Hirsche und andere Tiere machen sich im Winter rar, um Energie zu sparen. Besucher des Nationalparks bekommen sie dann nicht zu Gesicht. | Foto: Naturschutzzentrum Ruhestein/Archiv

Nationalpark Schwarzwald

Nur Spuren weisen auf Tiere hin

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Wolfgang Schlund bleibt stehen. Er deutet auf Spuren im Schnee, direkt neben dem Gehweg. Leicht dreieckig sehen sie aus. Von welchem Tier sie wohl stammen, möchte der Nationalparkleiter wissen. Die rund 30 Schneeschuhwanderer, die an seiner Führung im Nationalpark Schwarzwald teilnehmen, haben allerlei Vermutungen: „ein Huftier?“, „ein Reh?“ oder doch „ein Wildschwein?“ Schlund deckt auf: Es handelt sich um die Spuren eines Eichhörnchens. Was die Parkbesucher für den Abdruck eines einzelnen Hufes hielten, sind die Abdrücke aller vier Eichhörnchen-Pfoten.

Wie überwintern Tiere im Nationalpark Schwarzwald? Dieser Frage gehen Wolfgang Schlund und Ranger Wolfram Hessner mit den Besuchern nach. Während das Eichhörnchen auch ab und an im Winter unterwegs ist, um versteckte Nüsse zu holen, halten andere Tiere Winterschlaf oder fliegen in den Süden. Aber auch die Tiere, die weder schlafen noch weggehen, müssen sich an den Winter anpassen. Sie fahren ihre Körpertemperatur herunter, um weniger Energie zu verbrauchen. Deswegen gibt es Schutzzonen im Nationalpark, die nicht betreten werden dürfen. Denn wenn beispielsweise Rehe gestört werden und sich in Gefahr wähnen, müssen sie für die Flucht ihren Kreislauf hochfahren und verbrauchen so lebenswichtige Energie, erklärt Schlund. So kommt es, dass die Besucher an diesem Nachmittag kein Tier zu Gesicht bekommen. Dafür aber einige umgekippte und abgebrochene Bäume. „Die werden liegen gelassen“, erklärt Schlund. Denn auch sie bieten Wohnraum für viele kleine Tiere wie Asseln und Käfer.

Löcher im Schnee

An einigen Stellen beobachten die Teilnehmer Löcher im Schnee. „Es gibt im Berg Gangsysteme“, so Schlund. In denen sei die Luft wärmer und an den Orten, an denen sie entweicht, entstünden solche Schneelöcher. Manche kleinen Tiere machen sich diese zunutze, um darin zu überwintern. Größere Tiere kommen durch die Löcher an Gras zum Fressen.

Abdrücke im Schnee neben den Wegen waren wie hier im Bild alles, was die Besucher auf der Führung von Tieren sahen. Dafür lernten sie vieles über das Verhalten verschiedener Tiere im Winter im Nationalpark. | Foto: Lara Teschers

Auerhühner fressen Nadeln

Drei Stunden dauert die komplett ausgebuchte Führung. Schlund freut sich, dass so großes Interesse besteht, denn er ist selbst ein Winter-Fan und gern auf Schneeschuhen unterwegs. Zwischen drei und vier Kilometer ist die heutige Route lang, es geht über breite Wege und enge Pfade. Ab und an liegt auch mal ein Baum im Weg, durch den sich die Besucher hindurchkämpfen müssen. Der Himmel ist bedeckt, alles glänzt weiß vor lauter Schnee. Je höher der Weg führt, desto nebliger wird es. An aus dem Schnee herausschauenden Heidelbeersträuchern macht Schlund wieder eine Pause. „Hier, weiter oben, leben die Auerhühner“, erklärt er. Sie seien eine schützenswerte Art, da ihre Population insgesamt immer weiter abnehme. „Hier kommen sie noch in guter Zahl vor.“ Im Sommer ernähren sie sich von Heidelbeeren, im Winter fressen sie die Nadeln von Fichten und Kiefern. „Sie lieben tote Bäume zum Schlafen im Winter“, berichtet der Parkleiter.

Angepassten Tieren macht die Kälte nichts aus

Inzwischen fängt es an zu schneien. Gefühlt ist es deutlich kälter als zu Beginn der Führung am Nationalparkzentrum Ruhestein. Dick eingepackt sind die Teilnehmer, mit Schneehosen, Mützen und teils sogar Skibrillen. Für angepasste Tiere seien normale Winter besser als milde, erklärt Schlund an einem Beispiel: „Wenn es im Januar schon 15 Grad warm ist, wachen die Fledermäuse aus ihrem Winterschlaf auf und fliegen los.“ Doch das sei zu früh. Gut angepasst an die kalte Jahreszeit ist auch der Hase. „Mit jeder Schneeschicht bekommt er besseres Futter“, weiß Schlund. So findet man im Sommer weiter oben an den Bäumen noch Bissspuren der Hasen, die ohne hohen Schnee nicht daran gekommen wären.

Tiere verstecken sich

Es geht wieder bergab. Ranger Wolfram Hessner hört den Ruf eines Vogels. Doch durch das laute Knirschen der Schuhe auf dem Schnee ist er der einzige. „Wenn Menschen kommen, bleiben die Vögel im Winter oft still“, erklärt Hessner. Die Besucher verstummen, lauschen auf die Geräusche des Waldes. Doch nichts ist zu hören, außer der nahen Straße. Die Schneeschuhwanderer sind zurück am Nationalparkzentrum. Bis auf wenige Spuren haben sie kein Lebenszeichen der Tiere gesehen. „Es ist sehr selten, dass man im Winter Tiere sieht, auch wenn man allein unterwegs ist“, meint Wolgang Schlund. Denn sie verstecken sich. „Heute gab es auch wenige Spuren zu sehen, weil es gerade frisch geschneit hat“, erklärt er. Erst einen Tag nach Schneefall gebe es wieder vermehrt Spuren.