Bleibt optimistisch: Obwohl die Situation für Markus Singrün nicht einfach ist, hofft er weiter auf mögliche Reisen im Sommer.
Bleibt optimistisch: Obwohl die Situation für Markus Singrün nicht einfach ist, hofft er weiter auf mögliche Reisen im Sommer. | Foto: B. Spether

Demo in Karlsruhe

Reisebüros aus Achern protestieren wegen fehlender Perspektive

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Seit rund zwei Monaten steht das touristische Leben deutschlandweit quasi still. Darunter leiden nicht nur Menschen, die ihren geplanten Urlaub absagen mussten, sondern auch die Reisebüros. Sie haben viel zu tun, verdienen aber nichts. Aufgeben kommt für sie aber nicht infrage.

Hunderte, teils Tausende Menschen gehen auf die Straßen und demonstrieren gegen die Corona-Einschränkungen. In ganz Deutschland treffen sie sich dabei. Und dass, obwohl die Politik bereits einige Maßnahmen gelockert hat. Vielen fehlt weiterhin die Perspektive. Auch die Reisebranche zählt dazu. Um auf die missliche Lage aufmerksam zu machen, wird an diesem Mittwoch in Karlsruhe protestiert.

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Mit dabei sind unter anderem die Reisebörse und das Tui-Reisecenter in Achern. „Wir wollen Flagge für die Branche zeigen“, sagt Markus Singrün, Inhaber der Reisebörse. Zwar sei der Bereich wichtig, werde aber zu selten wahrgenommen. Als eine gute Idee bezeichnet Frank Limberger, Inhaber des Tui-Reisecenters, die Demo. „Es geht so nicht mehr weiter“, meint er.

Ausmaß der Krise kann noch nicht erfasst werden

Seit Mitte März hat das Coronavirus das touristische Leben deutschlandweit quasi stillgelegt. Bis zum 14. Juni gilt die weltweite Reisewarnung, ein Ende der Situation scheint nicht absehbar. „Da die Umsätze gegen Null gehen, kämpfen die Betriebe um ihre Existenz“, ordnet Sandra Bequier, Tourismusbeauftragte im Ortenaukreis, die Lage ein. Noch könne das Ausmaß der Krise nicht erfasst werden.

Wir haben gleich zweimal umsonst gearbeitet.

Frank Limberger, Inhaber des Tui-Reisecenters in Achern

Aber nicht nur das aktuelle Geschäft fehlt den Reisebüros. So gibt es für stornierte Buchungen keine Provision. Im Gegenteil: Diese muss für nicht angetretene Urlaube zurückgezahlt werden. Hinzu kam vor der Buchung und jetzt die Kundenberatung. „Wir haben gleich zweimal umsonst gearbeitet“, sagt Limberger, der seit 23 Jahren Inhaber des Büros in Achern ist.

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Reise-Gutscheine sichern Liquidität – zumindest kurzfristig

Eine Hilfe könnten Gutscheine für stornierte Reisen sein. „Wir befürworten solche Lösungen, denn die nächste Reise kommt bestimmt“, sagt Andrea Martin vom Reisebüro der Volksbank in der Ortenau. Diese seien bislang gut angenommen worden. Auch Singrün und Limberger glauben, dass Gutscheine ein gutes Mittel seien, um Liquidität zu sichern – zumindest kurzfristig. „Das verschleppt das Problem aber nur“, meinen beide. Schließlich würden die Reisen dann im kommenden Jahr nicht verkauft.

Die Inhaber der Reisebörse und des Tui-Reisecenters fordern deswegen Unterstützung vom Staat. „Wenn nichts passiert, erwarte ich ein elendes Sterben der Branche“, befürchtet Limberger. Und der 59-Jährige hat bereits eine Idee: „Die Provision, die wir verdient haben, sollen wir auch behalten dürfen.“ Das sei das Mindeste und ein Ausgleich für abgesagte Reisen. Hinter der Branche liegen mehrere gute Jahre, weswegen sich viele Reisebüros ein gutes Polster angelegt haben. „Aber auch das ist endlich“, weiß Singrün.

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Immerhin: Seit vergangener Woche dürfen Reisebüros wieder öffnen. Während die Reisebörse die Möglichkeit nicht direkt wahrgenommen hat, da es Singrün zufolge nicht machbar sei, die Beratung mit den geforderten Maßnahmen zu erfüllen, sind das Reisebüro der Volksbank und Tui in Achern wieder persönlich für die Kunden da. „Jeder ist froh, dass wieder etwas Normalität einkehrt, die ersten Tage verliefen sehr positiv“, berichtet Martin von der Volksbank. Von ruhigen Tagen spricht Limberger, der viele Fragen gestellt bekommt, aber nur wenige beantworten kann.

Reisebüros haken den Sommerurlaub noch nicht ab

Aufgeben kommt für die Reisebüros aber nicht infrage. „Wir können viel einstecken“, sagt Singrün, der sich selbst als Optimist bezeichnet. Er spürt bei den Kunden die Sehnsucht nach der Ferne und die Vorfreude auf den Urlaub. Positiv bleibt auch die Volksbank gestimmt, die sukzessive Lockerungen für Inlands- und Auslandsreisen erwartet. Limberger möchte den Sommer ebenfalls noch nicht abschreiben und hofft, dass beispielsweise Mallorca eine Option werden könnte. Doch dazu müsse es zunächst eine Lösung seitens der Politik geben.

Alle touristischen Betriebe stehen in den Startlöchern.

Sandra Bequier, Tourismusbeauftragte im Ortenaukreis

Bevor eine Reise ins Ausland möglich erscheint, könnte ein Urlaub in Deutschland die erste Option in diesem Jahr sein. So berichtet die Tourismusbeauftragte im Landkreis, dass in den vergangenen Wochen deutlich mehr Anfragen nach Prospektmaterialien eingegangen seien als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. „Wir gehen deshalb davon aus, dass viele potenzielle Gäste sich verstärkt für Inlandsreisen interessieren“, sagt Bequier.

Also könnten noch mehr Menschen als ohnehin schon ihren Sommerurlaub im Schwarzwald und der Ortenau verbringen. Darauf scheint die Region vorbereitet zu sein. „Alle touristischen Betriebe stehen in den Startlöchern und hoffen für den Publikumsverkehr schnellstmöglich öffnen zu dürfen“, versichert der Kreis. Da jeder siebte Arbeitsplatz dem Tourismus zuzuschreiben ist, wäre es umso wichtiger.