Seine Planungen zur Windkraft, hier die Anlagen auf der Prechtaler Schanze, hat der Regionalverband vorgestellt. | Foto: Energiewerk Mittelbaden

Keine neuen Standorte in nördlicher Ortenau

Regionalplaner informieren über Windkraft

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Der Regionalverband Südlicher Oberrhein wird die Bereiche Kutschenkopf/Eselskopf und Buchwald/Schwend nicht als Vorranggebiete für den Bau von Windkraftanlagen weiterverfolgen. Dies bestätigte Verbandsdirektor Dieter Karlin am Mittwoch gegenüber den Badischen Neuesten Nachrichten.

Veto aus dem Landratsamt

Damit folgt man erwartungsgemäß den Beschlüssen der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt. Sie hatte dem Bau von Windkraftanlagen in beiden Bereichen mit dem Verweis auf bestehende Landschaftsschutzgebieten einen Riegel vorgeschoben. „Das Veto des Landratsamtes können wir allein aus rechtlicher Sicht nicht übergehen“, erklärt Karlin, „denn dann wäre der Regionalplan nicht genehmigungsfähig.“

Befreiung von Landschaftsschutz verweigert

Im Gebiet Kutschenkopf/Eselskopf hatte die Behörde im Mai die Befreiung von den Landschaftsschutzgebiets-Verordnungen „Lierbachtal und Kniebisstraße“ sowie „Oberes Achertal“ abgelehnt. Sie wäre Voraussetzung für den von der Energie Baden-Württemberg (EnBW) beantragten Bau eines Windparks gewesen. In Offenburg argumentierte man mit der „besonderen Schutzwürdigkeit“ der beiden betroffenen Landschaftsschutzgebiete.

Fläche zur Nutzung von Windkraft zu klein

Der Regionalverband seinerseits habe eine Ausweisung des Areals als Vorranggebiet für die Windkraft ohnehin nicht weiterverfolgt, so Regionalplaner Jens Fiedler, weil der Bereich unter Einhaltung der vom Verband festgelegten Emissionsabständen zu klein geworden wäre. Ein Gebiet müsse mindestens 15 Hektar umfassen und den Bau dreier Anlagen ermöglichen, erklärte Fiedler. Kleinere Flächen würden in der Planung nicht berücksichtigt.

Widerstand aus den Gemeinden

Am Standort Kutschenkopf/Eselskopf, den viele Bürger und Gemeinderäte als Vorranggebiet entschieden ablehnen, kam noch ein weiterer Aspekt hinzu: Die von der AG Wanderfalke erhobenen Zahlen wiesen ein „hohes Konfliktpotenzial“ zwischen dem Lebensraum der Tiere und dem Bau von neuen Windkraftanlagen aus.

Hintertürchen für Stadt Oberkirch

Auch im Bereich Buchwald/Schwend lehnte die Untere Naturschutzbehörde eine Befreiung von den Landschaftsschutz-Bestimmungen ab. Änderungen am geschützten Landschaftsbild würden den „Wert als Erholungsgebiet spürbar herabsetzen“, hieß es in der Begründung. Weil auch die Windhöffigkeit nicht besonders ergiebig sei, handele es sich um einen für die Errichtung von Windkraftanlagen ungeeigneten Standort.

Windkraft
Heikles Thema: Der Bau von Windkraft-Anlagen stößt auf teils heftigen Widerstand aus der Bevökerung. | Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Ein Hintertürchen steht der Stadt Oberkirch offen: Auf deren Gemarkung befindet sich ein kleiner Teilbereich, auf dem eine Ausweisung als Windkraftstandort grundsätzlich möglich ist. Diese müsse die Kommune aber selbst vorantreiben, erklärt Fiedler. Nach den Bestimmungen des Regionalverbandes sei auch dieser Bereich zu klein.

Keine weitere Anlage auf Hornisgrinde

Die Hornisgrinde, das ist keine Überraschung, spielt in den Gedanken der Regionalplaner derzeit keine Rolle. Bereits das Genehmigungsverfahren zum Bau der letzten Anlage im vergangenen Jahr sei aufgrund der Richtfunkstrecken mehrerer Betreiber und der sensiblen Natur auf dem Bergrücken ein „schwieriges Unterfangen“ gewesen. Mit einer weiteren Anlage an dieser Stelle rechnet Fiedler deshalb nicht: „Das halte ich für unwahrscheinlich“.

Stockende Planung in Kommunen

Generell beobachtet Fiedler, dass die Planungen in Sachen Windkraft „in vielen Kommunen schleppend verläuft“. Zum einen, weil Auffassungen in aus mehreren Gemeinden bestehenden Planungsgemeinschaften auseinandergingen, zum anderen, weil sich die Begründung zur Nicht-Ausweisung einzelner Gebiete schwierig gestalte. Im zweiten Quartal kommenden Jahres will der Regionalverband den Planentwurf Windenergie zur Beratung und Beschlussfassung in seine Gremien bringen.

Weitere Informationen zur Windkraft im Ortenaukreis auf der Seite des Landratsamts.