Darts
Eine ruhige Hand braucht Stefan Seifermann zum Dartspielen. Die Sicherheit holt er sich beim Training im Großweierer Gasthaus „Linde“. | Foto: Dominic Körner

Großweierer blickt nach London

Nervenspiel an der Dartscheibe

Die Gladiatoren im „Ally Pally“ kommen anders daher als im alten Rom: Bierbäuchig, tätowiert, ein wenig verlebt. Wer Phil Taylor und Konsorten an der Dartscheibe sieht, fühlt sich unweigerlich an seinen letzten Kneipenbesuch erinnert. Und doch zeugen Tausende frenetische Zuschauer im altehrwürdigen Londoner Alexandra Palace davon, dass sich Darts längst vom verstaubten Image eines Kneipensports emanzipiert hat.

WM-Finale am Montag

Wenn die Profis in der englischen Hauptstadt um den WM-Titel spielen – das Finale steigt am Montag – sitzt Stefan Seifermann aus Großweier gebannt vor dem Fernseher. Sein Liebling: Jener Phil Taylor, ein ergrauter, dicker Mann aus dem englischen Stoke-on-Trent, der Rekordweltmeister. „Seine Coolness beeindruckt mich“, sagt Seifermann anerkennend, der selbst ein versierter Dartspieler ist.

Dart-ABC

Ally Pally: Alexandra Palace
Bullseye: Feldmitte, 50 Punkte
Double: Doppelfeld
Good Darts: Dartgruß
High Finish: Hoher letzter Spielzug
High Score: 180 Punkte mit 3 Pfeilen
Leg: 3 gewonnene Legs = 1 Satz
Nine-Darter: Neun Pfeile für 1 Leg
Set: Satz, vergleichbar mit Tennis
Short Leg: Leg mit max. 18 Darts
Tops: Doppel-20, beliebtes Feld
Triple: Dreifache Punktzahl

Große Erfolge in den Neunzigern

1997 wurde er Deutscher Meister, 1998 Team-Weltmeister in Las Vegas. Ein Höhepunkt blieb ihm indes verwehrt: Das Duell gegen sein Idol. Vor Jahren waren Seifermann und der große Phil Taylor beim selben Turnier gemeldet. Die Auslosung jedoch meinte es aber gut mit einem Freund des 47-Jährigen. „Mein Kumpel hat gegen Taylor gespielt“, erzählt Seifermann schmunzelnd, „eine Chance hatte er natürlich nicht.“

Die Null gewinnt

Seit fast 25 Jahren steht der Großweierer mit Begeisterung an der Dartscheibe. Die Regeln im Eins-gegen-eins sind simpel: Beide Spieler starten mit einer bestimmten Punktzahl (bei den Profis 501).

Die Präzision macht den Reiz aus

Ziel ist es, durch möglichst hohe Treffer schneller als der Kontrahent auf Null zu kommen. Dafür stehen den Akteuren pro Durchgang jeweils drei Pfeile zur Verfügung, der letzte Wurf zur Null muss über ein – sehr schmales – Doppelfeld erfolgen.

Ruhige Hand und Rechenkünste

„Wichtig ist: Man muss schnell rechnen können“, erklärt Seifermann, „um während des Spiels zu wissen, welche Zahl noch steht.“ Geworfen werden die rund 25 Gramm leichten Pfeile aus 2,37 Metern Entfernung, das Spielfeld hat einen Durchmesser von 37 Zentimetern. Das meist anvisierte, weil höchste Punktefeld ist die Triple-20. Es ist weniger als zwei Quadratzentimeter groß.

Spiel entscheidet sich im Kopf

„Die Präzision macht den Reiz am Dartsport aus“, sagt Seifermann. Über Erfolg und Misserfolg entscheide, bei allem Talent und Trainingseifer, in erster Linie die mentale Stärke. Man müsse Rückschläge sofort verarbeiten können.

Darts
Ohne Training keine Leistung: Um sein Spiel zu verbessern, steht Stefan Seifermann täglich an der Dartscheibe. | Foto: Dominic Körner

 

„In engen Spielen eine ruhige Hand zu behalten, ist die große Kunst“, betont Seifermann und berichtet von allerlei Psychospielchen, die vor der Scheibe stattfinden. „Man kann dem Gegner nach dem Abziehen der Pfeile direkt in die Augen schauen oder seinen Rhythmus brechen, indem man das Spiel verlangsamt.“

Fernsehtipp: WM-Finale: Montag, 2. Januar, 21 Uhr, sport1

Glanzlicht in Vegas

Seifermann weiß wovon er spricht, denn er hat es als Hobbyspieler einst weit gebracht. Vor 19 Jahren gewann er am Automaten – einer Scheibe mit Kunststoffzapfen und maschineller Spielstandanzeige – die Deutsche Meisterschaft. Im Jahr darauf triumphierte er mit der deutschen Mannschaft bei der WM in Las Vegas. „Das war ein unvergessliches Erlebnis“, erinnert sich Seifermann, „auch wenn ich nur als Ersatzspieler dabei war.“

Rekordweltmeister: Der Engländer Phil Taylor.
Rekordweltmeister: Der Engländer Phil Taylor. | Foto: Sean Dempsey

Traum vom „Ally Pally“

Heute spielt er für den DC „Red Bonkers“ in der Ortenauer Dart-Liga, der 150 Vereine angehören. Seifermann trainiert ein bis zwei Stunden täglich. „Meine besten Zeiten sind vorbei“, räumt er zwar ein, den Traum vom „Ally Pally“ hat er dennoch nicht aufgegeben. „Als Zuschauer will ich dort auf jeden Fall mal hin.“

Immerhin: Ein bisschen was von Taylors Coolness hat er sich offenbar abgeschaut. Während ein Gegner bei der Deutschen Meisterschaft seine Konzentration mit Kaffee und Cola steigern wollte, saß Seifermann lässig daneben… und trank Bier. Also doch – ein bisschen wie in der Kneipe.

www.ortenau-dartliga.de