Unter dem Titel "Zeitschipsel" erscheint in der kommenden Woche das 25. Buch von Otmar Schnurr. Es kombiniert die besten seiner für den ABB verfassten Glossen und eine Auswahl von Dialekt-Kolumnen des „Bruddlers“. | Foto: Michael Moos

Kolumnist Otmar Schnurr

„Mit der Zeit gehen? – ich geh’ nicht mit jedem“

Otmar Schnurr gibt sich gewohnt bescheiden: „Für mich ist es motivierend zu wissen, dass etwas, was ich schreibe, auch gelesen wird.“ Sorgen braucht er sich in dieser Hinsicht nicht zu machen: Er hat viele treue Fans. Zweimal in der Woche stehen die Glossen des Ottenhöfener Kolumnisten ganz oben auf der ersten Acherner Lokalseite im „Acher- und Bühler Boten“. Und das seit nunmehr zehn Jahren – mehr als 1 000 dieser unterhaltsamen und von hintergründigem Humor geprägten Geschichten sind mittlerweile erschienen.

„Best-of“ erscheint als Buch

Jetzt gibt es eine Auswahl davon als Buch: Der Achertäler Verlag in Kappelrodeck hat sie kombiniert mit einem „Best-of“ an Dialekt-Kolumnen, mit denen Schnurr unter dem Pseudonym „Nepomuk, der Bruddler“ seit 30 Jahren im „Achertäler Heimatboten“ Kultstatus genießt.

Als „Bruddler“ bekannt

Zeitschnipsel“ heißt das 132 Seiten starke, von Thomas Albrecht kunstgerecht illustrierte Büchlein. „Mit der Zeit gehen? – ich geh’ nicht mit jedem“: So gibt der „Bruddler“ in seiner unnachahmlichen Art gleich auf der Titelseite die Richtung vor. Gut 60 der im ABB erschienenen Glossen hat Otmar Schnurr für das Buch ausgesucht, dazwischen passen die knurrigen „Bruddler“-Geschichten. In jedem Fall geht es um Schnurrs ganz eigene Sichtweise auf das Zeitgeschehen – im Achertal oder in der großen, weiten Welt. „Manchmal boshaft, manchmal liebevoll“, wie es treffend dazu auf dem Klappentext heißt.

„Spürsinn“ für die richtigen Themen

Aus dem Ärmel schütteln lassen sich die unter der Rubrik „aufgespürt“ erscheinenden Glossen nicht – und schon gar nicht auf Kommando. Zweimal pro Woche die ABB-Glosse, dazu noch der „Bruddler“ und weitere Aufträge – das braucht Ideen, erfordert Kreativität und stellt hohe Ansprüche an den ganz besonderen „Spürsinn“ für die richtigen Themen. „Ich muss gestehen“, gibt Schnurr zu, „dass ich manchmal zwei Stunden vor dem Computer sitze und nicht weiß, über was ich schreiben soll.“ Hilfe naht bisweilen in Person von Otmar Schnurrs Ehefrau Irmgard, aber auch die familieneigene Katze hat, wie alle Schnurr-Fans unter den ABB-Lesern natürlich längst wissen, schon für so manche Glosse „gesorgt“.

Glossen mit wahrem Kern

Apropos Ehefrau: „Sie ist nicht immer glücklich mit meinen Glossen: Sie meint, ich würde ihr irgendwelche Sachen zuschreiben“, plaudert der schreibende Gatte aus dem Nähkästchen und schiebt seine kauzige Auffassung von Wahrheit hinterher: „Für mich ist Wahrheit etwas, was hätte passieren können“. 90 Prozent seiner Werke haben – man ahnt es – tatsächlich einen wahren Kern.

Dreinreden lässt sich Otmar Schnurr nicht

Mag die Suche nach einem geeigneten Thema für den nächsten Beitrag noch so schwierig sein: Dreinreden lässt sich Otmar Schnurr nicht. Wer ihm mit einem gut gemeinten Vorschlag kommt, stößt auf taube Ohren. „Ich muss eine Beziehung zu meinen Glossen haben.“

Fanpost sorgt für Freude

Dass er die Leser zum Schmunzeln bringt, ist der schönste Lohn für Otmar Schnurr. Besonders freut er sich über Post von seinen zahlreichen Fans, die übrigens nicht nur aus dem direkten Verbreitungsgebiet des ABB in der Redaktion landen. Manchmal ist er selbst erstaunt, wenn wieder einmal ein Werk von ihm gelobt wird, das er nachträglich selbstkritisch als „Murks“ eingestuft hat.

Katze in einer Hauptrolle

Natürlich hat Otmar Schnurr eine Lieblingsglosse. Kein Wunder, dass auch in diesem Fall die Familienkatze die Hauptrolle spielt: Mit Schnurrs schweigender Zustimmung schleckt die Samtpfote die Sahne aus dem Schälchen auf der Kaffeetafel. Als die Hausfrau Verdacht schöpft und der Ehemann beteuert, er selbst habe genascht, zeigt die sich erbrechende Katze, dass Lügen eben doch eher kurze Beine haben.

„Zeitschnipsel“ ist die 25. Buchveröffentlichung von Otmar Schnur. Das erste Werk des 72-jährigen Diplomtheologen aus Ottenhöfen erschien 1984 unter dem Titel „Stoßgebete und ebensolche Seufzer“. Seine „erfolgreichste“ Publikation war ein Schulbuch: Das von ihm verfasste Lehrbuch für den Religionsunterricht in Gymnasien und Realschulen erreichte eine Auflage von 50.000 Exemplaren.