Die wilden Germanen aus Sasbachwalden zogen zum Acherner Umzug ins Tal. | Foto: Roland Spether

Fastnachtsumzug in Achern

Narren trotzen Wind und Regen

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Verkehrte Welt in Achern: Während die Hornisgrindestadt bei milden 17 Grad und Sonnenschein an Rosenmontag ihrem gemächlichen Alltagstrott nachging, wandelte sich die Hauptstraße am „Fastnachts-Zischdi“ bei nasskalter Witterung in eine einzige Partyzone. Die Acherner Narren trotzen Regen und Wind.

3 000 Hästräger machen Innenstadt unsicher

Tausende Besucher feierten mit etwa 3 000 Hästrägern von 93 Narrenzünften die 70. Auflage des großen mittelbadischen Kinder- und Fastnachtsumzug der Narrhalla Achern. „Rekordverdächtig“, wie Moderator Heinz Spitzmüller neben zahlreichen „Narri-Narro“-Salven enthusiastisch in sein Headset brüllte. So viele Teilnehmer seien noch nie in Achern dabei gewesen.

Narrhalla Achern feiert närrische Jubiläen

Für Narrhalla-Ehrenpräsident Richard Kiefer, der von 1992 bis 2008 an der Spitze der Acherner Narrengesellschaft stand, ist es nicht nur deshalb ein besonderer Umzug. Denn neben der 70. Auflage feiert die Narrhalla ihr 144-jähriges Bestehen. Und die Dreizipeleshansele existieren seit 44 Jahren. „Selbst bei diesem Wetter sind drei bis vier Zuschauerreihen zu sehen“, freut sich Kiefer. Nicht nur aus der Ortenau, auch aus dem Raum Freiburg und dem Schwäbischen sind Gruppen angereist.

Konfetti bleibt verboten

Wie bereits vergangenes Jahr, war auch während der 70. Ausgabe wegen Regens Konfetti verboten. „Deshalb sind heute einige Narrenzünfte nicht dabei, weil sie sich vergangenes Jahr nicht an die Spielregeln gehalten haben“, erklärt Kiefer. Und 2017? Hier und da konnten sich einige Narren den Griff in den Konfettibeutel nicht verkneifen – der große Konfettiregen blieb indes aus.

Hexen werfen Jugendliche in Käfig

Die Zuschauer am Straßenrand waren vor den teils gruseligen Narrengestalten nicht sicher – hin und wieder schmierten Hexen und Dämonen älteren Frauen schwarze Farbe ins Gesicht. Oder sie schnappten sich Jugendliche und sperrten sie in einen drehendenn Käfig. Unter den Hästrägern befand sich auch eine Familie aus Bad Rippoldsau, die für den Narrenverein Riebele mitlief. Der Vater trug – als Tröpfelehexe verkleidet – eine wetterfeste Holzmaske mit einem Nasentropfen.

Ein Höhepunkt war der Auftritt der Glotterpiraten. Ein überdimensionierter Lastwagen mit einem grimmig dreinschauenden King Kong zog einen Anhänger mit Piratenschiff. Ein Pirattennarr gönnte sich ein Schaumbad und den Umzugsbesuchern eine Sektdusche.

Lob vom Bürgermeister

Acherns Bürgermeister Dietmar Stiefel beobachtete begeistert die Szenerie: „Dass trotz der Witterung so viele Zuschauer hier sind, hat der Veranstalter mit seiner großartigen Jubiläumskampagne verdient.“ Zugleich lobte er die Vorbereitungen: „Dass alles ohne unerwünschte Begleiterscheinungen über die Bühne geht, ist ein Verdienst der Narrhalla.“

Wenig Arbeit für die Polizei

Musikalisch boten die Bläch Forest Guggys fetzige Musik und die Niesatzer Schelleteufel trieben mit ihrer rollenden Disco wummernde Bässe über die Hauptstraße. Viel Rauch quoll aus dem Kamin eines fahrenden Fachwerkhäuschens der Willstätter Hexen. Und die Eiskellerdämonen aus Oberachern waren mit einem als Eisgrotte umgestalteten Wagen und integrierten schauderhaften Grimassen unterwegs.
Weniger schauderhaft war die Bilanz des Roten Kreuzes. Bis auf kleinere Fußverletzungen und Blasen sei es zu keinen größeren Einsätzen gekommen. Auch die Polizei musste nicht eingreifen.