Treppe als Hindernis: Nicht nur beim Rathaus in Wagshurst (Bild) fehlt der barrierefreie Zugang. | Foto: Achim Keiper

Kritik im Gemeinderat

Rathäuser in den Stadtteilen von Achern nicht barrierefrei

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Rollstuhlfahrer haben es schwer, wenn sie die Rathäuser in den Stadtteilen besuchen wollen. Geht es nach dem Willen des Acherner Gemeinderats, soll das nun anders werden. Im Rahmen der Haushaltsberatungen unterstrich eine fraktionsübergreifende Mehrheit ihre Forderung nach Herstellung der Barrierefreiheit.

Im Namen der Freien Wähler forderte Thomas Kohler eine Aufstellung mit Informationen über die Zugangsmöglichkeiten für Menschen mit Handicaps zu sämtlichen Rathäusern in den Stadtteilen. „Es muss gewährleistet sein, dass diese Menschen ohne Hilfe Zugang haben – alles andere ist entwürdigend.“ „Die Stadt muss hier ganz dringend ihre Hausaufgaben machen“, sprach auch Heike Schwenk (ABL) Klartext.

Wir müssen beim Thema Inklusion nachbessern

Patrik Schneider (SPD) meinte: „Wir müssen beim Thema Inklusion nachbessern.“ Es reiche nicht, Rollstuhlfahrer notfalls die Treppe hinauf zu tragen oder das Wahllokal in eine barrierefrei zugängliche Halle zu verlegen. Vielmehr müsse allen in der Beweglichkeit eingeschränkten Bürgern die Möglichkeit gegeben werden, ohne fremde Hilfe in die Rathäuser zu kommen und dort beispielsweise eine Sitzung des Ortschaftsrats zu besuchen.

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Hoher finanzieller Aufwand nötig

Oberbürgermeister Klaus Muttach war das Thema sichtlich unangenehm. Er sprach von einem „hohen finanziellen Aufwand“, wollte man sämtliche Rathäuser barrierefrei zugänglich machen. Dazu gebe es auch „keine Rechtsverpflichtung“.

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„Wir können nicht alle Wünsche erfüllen“

Muttach verwies auf andere Kommunen, die im Gegensatz zu Achern dezentrale Strukturen nicht erhalten und etwa Ortsverwaltungen oder Feuerwehrabteilungen schließen. „Wir können nicht alle Wünsche erfüllen“, meinte er und machte deutlich, dass sämtliche Dienstleistungen der Stadtverwaltung barrierefrei in Anspruch genommen werden könnten – im Bürgerservice im Rathaus Am Markt. Sein nicht ganz ernst gemeinter Hinweis, dass es „schlimmere Schicksale“ gebe als den Weg in die Kernstadt zu nehmen, stieß in diesem Zusammenhang nicht auf ungeteilte Zustimmung: „Es ist nicht immer einfach, von den Stadtteilen in die Kernstadt zu kommen – auch nicht mit dem Rufauto“, unterstrich Heike Schwenk.

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„Zu gegebener Zeit Thema“

Am Ende sagte der Oberbürgermeister zu, die bauliche Situation der Rathäuser „zu gegebener Zeit“ zum Thema zu machen.

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