 000 Volt steht allen Akteuren am Strommarkt diskriminierungsfrei zur Verfügung. Darüber hinaus ist Amprion verantwortlich für die Koordination des Verbundbetriebs in Deutschland sowie im nördlichen Teil des europäischen Höchstspannungsnetzes.