Der erste Kran steht schon auf den Illenauwiesen. Weitere werden schon bald hinzukommen
Der erste Kran steht schon auf den Illenauwiesen. Weitere werden schon bald hinzukommen | Foto: R. Spether

Büros, Wohnungen und ein Hotel

Bauarbeiten haben begonnen: 85-Millionen-Euro-Projekt von „powercloud“ in Achern

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Als wollte die Stadt Achern das Klischee von der langsam mahlenden Behördenmühle Lügen strafen: Nur ein Jahr nach der Vergabe der Illenauwiesen an den Acherner Unternehmer Marco Beicht („powercloud“) steht nun das Genehmigungsverfahren vor dem Abschluss.

Der Gemeinderat wird in Kürze gewissermaßen im Paket über den städtebaulichen Vertrag mit dem Investor abstimmen und den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan fassen.

Für geschätzte 85 Millionen Euro sollen auf den Illenauwiesen Beichts Unternehmenszentrale mit 200 Büroarbeitsplätzen, 150 Wohneinheiten, ein Hotel mit 220 Betten sowie zwei Tiefgaragen mit 365 Auto- und 260 Fahrrad-Stellplätzen entstehen. Weitere Bestandteile des Bebauungsplans sind der „Landschaftspark Mühlbach“ sowie ein öffentlicher Parkplatz mit 70 Stellplätzen.

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Auch die denkmalgeschützte ehemalige Reithalle ist in dem Konzept enthalten. Hier haben die Bauarbeiten bereits begonnen. Der Investor plant unter anderem eine Markthalle, einen Bücherladen und eine gastronomische Nutzung, ergänzt um drei Wohnungen im „Haus-im-Haus-Modell“.

Kritik an Offenlegung der Planunterlagen von „powercloud“

Dass der Gemeinderat das Projekt auf den letzten Metern noch stoppt, ist nicht zu erwarten. Der Bau- und Umweltausschuss hat mit großer Mehrheit erste Weichen für den Satzungsbeschluss gestellt. Karl Früh und Gebhard Glaser signalisierten in der Sitzung am Montag für CDU und Freie Wähler ihre Zustimmung: „Der Bebauungsplan kann marschieren.“

Glaser lobte den Plan und meinte: „Das wird ein tolles Quartier für Achern.“ Positiv aufgenommen wurden ferner die Planungen für den öffentlich zugänglichen, mehr als zwei Hektar großen „Landschaftspark Mühlbach“.

Es gab nur zwei Gegenstimmen: Die Acherner Bürger Liste stört sich an der in Lauf des Verfahrens mehrfach geänderten Gebäudekubatur, beklagt den Verzicht auf preisgünstige Wohnungen und wendet sich insbesondere auch gegen das Hotel.

Kritisch angemerkt wurde auch der Zeitpunkt der Offenlegung der Planunterlagen innerhalb des corona-bedingten Stillstands. So sei es, so ABL-Fraktionschef Manfred Nock, kein Wunder, dass es seitens der Bürger eine Anregungen und Bedenken gab.

Tatsächlich haben die ursprünglichen, in einem Wettbewerb preisgekrönten Pläne des Dresdener Architekturbüros „Querfeld Eins“ deutliche Veränderungen erfahren.

Dabei geht es nicht nur um eine Vergrößerung der Baufelder, die zu Lasten des „Landschaftsparks Mühlbach“ um 6,5 Meter vergrößert werden, sondern auch um eine deutlich geänderte Höhenentwicklung: Die L-förmige Unternehmenszentrale wird mit maximal fünf Geschossen über 18 Meter hoch, das viergeschossige, ebenfalls L-förmige Hotel bleibt knapp unter 16 Metern.

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Besondere Anforderungen sorgen für mehr Höhe

Die „Erhöhung“ ist, wie Carlo Frohnapfel als Leiter des städtischen Fachgebiets Stadt- und Umweltplanung betonte, letztlich Folge besonderer technischer Anforderungen an die jeweilige Geschosshöhe.

Gehobenen Anforderungen sollen auch die Wohnungen entsprechen: Sie entstehen in einem weiteren L-förmigen Gebäude an der Illenauer Straße sowie in insgesamt 21 punktförmigen Häusern, die teilweise miteinander verbunden sind. Gegliedert ist der campusartige Gebäudekomplex durch zwei Wohnhöfe; die Zufahrt erfolgt durch zwei Straßen, die vom motorisierten Individualverkehr weitgehend freigehalten werden.

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Oberbürgermeister Klaus Muttach (CDU) kündigte an, den städtebaulichen Vertrag mit dem Investor und den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan gemeinsam dem Gemeinderat zur Entscheidung vorzulegen. Der Vertragsentwurf liege gegenwärtig zur Prüfung beim Bauherrn; diese solle bis Ende dieser Woche abgeschlossen sein.

Muttach äußerte sich auch zu dem Hotelprojekt. Dieses stehe auch im Zusammenhang mit dem Kultur- und Tagungszentrum in der Illenau und habe mit 110 Zimmern eine Größe, die einen wirtschaftlichen Betrieb ermöglicht. Es hätten sich schon vier potenzielle Betreiber gemeldet.