Graue Faserzementplatten und Holz prägen die äußere Hülle des Montessori-Zentrums in Offenburg. | Foto: Ulrich Coenen

Montessori-Zentrum Offenburg

Ein liebevolles Raumgefüge für Kinder

Reduzierte Formen und Materialien prägen das Werk von Lehmann Architekten. Das ist mitunter so mutig, dass der Besucher sich an den Brutalismus der Nachkriegsmoderne erinnert fühlt. Das Büro in Offenburg mit heute rund 20 Mitarbeitern wurde vor fast vier Jahrzehnten von Gerhard Lehmann gegründet, inzwischen sind seine beiden Söhne Gunnar und Grischa Partner. Lehmann Architekten haben bereits auf nationaler Ebene die Aufmerksamkeit des Fachpublikums gefunden, beispielsweise 2010 mit dem Erweiterungsbau für das Herzog-Anton-Ulrich-Museum in Braunschweig.

Der Haupteingang ist tief in die Fassade eingeschnitten. | Foto: Ulrich Coenen

Ein Schwerpunkt des Büros liegt aber an seinem Sitz in Offenburg, wo das Familienunternehmen in den vergangenen Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zur Baukultur geleistet hat. Mit dem 2015 fertiggestellten Montessori-Zentrum hat der Bund Deutscher Architekten (BDA) jetzt erneut ein Projekt von Lehmann mit der Hugo-Häring-Auszeichnung prämiert.

Innenhof des Montessori-Zentrums | Foto: Ulrich Coenen

Das Hauptwerk der Architekten in ihrer Heimatstadt ist die Konversion der Ihlenfeldkaserne aus den 1890er Jahren zum Kulturforum. Die Umgestaltung wurde in drei jeweils vom BDA ausgezeichneten Bauabschnitten zwischen 1993 und 2007 realisiert. Das monumentale wilhelminische Gebäude, das einen großen Innenhof umschließt, dient heute Kultur, Dienstleistungen und Wohnen. Das städtebaulich kaum zu überschätzende Gesamtprojekt zeichnet sich durch einen subtilen Umgang mit der historischen Bausubstanz und gelungene Ergänzungsbauten aus, die im spannungsvollen Kontrast zum Altbau stehen.

 

Das Montessori-Zentrum setzt in einem wenig attraktiven Mischgebiet einen Akzent. | Foto: Ulrich Coenen

Ein Projekt wie das Montessori-Zentrum (Burdastraße 9) zählte bislang nicht zu den Schwerpunkten von Lehmann Architekten. Zwar hat das Büro bereits Schulen (unter anderem die Friedrich-August-Haselwander-Schule in Offenburg) realisiert, das Montessori-Zentrum ist aber ein alternatives pädagogisches Angebot in der privaten Trägerschaft eines Vereins. Wie es auf der Homepage des Zentrums heißt, „leben und lernen in unserer Einrichtung Kinder in den Bereichen Krippe, Kinderhaus und Grundschule unter einem Dach“.

Organische Formen haben die Korridore, die das Montessori Zentrum erschließen. Mal weiten sie sich, dann werden sie wieder enger. | Foto: Ulrich Coenen

Dafür haben Lehmann Architekten in der städtebaulich schwierigen Umgebung eines unattraktiven Mischgebiets die architektonische Hülle geschaffen. Der organische Grundriss des bungalowartigen Bauwerks beschreibt ein unregelmäßiges U, der an der Westseite durch einen pavillonartigen Anbau erweitert ist. Dieses Konzept wurde auf der Grundlage der funktionalen Betriebsabläufe der Einrichtung mit ihrem breit gefächerten Angebot erarbeitet. Alle Räume für die Kinder unterschiedlichen Alters sind von der Straße abgewandt und öffnen sich mit großflächigen Fenstern zum Innenhof beziehungsweise Garten. Ein Korridor, der sich weitet und wieder verengt, erschließt das Gebäude. Leider wirken gerade die dortigen Möbel in ihrer Auswahl beliebig. Dies gilt auch für die Gestaltung der Außenbereiche.

Gruppenraum des Montessori-Zentrums | Foto: Ulrich Coenen

Das Montessori-Zentrum ist ein eingeschossiger Massivbau mit begrüntem Flachdach, dessen Fassaden mit den das Bauwerk prägenden grauen Faserzementplatten verkleidet sind. Teilbereiche wie der an eine Loggia erinnernde Haupteingang wurden mit großformatigen Holztafeln verblendet und setzten einen zurückhaltenden farblichen Akzent. „Der Umgang mit natürlichen Werkstoffen, deren Haptik und Alterung bilden die Grundlage des Materialkonzepts sowohl im Innen- als auch im Außenbereich“, berichten die Architekten in ihrer Projektbeschreibung. Damit gehen sie, gerade in einer Tagesstätte für Kinder, ganz bewusst das Risiko von Gebrauchsspuren ein.
Das Preisgericht spricht von einem liebevoll austarierten Raumgefüge für Kinder. „Positiv gewürdigt werden die differenzierten Erschließungsräume im Inneren, die spannende und abwechslungsreiche Flächen mit guten Aufenthalts- und Lernqualitäten generieren. Der gewählte Materialmix aus Beton- und Holzflächen ergänzt den positiven Raumeindruck im Inneren und Äußeren.“