Post Ottenhöfen
Nicht viel verändert hat sich in der noch immer verwaisten Filiale der Post in Ottenhöfen, in der seit mehr als drei Monaten Personal fehlt – das Bild entstand im Oktober. | Foto: Roland Spether

Personalsuche seit drei Monaten

Poststelle in Ottenhöfen ist noch immer verwaist

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Seit mehr als drei Monaten ist die Postfiliale in Ottenhöfen geschlossen. Es werde händeringend nach neuem Personal gesucht, heißt es – die Kunden sind verärgert, die frühere Betreiberin hilft zwischenzeitlich „dem Dorf zuliebe“ aus.

Renate Kohler ist wütend: Auch nach inzwischen mehr als drei Monaten ist die Poststelle in Ottenhöfen verwaist. Die Betreiberin des Blumengeschäfts „Floriade“ hatte die Filiale in ihrem Laden bis April 2019 geführt und die Regie dann aus Kostengründen an die Post übergeben.

Die Post habe im Oktober „leider die Zusammenarbeit mit dem Mitarbeiter in unserer Filiale beenden“ müssen, sagt Marc Mombauer, Sprecher der Deutsche Post DHL Group. Seitdem hat sich an der Situation nichts geändert. „Wir suchen weiterhin nach geeignetem Personal.“

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„Drei Monate war hier völlige Funkstille, wir haben keinerlei Informationen bekommen“, sagt Renate Kohler. Erst vor wenigen Tagen sei dann eine Außendienstmitarbeiterin der Post vorbeigekommen, die, nachdem Kohler ihren Unmut über die Situation geäußert hatte, zu beschwichtigen versucht habe: „Ich bin ja jetzt da.“ Dann allerdings sei sie unverrichteter Dinge wieder gegangen.

„Floriade“-Betreiberin hilft „dem Dorf zuliebe“

„Die Kunden warten natürlich auf eine Lösung, sie wollen im Ort bedient werden. Besonders ungeduldig waren die Leute, als es auf Weihnachten zuging“, sagt Renate Kohler, die ihren Vertrag mit der Post im September 2018 gekündigt hatte.

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„Dem Dorf zuliebe“, wie sie sagt, hilft sie seit dem Weggang des Post-Mitarbeiters jetzt aber noch immer provisorisch aus: „Das Fachwissen ist ja da. Wir verkaufen nach wie vor eigeninitiativ und auf eigene Rechnung Briefmarken. Machen können wir alles, was ohne Computer geht, aber zum Beispiel keine Einschreiben annehmen.“

Post verweist auf Filiale in Kappelrodeck

Nicht nur die Kunden seien die Leidtragenden der Situation: Ihre Kollegen in Kappelrodeck müssten die zusätzliche Kundschaft, die dorthin ausweicht, auffangen. Auf die dortige Postfiliale weist auch die Post selbst in ihrer Antwort an diese Zeitung noch einmal hin: „Hier werden auch die Postsendungen gelagert, die unsere Zusteller nicht ausliefern konnten und eine Benachrichtigung hinterlassen haben.“ Es werde in Ottenhöfen auf jeden Fall weiterhin eine Filiale geben, hatte ein Post-Sprecher bereits im Oktober auf Anfrage dieser Zeitung mitgeteilt.

Ab in die Post
Die Deutsche Post betreibt weniger Briefkästen als früher. | Foto: Monika Skolimowska/ZB

Die Post muss in selbstständigen Gemeinden und in Ortsteilen mit mehr als 2.000 Einwohnern eine stationäre Poststelle betreiben, also auch in Ottenhöfen. „In größeren zusammenhängend bebauten Gebieten muss gewährleistet sein, dass eine Filiale in einer Entfernung von maximal 2.000 Metern erreichbar ist“, so Marc Mombauer weiter. Handelt es sich um eine Partner-Filiale oder „Postagentur“, betreibt ein Unternehmen, zum Beispiel wie in der Vergangenheit in Ottenhöfen die Inhaber des Blumengeschäfts, die Filiale mit eigenem Personal.

Im „regen Austausch“ mit dem Bürgermeister

In Orten, in denen sich kein solcher Betreiber findet, die Post aber vertreten sein muss, betreibt sie vorübergehend mit eigenem Personal die Filiale. Um eine solche sogenannte Interimsfiliale ging es eigentlich auch im Mühlendorf – nur fehlt ein Mitarbeiter. Man hoffe, so Mombauer, „zeitnah die Personalsuche abschließen zu können“. Dafür sei man auch „im regen Austausch“ mit Bürgermeister Hans-Jürgen Decker. Aus dem Ottenhöfener Rathaus war unterdessen auf Anfrage zu hören, dass man selbst nichts zu der Situation sagen könne: Die Gemeinde habe auch nicht mehr Informationen.