Ein Einbaum aus Achern für den Bodensee: Forstrevierleiter Peter Schmiederer vermisst die Eiche, die in das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen transportiert werden soll. | Foto: Landratsamt Ortenaukreis

Von der Ortenau zum Bodensee

Pfahlbaumuseum nutzt Acherner Eiche für Einbaumnachbau

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Eine stattliche Alteiche aus dem Illenauer Wald bei Achern wird noch in diesem Jahr von einem Spezialunternehmen nach Unteruhldingen transportiert. Dort wird sie als Nachbildung des ältesten Einbaums der Bodenseeregion im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen ausgestellt.

Revierleiter Peter Schmiederer vom Amt für Waldwirtschaft im Landratsamt Ortenaukreis erklärt, wie es dazu kam: „Diese alte Eiche ist vergangenes Jahr aufgrund der Trockenheit vollständig abgestorben, stand jedoch in unmittelbarer Nähe eines bebauten Grundstücks. Komplett abgestorbene Eichen stürzen innerhalb weniger Jahre um. Daher mussten wir diesen Baum aus Gründen der Verkehrssicherheit fällen.

Bei Wasserburg wurde der älteste je im Bodensee gefundene Einbaum entdeckt

Baum perfekt für Museumsprojekt

Der Stamm hat einen Durchmesser von 1,13 Metern und ist 8,8 Meter lang. Er passt perfekt für ein Projekt des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen.“ „Dort wurde vergangenes Jahr im Bodensee auf bayerischer Seite bei Wasserburg in fünf Metern Tiefe der älteste je im Bodensee gefundene Einbaum entdeckt“, so Museumsdirektor Professor Gunter Schöbel. „Er stammt aus der Bronzezeit aus dem 12. Jahrhundert vor Christus. Es war ein sehr großer Baum, wie man ihn heute nur noch selten findet. Diesen Einbaum wollen wir nun im Pfahlbaumuseum nachbauen.“

Wir sind sehr glücklich, dass wir in Achern den passenden Baum gefunden haben

Nicht alle Bäume geeignet

„Wir sind sehr glücklich, dass wir nach langer Suche und durch die Vermittlung der Forstdirektion Freiburg jetzt in Achern dazu den passenden Baum gefunden haben“, so Schöbel weiter. Einbäume seien frühe Wasserfahrzeuge, die aus einem großen Baum bestehen, der von Hand mit Werkzeugen ausgehöhlt wurde. Der richtige Baum müsse eine bestimmte Länge und Breite haben. Das Holz darf bei der Bearbeitung nicht reißen und sich nicht spalten. Deswegen seien nicht alle Bäume geeignet.

Baum nah an 3000 Jahre altem Vorbild

Der Baum im Illenauer Wald entspreche auch aufgrund seiner Schädigung annähernd dem Vorbild von vor 3000 Jahren. Die holzanalytischen Daten der bayrischen Denkmalpflege deckten sich ebenfalls ziemlich genau mit dem Original.

Nur beschädigte Bäume werden gefällt

Schmiederer: „Dieser Baum war ökologisch wertvoll, da er vielen auch besonders geschützten Tierarten Lebensraum bot. Man fällt solche Bäume erst, wenn sie schadhaft oder krank sind und eine Gefahr darstellen.“ Denn jede alte Eiche habe viele für den Naturschutz wertvolle Strukturen von einfachen abgestorbenen Ästen über Rindentaschen, also vom Stamm abgelöste abstehende Rindenteile, bis hin zu Spechthöhlen oder sehr seltenen Mulmhöhlen, die meist durch Astabbrüche entstehen.

Im Frühjahr werden wir uns an die Rekonstruktion des Einbaums machen.

Dickste Eichen in der Ortenau

Auf einer Fläche von etwa fünf Hektar befinden sich im Illenauer Wald rund 100 alte Eichen. Im Ortenaukreis stehen übrigens laut Bundeswaldinventur die dicksten Eichen Deutschlands.“ Schöbel erläutert die nächsten Projektschritte: „Nach dem Transport an den Bodensee noch in diesem Jahr werden wir die abschließenden Untersuchungen in München und am Bodensee abwarten. Im Frühjahr 2020 werden wir uns dann an die Rekonstruktion des Einbaums machen. Unterstützt werden wir im Rahmen des europäischen Kulturjahres durch das europäische Projekt „sharing heritage“ (red).