Muss 2019 schließen: Der Offenburger Schlachthof, hier mit Betreiber Michael Bauernschmid | Foto: Heck

Perspektiven für Bühl

Pläne für einen Ortenau-Schlachthof zu den Akten gelegt

Kaum jemand wollte ihn, die Finanzierung stand auf wackligen Beinen, der Standort war unklar und der Bedarf zumindest fraglich: Die Bemühungen um einen Schlachthof für die gesamte Ortenau standen unter keinem guten Stern. Jetzt hat der „Schlachthofpate“ im Kreistags-Unterausschuss für den ländlichen Raum, Gerd Baumer, die Reißleine gezogen. Das Projekt sei „derzeit nicht realisierbar“, verkündete der frühere Chef der Grünen-Fraktion im Kreisparlament. Es blieb, und das hatte sich zuletzt immer deutlicher abgezeichnet, allen Bemühungen zum Trotz eine Finanzierungslücke von rund drei Millionen Euro.

Perspektiven für Bühl

Das nun offiziell verkündete Aus eröffnet Perspektiven für den Bühler Schlachthof. Dessen Geschäftsführer Andreas Bohnert hatte im Frühjahr 2015 in einer gemeinsamen Sitzung der Gemeinderäte aus Bühl und Achern angeboten, die in Offenburg spätestens 2019 freiwerdenden Kapazitäten regionaler Schlachtungen zu übernehmen. Das stieß die öffentliche Debatte über die Struktur der Schlachthöfe in der Region zwar an, allerdings in einer von Bohnert nicht beabsichtigten Richtung: In der Ortenau begann eine Debatte darüber, ob man tatsächlich auf einen eigenen Schlachthof verzichten wollte.

Zurückhaltung in Offenburg

Motor dieser Bewegung war Gerd Baumer, der sich als früherer Berufsschullehrer mit dem Fleischerhandwerk verbunden fühlt. Doch er musste weite Wege gehen: Offenburg als potenzielle Standortgemeinde reagierte zunächst wenig begeistert, und auch bei der Finanzierung wäre es letztlich auf einen Zuschuss der öffentlichen Hand hinausgelaufen. Doch die Signale aus dem Landratsamt, und nicht nur von dort, waren höchst zurückhaltend.

Kritik an Fleischerinnung

Das kritisierte in einer Pressemitteilung auch Baumer. Die berufsständischen Organisationen wie der blhv und die Fleischerinnung müssten sich ebenso wie das Landwirtschaftsamt des Kreises und der Dezernent für den ländlichen Raum „fragen lassen, warum sie das Projekt in keiner Phase aktiv unterstützt haben“. Mehrfach sei gerade vom Landratsamt auf andere existierende Schlachtstätten innerhalb und außerhalb des Kreises hingewiesen worden „was durchaus kontraproduktiv war“, so Baumer weiter. Er sieht in der Entwicklung eine vertane Chance zur Aufrechterhaltung ländlicher Strukturen.

Viele offene Fragen

In der ganzen Debatte war freilich stets unklar geblieben, wie viele regionale Schlachtungen es am bestehenden Offenburger Schlachthof, der 2019 schließen muss, überhaupt gibt. Andreas Bohnert geht davon aus, dass rund die Hälfte der Auslastung in Offenburg ohnedies der Edeka zuzurechnen ist, die im Zweifel auf den Großschlachthof in Crailsheim ausweichen werde. Gerd Baumer vermutet, dass nur rund 20000 der jährlich in Offenburg geschlachteten 50000 Schweine überhaupt von regionalen Kleinbetrieben kommen, die sich nun neu orientieren müssten. Dennoch, so Baumer, stehe der Widerspruch im Raum dass man einerseits einen Kreisausschuss zur Stärkung des ländlichen Raumes einrichte und auf die regionale Erzeugung auch zur Freihaltung der Landschaft setze, auf der anderen Seite aber bereit sei, auf einen eigenen Schlachthof zu verzichten.

Was macht die Edeka?

Verhalten reagierte man in Bühl auf die Entscheidung: „Für Erzeuger und Metzger aus der Ortenau könnten wir eine Alternative sein“, so Andreas Bohnert, gegebenenfalls sei man auch zu Investitionen bereit um die notwendigen Kapazitäten zu schaffen. Er gehe aber nicht davon aus, dass auch die Edeka in Bühl schlachten lässt.

Ex-Landrat: „Luftschloss“

„Die Kooperation mit Bühl wäre ein gangbarer Weg“, zeigt auch der frühere Landrat Klaus Brodbeck auf. Er hatte vor Baumer mit seiner Unternehmensberatung versucht, eine Koalition für einen Ortenau-Schlachthof zu schmieden, diese Bemühungen aber zu Anfang des vergangenen Jahres eingestellt. „Ich wundere mich nicht“, so Brodbeck zur jüngsten Entwicklung, „dass das Luftschloss, dass Herr Baumer aufgebaut hat, jetzt zusammengefallen ist“.