Der ehemalige Kirchenraum der Illenau: Könnte hier die Stadthalle mit bis zu 500 Sitzplätzen eingerichtet werden? | Foto: Michael Moos

„Rangtheater“ als Lösung für die Illenau?

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Das bürgerschaftliche Engagement für die Illenau in Achern hat eine neue Facette gewonnen: Jürgen Franck (Bürgerinitiative Forum Illenau), die Stadträte Karl Früh und Bernhard Keller sowie der Acherner Architekt Jörg Sandhacker stellten Oberbürgermeister Klaus Muttach eine Planung zur Neugestaltung des ehemaligen Kirchenraums im Zentralgebäude der Illenau vor. Der Einzug einer zweiten Ebene würde eine Kapazität von knapp 500 Sitzplätzen ermöglichen und den gegenwärtig diskutierten Bau einer Stadthalle überflüssig machen.

Idee weiter entwickelt

Die von Jörg Sandhacker vorgelegte Studie ist letztlich eine Fortentwicklung der von Carmen Weber, Leiterin der städtischen Fachgruppe Hochbau entwickelten Pläne für den über dem Festsaal der Illenau bestehenden, derzeit ungenutzten ehemaligen Kirchenraum (ABB vom 30 Dezember 2017). Dieser basiert auf einer im Gegensatz zur bisherigen Kirche „umgedrehten“ Anordnung der Sitzreihen. Eine höhenverstellbare Bühne würde unter Verzicht auf die vorhandene Empore im heutigen Zugangsbereich zum ehemaligen Kirchenraum eingebaut, die Plätze für das Publikum könnten von der heutigen Apsis ausgehend in Richtung Bühne angeordnet werden. Rechts und links des Kirchenraums gibt es ausreichend Platz für eine neue Treppenanlage sowie Sanitärbereiche, Künstlergarderoben oder Stuhllager.

Zweite Ebene als Clou

Die Idee von Jörg Sandhacker: Durch den Einbau einer abgestuften zweiten Ebene an den Seiten und im Bereich der Apsis würde die Zahl der rund 340 Publikumsplätze im Parkett um weitere 131 Sitze steigen. Clou der Planung von Jörg Sandhacker ist eine auf Säulen ruhende Empore, die keine Eingriffe an den historischen Außenmauern nötig machen würde. „Das Ergebnis“, warb Karl Früh für die Studie, „wäre vergleichbar mit einem typischen Rangtheater – also ein Alleinstellungsmerkmal in der Region“.

Eine Empore könnte die Zahl der möglichen Sitzplätze im ehemaligen Kirchenraum der Illenau beträchtlich erhöhen. | Foto: BNN/Jörg Sandhacker

Zuschuss als wichtiges Argument

Laut Früh gebe es im Bereich der Kernstadt und in Oberachern einen „dringenden Bedarf“ an einer Veranstaltungsstätte für rund 500 Personen. Die Nachfrage nach Räumen mit bis zu bis 300 Sitzplätzen sei mit Bürgersaal, Illenau-Festsaal und Mensa des Gymnasiums gedeckt, und für Großveranstaltungen stehe nach wie vor die Hornisgrindehalle zur Verfügung. Für den Umbau des zentralen Bereichs spreche nicht nur der in greifbare Nähe rückende Abschluss der Revitalisierung des Kernbereichs der Illenau, sondern vor allem die Tatsache, dass hierfür ein Zuschuss von rund 50 Prozent der nötigen Investitionen zu erwarten sei. Dieser Finanzierungsmöglichkeit komme mit Blick auf die anstehenden Aufgaben wie die Umsetzung des Masterplans zur Umgestaltung der Innenstadt eine besondere Bedeutung zu.

Oberbürgermeister skeptisch

Während Gebhard Glaser (Freie Wähler) und Jutta Römer (ABL) sich in ersten Reaktionen von der Studie angetan zeigten, konnte Oberbürgermeister Klaus Muttach eine gewisse Skepsis nicht verheimlichen. Er verwies auf die bisherigen Überlegungen innerhalb der Stadtverwaltung zum Bau einer Stadthalle mit rund 600 Sitzplätzen. Diese könnte auf dem Areal der ehemaligen Glashütte errichtet werden. Eine Entscheidung über einen eventuellen Ankauf des dafür benötigten Geländes werde der Gemeinderat noch vor der Sommerpause fällen. Eine weitere Option biete sich der Stadt mit dem Bau einer Halle in Zusammenarbeit mit einem privaten Partner – Einzelheiten und Standort eines möglichen PPP-Modells („public privat partnership“) wollte Muttach freilich nicht preisgeben.

Studie vorgestellt: Von links Jutta Römer, Jörg Sandhacker, Jürgen Franck, Karl Früh, Bernhard Keller und Gebhard Glaser mit Oberbürgermeister Klaus Muttach. | Foto: Michael Moos

Entscheidung spätestens im Sommer 2019

Eine Entscheidung über weitere Investitionen im Bereich der Illenau werde der Gemeinderat im Sommer 2019 zur Vorbereitung des nächsten Doppelhaushalts treffen. Bis dahin sollen nun weitere Details zur Umsetzung der von den Bürgern vorgelegten Studie geprüft werden. Muttach ließ gestern aber auch keinen Zweifel daran, dass sich für den Fall der Umsetzung dieser Pläne im ehemaligen Kirchenraum der Illenau „das Thema Stadthalle erledigt ist“.