Flüchtlingsunterkünfte Corona
Mehrsprachige Infos über das Virus wie etwa vom Bundesamt für Migration wurden an die Bewohner der Asylunterkünfte weitergeleitet und dort ausgehängt. | Foto: Prinz

Abstand trotz beengtem Raum

Ortenaukreis hält Wohnungen für mögliche Corona-Infizierte aus Flüchtlingsunterkünften bereit

Anzeige

In der Korona-Krise Abstand halten auf engem Raum – die Bewohner der Flüchtlingsunterkünfte in Achern bemühen sich so gut wie möglich. Ortenaukreis und Stadt Achern sehen im Fall einer Infektion Lösungen für ihre Unterkünfte.

Die Vorschriften wegen des Coronavirus gelten, wie für alle anderen, auch in den Flüchtlingsunterkünften – für die Menschen dort ist es auf beengtem Raum allerdings ganz besonders schwierig, Abstand zu halten. In den Einrichtungen in Achern klappt das offenbar dennoch gut, sagen die Verantwortlichen.

Aktuell ist kein Infektionsfall bekannt. Andernorts im Bundesgebiet wurden nach einzelnen positiven Corona-Tests unterdessen komplette Unterkünfte unter Quarantäne gestellt.

Bewohner achten auf Abstand

„Im Fall einer Infektion werden wir die betroffenen Personen in eigens dafür vorgesehenen Wohnungen isolieren. Weitere Maßnahmen werden mit dem Gesundheitsamt abgesprochen“, erklärt Landratsamts-Sprecher Kai Hockenjos für die Gemeinschaftsunterkünfte des Ortenaukreises.

Im Moment setzt der Kreis noch auf Aufklärung und informiert die Bewohner mehrsprachig über das Virus und die aktuellen Beschränkungen durch die Landesregierung.

„Die Leute halten sich, so gut es geht, an die Regeln und gehen zum Beispiel seltener einkaufen“, sagt Tobias Haas, der für das Landratsamt die Acherner Unterkünfte Hornisgrindestraße und Alter Bahnhof betreut.

Selbst in der Gemeinschaftsküche werde auf Abstand geachtet, auch wenn das nicht gerade leicht sei. „Ich habe aber den Eindruck, dass alle sehr sensibel mit dem Thema umgehen, sicher auch aus Angst, dass es noch schlimmer kommen kann“, so Haas.

Mehr zum ThemaAlle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Anspannung vor allem bei iranischen Geflüchteten

Generell sei die Stimmung unter den Bewohnern so angespannt wie auch außerhalb der Flüchtlingsunterkünfte – ganz besonders bei den vielen aus dem Iran geflüchteten Menschen in Achern, deren Heimatland schwer von Corona getroffen ist: „Viele kennen natürlich noch Leute dort, darunter eben auch Menschen, die am Virus gestorben sind“.

Auch die Flüchtlinge in Anschlussunterbringung wurden per Merkblatt über Gefahren und Schutzmaßnahmen informiert, teilt die hierfür zuständige Acherner Stadtverwaltung mit. Außerdem hätten die Integrationsmanager jeden zusätzlich persönlich angerufen.

Mehr zum Thema: Karten zeigen alle bestätigten Coronavirus-Fälle in Baden-Württemberg

Ehrenamtliche halten aus der Ferne Kontakt

Kontakt halten ist auch den ehrenamtlichen Helfern wichtig, wie Monika Huber vom Arbeitskreis Migration Achern sagt, gerade, weil beispielsweise mit dem Café International eine wichtige Anlaufstelle wegfalle.

Stattdessen wird regelmäßig per Telefon oder Whats-App-Gruppe kommuniziert. Nicht nur, um angesichts des engen Zusammenlebens die aktuellsten Kontaktregeln zu erklären: „Man muss den Menschen auch sagen, dass man eingeschränkt trotzdem rausgehen darf – vor allem, damit die Kinder nicht nur noch Zeit vor Bildschirmen verbringen“, sagt sie.

Isolation wäre sicherlich schwierig, aber nicht gänzlich unmöglich.

Stadt Achern

Die Stadt Achern stellt für die Unterkünfte unterdessen Seifenspender und Reinigungsmittel zur Verfügung; die bestehenden Putzpläne würden eingehalten, heißt es weiter aus dem Rathaus.

Eine Isolation sei „sicherlich schwierig, aber nicht gänzlich unmöglich“, so die Stadt weiter: Zum Beispiel sei eine interne Umverteilung der Betroffenen in freie Einzelzimmer und eine strikte räumliche Trennung der Sanitäranlagen und Duschen möglich; auch eine Verlegung in andere Unterkünfte sei denkbar.