Vandalismus oder Protest? Die Verkehrsschilder in der Oberacherner Johannesstraße wurden unkenntlich gemacht. | Foto: Michaela Gabriel

Protest oder Vandalismus?

Mit schwarzer Farbe gegen Einbahnstraße in Oberachern

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Da war offenbar jemand richtig wütend auf die Verkehrsregelung in der Johannesstraße. In der Nacht zum Samstag griff er oder sie, wie bereits kurz berichtet, zur Spraydose und machte zwei Einbahnstraßenschilder an der Oberacherner Straße mit schwarzer Farbe völlig unkenntlich. Dabei ist ein Sachschaden von 450 Euro entstanden, den die Stadt Achern aus den Oberacherner Ortsbudget entnehmen wird, wie Hans Heizmann vom Ordnungsamt gestern auf Anfrage mitteilte.

Von unserer Mitarbeiterin Michaela Gabriel

Es ist die einzige Einbahnstraße in ganz Oberachern und für jeden Einheimischen einigermaßen schwer zu schlucken. „Schnapsidee” schimpften am Anfang viele. „100 Jahre durfte man da reinfahren und jetzt nicht mehr“, sagt neulich noch eine Bürgerin, die immer noch kein Verständnis für die Regelung aufbringt. Vor einem Jahr wurde sie angeordnet und verbietet seitdem die Einfahrt in die Johannesstraße von der Oberacherner Straße aus. Ein Gasthaus und ein Elektrobetrieb liegen in dem kurzen Straßenabschnitt und müssen seitdem über die Oberkirchstraße oder die Rötzestraße angesteuert werden.

Es geht um den Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer

Um das Kolonnenparken und das damit verbundene Befahren des Gehwegs bei Begegnungsverkehr zu ordnen, habe er die Regelung angeordnet, erklärt Hans Heizmann von der Straßenverkehrsbehörde der Stadt Achern. Es gehe darum, die schwächeren Verkehrsteilnehmer vor rücksichtslosen Autofahrern zu schützen. Dieser Zweck sei auch erfüllt. Denn seitdem höre man nichts mehr davon, dass die Gehwege immer noch befahren werden.

Zahlreiche Anzeigen

Auf die Einrichtung der Einbahnstraßenregelung auf dem kurzen Abschnitt habe es positive und negative Rückmeldungen gegeben, so Hans Heizmann. Kritisiert worden sei die Richtung der Einbahnstraße. Sie andersherum festzulegen wäre jedoch wegen der Sichtverhältnisse an der Ausfahrt der Johannesstraße auf die Oberkirchstraße die schlechtere Lösung gewesen. Dass das Parken auf dem Gehweg dennoch nicht ganz aufgehört hat, lässt sich an der Zahl der Anzeigen ablesen. 37 Fälle von Parken auf dem Gehweg hat das Ordnungsamt 2018 registriert und 84 Fälle im Jahr 2019. Davon waren es 70 Fälle von Gehwegparken, nachdem die Einbahnstraßenregelung schon bestand. Zwei Drittel davon habe der Kommunale Ordnungsdienst festgestellt, so Heizmann. Er sei an 42 Tagen vor Ort gewesen. Ein Teil sei von einem Anwohner mit Fotos eingereicht worden.

Schilder erneuert

Das Gehwegparken in Höhe des Gasthauses sei dabei kein Problem mehr. Die Verstöße beträfen nun hauptsächlich den breiten Gehweg in einer Kurve und die Abschnitte der Johannesstraße, in denen es für ein reguläres Parken auf der Fahrbahn zu eng sei. Die Schilder waren übrigens bereits am Dienstag erneuert. „Keine Einfahrt”, außer für Fahrradfahrer, ist also wieder klar zu erkennen.

Als Sachbeschädigung angezeigt

Das Beschmieren der Schilder mit Farbe sei eine Sachbeschädigung, die man angezeigt habe, hört man aus dem Rathaus. Falls der Täter ermittelt werde – die Polizei bittet um Hinweise – müsse er für den Schaden aufkommen.

Zu Lasten der Oberacherner „Dorfmittel“

Und falls es wieder passieren sollte, werde das Geld wieder aus Steuermitteln kommen und die Oberacherner „Dorfmittel“ schmälern, so Heizmann. Das dürfte den Bürgern des größten Stadtteils nicht gefallen.