DIE BAUKONJUNKTUR BRUMMT und damit auch das Geschäft der Unternehmen. Die Firmen zeigen sich zunehmend zurückhaltend bei der Bewerbung um kommunale Vorhaben, zudem sind die Preise im Einzelfall recht happig. | Foto: Patrick Pleul

Bauboom in nördlicher Ortenau

„Müssen guten Firmen hinterherrennen“

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Die Konjunktur ist in Fahrt, Baufirmen und Handwerksbetriebe melden zumeist volle Auftragsbücher. Wie macht sich dieser Umstand in den Rathäusern in der nördlichen Ortenau bemerkbar? Kommt es zu Verzögerungen und Verteuerungen, da Firmen bei Ausschreibungen wegen der hohen Nachfrage den Angebotspreis entsprechend hoch setzen? Die BNN haben in den Rathäusern nachgefragt.

Achern

Aus Sicht der Stadtverwaltung Achern wirkt sich die positive Konjunktur in der Baubranche auch auf die Kostenkalkulation aus. Man könne nicht mehr davon ausgehen, dass Bieter mit bewusst niedrigen „Kampfpreisen“ um die entsprechenden Aufträge „buhlen“, teilt die Pressestelle der Stadt Achern mit.
„Aus kommunaler Sicht ist es sehr schwierig zu beurteilen, ob diese Situation primär auf die Vielzahl von Auftragsmöglichkeiten oder auch andere Ursachen, zum Beispiel Fachkräftemangel, zurückzuführen ist“, erklärt Stadtsprecherin Helga Sauer.

Innerhalb der Stadt Achern sei es bislang noch nicht zu Verzögerungen bei der Auftragserteilung und Abwicklung gekommen, „zumal für die Abgabe von Angeboten konkrete Fristen benannt werden“. So sei es kaum vorstellbar ist, dass Firmen erst nach Monaten oder gar Jahren reagieren. Auch sind bei öffentlichen Ausschreibungen keine Angebote eingegangen. „Eine anschließende beschränkte Ausschreibung hat dann sehr wohl zu vergleichbaren Angeboten geführt“, so Sauer.

Rheinau

„In der Regel sind die Kostenkalkulationen auskömmlich“, so Roland Mündel, Bauamtsleiter der Stadt Rheinau auf BNN-Anfrage. Thema in der Rheinauer Bauverwaltung ist derzeit die Sanierung zahlreicher Straßenbrücken. Dabei gab es laut dem Bauamtsleiter Verteuerungen von bis zu 80 Prozent. „Deshalb schlagen wir dem Gemeinderat in der Sitzung am Mittwoch, 31. Mai, vor, diese Ausschreibungen aufzuheben.“ Gegenüber vergangenen Jahren beteiligen sich wegen der derzeitigen „sehr guten“ Auftragslage weniger Firmen an Ausschreibungen. „Für die Haushaltsmaßnahmen 2017 ist es bis jetzt noch zu keinen Verzögerungen gekommen“, so Mündel.

Seebach

Die Gemeindeverwaltung des Mummelseedorfes konnte die jeweiligen Kostenvoranschläge verschiedener Projekte einhalten. Bürgermeister Reinhard Schmälzle verweist dabei unter anderem auf die Sanierung der Schultoiletten und einer Straße. Bei der derzeitigen Erschließung eines Baugebiets werde bislang der Kostenrahmen eingehalten.

Kappelrodeck

Die Rotweingemeinde muss nach eigener Darstellung „guten“ Firmen regelrecht „hinterherrennen“, um überhaupt Angebote zu erhalten, da die Auftragsbücher gefüllt sind. Auch komme es regelmäßig zu Bauverzögerungen, bedauert Bürgermeister Stefan Hattenbach. „Wir müssen regelmäßig unsere Kostenberechnungen der Marktsituation anpassen.“

Dabei müsse die Gemeindeverwaltung Preissteigerungen im zweistelligen Prozentbereich innerhalb kürzester Zeit verkraften. Bei nahezu allen Bauprojekten liegt die Verwaltung innerhalb der zuvor aufgestellten Kostenberechnungen, versichert Hattenbach. Ähnlich wie in Rheinau zog der Gemeinderat in Kappelrodeck die Reißleine, als die Ausschreibung einer Brückensanierung „aus dem Ruder lief“.

Lauf

Die gute Baukonjunktur macht sich auch in der Gemeinde Lauf offenbar bemerkbar: So haben für die Ortskerngestaltung im Bereich „Scharfes Eck“ zunächst fünf Fachfirmen ihr Interesse bekundet. Letztendlich hat eine Firma ein Angebot eingereicht, erklärt Bürgermeister Oliver Rastetter auf Anfrage. Die Angebotssumme habe „leicht unter“ der Kostenkalkulation gelegen. „Der Baubeginn wurde eingehalten und wir sind auch mit dem Bauablauf bislang hoch zufrieden“, so Rastetter.
Die Sanierung der Neuwindeckhalle erfolgt zeitlich versetzt in zwei Modulen. Im ersten Abschnitt waren es oftmals pro Gewerk maximal drei Firmen, die Angebote einreichten. „Vor Kostensteigerungen oder Verzögerungen aufgrund des Baubooms wurden wir bislang verschont“, so das Fazit des Laufer Bürgermeisters. Jedoch bekämen die Firmen selbst Probleme bei den Materialbestellungen. Dadurch entstünden insbesondere im Tiefbau Engpässe.

Sasbach

Ähnlich die Lage im Lenderdorf. Auch dort liegen verschiedene Projekte im Kosten- und Zeitrahmen, teilt Natalie Schwarzkopf-Weber von der Gemeindeverwaltung Sasbach mit. Unter anderem Ausbau des Breitbandnetzes, Sanierung der Sanitäranlagen in der Sophie-von-Harder-Schule sowie Renovierung des Klärwerks. Trotz guter Baukonjunktur gingen nach der Ausschreibung verschiedene Angebote ein. „Wettbewerb ist vorhanden“, so das Fazit.

Die Frage, ob sich die gute Baukonjunktur in der Kostenkalkulation niederschlägt, könne die Verwaltung nicht pauschal beantworten. „In diesem Bereich spielen viele Kriterien zusammen“, so Schwarzkopf-Weber. Die Preise für Bauleistungen sind aus Sicht der Gemeinde Sasbach gemäßigt gestiegen.