Seine Liebe zu Afrika entdeckte Karl-Heinz Tinat bereits in den 80er Jahren – nun hilft er Waisenkindern in Kamerun. Rechts Ordensschwester Myriam Lum vom Waisenhaus „Centre Notre Dame de l’Accueil“. | Foto: Privat

Karl-Heinz Tinat aus Sasbach

Projekt der Hoffnung auf eine bessere Zukunft

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Von Roland Spether

„Ich möchte mehr als nur ein Zeichen setzen gegen Resignation, Mutlosigkeit und ein Leben ohne Perspektive, das oft in Afrika zum alles beherrschenden Thema im täglichen Leben wird“. Nicht „nur“ reden, sondern ganz konkret handeln war für Karl-Heinz Tinat wichtig, als er auch aus christlicher Verantwortung heraus die „Tinat Afrikahilfe“ mit Sitz in Sasbach gründete.

Waisenhaus als Partner

Es ist dies ein sehr persönliches, ja familiäres Projekt der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Tinats Ehefrau Sabine stammt aus Afrika, das Ehepaar hat einen Sohn – und über deren Familie lernte er in der Region „Extreme Nord“ in Kamerun ein Waisenhaus und dessen Probleme kennen, das er als eines seiner Projekte finanziell unterstützt und im Februar dieses Jahres besuchte.

Von Sasbach aus unterstützt die Familie Tinat Projekte in Kamerun – hier Karl-Heinz und Sabine Tinat mit Sohn Anton. | Foto: Roland Spether

Kleine Schritte für ein besseres Leben

Um in Afrika helfen und kleine Schritte zu einem besseren, menschenwürdigeren Leben gehen zu könne, bedarf es kompetenter Partner vor Ort. Diese hat Karl-Heinz Tinat im Waisenhaus „Centre Notre Dame de l’Accueil“ gefunden, das 2013 von der katholischen Ordensschwester Myriam Lum aus Kamerun in Bidzar inmitten einer extrem armen Region gegründet wurde. Ziel der staatlich anerkannten Einrichtung ist es, Waisenkindern durch Schulbildung und Rehabilitation eine neue Lebensperspektive zu geben. Darüber hinaus unterstützt Schwester Myriam auch alleinerziehende junge Mütter in den Bereichen Bildung und Kinderpflege.

Soziale Ignoranz

Derzeit leben 95 Kinder in dem Waisenhaus, darunter auch Neugeborene und Kleinkinder, so Karl-Heinz Tinat. Manche der Kinder wurden als Säugling einfach unter einen Baum gelegt, von ihren Eltern verstoßen oder einfach der Schwester in den Arm gelegt. Die Waisenkinder sind der lebende Beweis für große soziale Ignoranz und wirtschaftliche Probleme, die es neben dem Dauerbrennern „Korruption“ in jedem afrikanischen Land gibt und die schier unlösbar sind.

Nichts tun ist keine Lösung

So spricht Karl-Heinz Tinat wie viele andere von den berühmten „Tropfen auf den heißen Stein“ – doch gar nichts tun und zusehen, ist auch keine Lösung gerade im Blick auf die vielen Migrationsströme aus afrikanischen Ländern. Deshalb gründete der Sasbacher die „Afrika Hilfe“ und diese hat vor allem mit Spenden der als gemeinnützig anerkannten Unternehmergesellschaft„Tinat Home Care“ mehr als 10 000 Euro bereitgestellt, überwiegend für den Kauf von Nahrungsmitteln, Babynahrung und Medikamenten für das Waisenhaus in Bidzar und die medizinische Behandlung schwerkranker Kinder.

Bäckerei im Aufbau

Weiter wurde mit dem Aufbau einer Bäckerei begonnen, um finanziell unabhängig zu sein und zweimal am Tag Essen für die Kinder zu ermöglichen. So gibt es eine Maschine, mit der aus Süßkartoffeln Mehl gemahlen werden kann, es fehlt aber an weiteren Geräten und Geld für eine Anschubfinanzierung für den Einkauf von Waren, das Personal und die Vermarktung der Produkte.

Stipendien für Berufsschüler

Ferner werden jährlich zehn Studenten der Berufsschule „Standard Info“ in Maroua mit einem Stipendium unterstützt. Das Stipendium muss nach erfolgreichem Abschluss innerhalb von drei Jahren wieder an die Berufsschule zurückgezahlt werden und kommt dann neuen Studenten zugute. Aktuell stehen drei neue Projekte in dem Waisenhaus an, wofür Geld benötigt wird: Bau einer Wasserversorgung, Installation von Solarenergie, Aufbau von Sanitäranlagen.

Liebe zu Afrika
Die Liebe zu Afrika von Karl-Heinz Tinat reicht weit in die 1980er Jahre hinein, als er 1981 als junger Mann (18) zum ersten Mal mit einem Hilfskonvoi der in Achern beheimateten Deutschen Hilfsaktion für Missionskrankenhäuser (DHM) nach Bebalem im Tschad fuhr und in deren Auftrag wichtige Hilfsgüter aus der Hornisgrindestadt überbrachte. Doch nicht nur das, denn von 1989 bis 1991 arbeitet der gelernte Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin in dem Buschkrankenhaus im Tschad und konnte so auch viele Erfahrungen in und über Afrika sammeln. In den Jahren 2006/2007 kam es zu weiteren Reisen nach Bebalem. Nun hat er seine eigene Organisation gegründet, die einen ganz besonderen Akzent hat. Denn seine „Afrika Hilfe“ ist von der Rechtsform eine „gemeinnützige Unternehmergesellschaft“ (uG), Karl-Heinz Tinat ist Geschäftsführer und er brachte zunächst ein Stammkapital von 2 000 Euro ein. Wie im Gesellschaftervertrag notariell beurkundet, ist es das Grundanliegen seiner Hilfsorganisation, „ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Zwecke“ zu verfolgen. Konkret wurden Hilfen wie die Förderung der Erziehung und Berufsausbildung festgelegt, ebenso die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens und der Gesundheitspflege sowie Hilfen für Flüchtlinge, Vertriebene, Kriegsopfer oder Opfer von Straftaten. Auch die „Förderung internationaler Gesinnung, der Toleranz auf allen Gebieten, der Kultur und des Gedankens der Völkerverständigung“ wurden als große Leitlinien festgelegt. Es folgen dann ganz konkrete Festlegungen wie die Unterstützung von Waisenhäuser und benachteiligter Kinder durch Schule, Beruf und Studium, Mithilfe bei der Beschaffung von Medikamenten, die Ausbildung von medizinischem Fachpersonal oder die Aufklärung durch Kampagnen bezüglich Hygiene, Familienplanung, Krankheiten. esp