Verwahrlostes Schaf in Linx. | Foto: Tierhilfs- und Rettungsorganisation

Kadaver in Linxer Stall

Rheinau: Veterinäramt reagiert auf Kritik

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Nach der Berichterstattung über den Fund verwahrloster und toter Tiere in einem Anwesen in Linx, reagiert das Veterinäramt erneut auf die Vorwürfe von Tierschützern. Die Reaktionen seien nachvollziehbar. „Auch uns macht es betroffen, dass der Tierhalter seine Tiere einfach ihrem Schicksal überließ und die von uns eingeleiteten Tierschutz-Maßnahmen nicht umgesetzt wurden. Das bedauern wir“, schreibt Kai Hockenjos, Sprecher des Landratsamts, in einer Presseerklärung.

Es stehe außer Frage, dass sich das Veterinäramt mit diesem Fall kritisch auseinandersetzt. Erfahrungen daraus sollen in weitere Bewertungen einfließen. „Jede Tierschutzkontrolle ist jedoch individuell“, betont Hockenjos. Das Veterinäramt des Ortenaukreises realisiere jährlich rund 400 Tierschutzkontrollen in Tierhaltungsbetrieben und bei Privatpersonen, davon etwa die Hälfte aufgrund von externen Anzeigen. Die unangekündigte Kontrolle fand nach Angaben des Veterinäramts am 25. April statt, nachdem am Tag zuvor eine Anzeige eingegangen ist. Die Tierhaltung sei nicht registriert und daher dem Amt nicht bekannt gewesen. „Es handelte sich um eine reine private Haltung“, stellt Hockenjos klar.

Unordentliches Anwesen

Vor Ort habe der Amtstierarzt ein unordentliches Anwesen vorgefunden – nicht jedoch einen verwahrlosten Tierstall. Der Bereich, in dem die Tiere gehalten wurden, sei ausreichend und mit Stroh frisch eingestreut gewesen. Zwei Trinkstellen mit frischem, klarem Wasser seien vorhanden gewesen, ebenso Futter, wenngleich kein tierartgerechtes. „Es befanden sich keine erkennbar kranken Tiere, geschweige denn tote Tiere im Stall. Die Tiere waren munter und verhielten sich normal. Ihr Ernährungs- und Pflegezustand war unterschiedlich, einige Tiere waren mager, der Zustand war jedoch keinesfalls besorgniserregend“, erklärt Hockenjos. Anwesend gewesen sei ein Tierbetreuer, der Tierhalter war telefonisch zugeschaltet. „Sie wurden vom Veterinär aufgefordert, tierartgerechtes Futter wie Heu zu besorgen, die Klauen der Tiere zu schneiden, sowie das Schaf zu scheren und die Tierhaltung ordentlich anzumelden. Dies wurde von beiden Personen bejaht, zudem versicherten sie glaubhaft, die Tiere in den kommenden Tage auf eine Weide zu bringen“, erklärt der Sprecher des Veterinäramts. Halter und Betreuer seien in ihren Aussagen sehr konkret gewesen und hätten keinerlei Anhaltspunkte gegeben, dass sie sich der angeordneten Maßnahmen entziehen.

„Können dieses Verhalten nicht erklären“

Das Veterinäramt kündigte eine weitere Nachkontrolle an. Das Amt geht mittlerweile davon aus, dass der Tierhalter und der Tierbetreuer unmittelbar nach der Kontrolle des Amtstierarztes die Tiere und das Anwesen verließen. „Wir können uns dieses Verhalten nicht erklären“, so Hockenjos. Am 4. Mai erfolgte eine erneute Anzeige und der Tierstall wurde vom Veterinäramt im Beisein der Polizei geräumt (der ABB berichtete). Dabei offenbarte sich der Behörde, dass die Tiere nicht mehr gefüttert und betreut wurden. „Drei Schafe wurden tot im Stall vorgefunden, ein schwaches Schaf verendete nach der Räumung. Die anderen Tiere haben sich inzwischen gut erholt, wurden entwurmt und gepflegt“, so Hockenjos.

Kadaver im Garten verbuddelt

„Tatsächlich ist es so, dass eine stark eingeschränkte oder gar fehlende Futterversorgung innerhalb dieses Zeitraums durchaus zu einer lebensbedrohlichen Schwächung und zum Tod führen kann. Gerade bei Tieren, die von stärkeren Tieren vom verbliebenen Wasser und Futter verdrängt werden“, weiß der Kreissprecher. Die toten Tiere seien erheblich von Würmern befallen gewesen. Außerhalb des Tierstalls wurden am 4. Mai weitere Kadaver von schon länger verendeten Tieren (zwei Lämmer, zwei Ziegen) gefunden, die im Garten des Anwesens vergraben wurden. „Weshalb und von wem, darauf haben wir bisher keine Antwort und vertrauen auf die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei.“