Wer in der Natur seinen Müll entsorgt, muss mit hohen Bußgeldern rechnen. Allerdings ist die Suche nach den Verursachern nicht ganz einfach. | Foto: Markus Scholz

Verursacher findet man selten

Rund um die A5 wird im Ortenaukreis immer mehr Müll illegal entsorgt

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Rund um den Bereich der Autobahn 5 hat im Ortenaukreis die Menge an illegal entsorgtem Müll in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Mit der Corona-bedingten Schließung von Deponien und Wertstoffhöfen hat das aber offenbar wenig zu tun.

Von Michael Brück

Bauschutt, Haus- und Gartenabfälle, Autoreifen oder auch gefährliche Giftstoffe – die illegale Entsorgung von Müll hat nach Informationen des Regierungspräsidiums Freiburg in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Das gelte zumindest für Parkplätze, Seen und Wälder rund um den Bereich der Autobahn im Ortenaukreis.

So seien etwa Anfang Juni etwa ein Dutzend Altreifen auf Parkanlagen zwischen Riegel und Lahr illegal abgelagert worden, heißt es aus Freiburg.

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Der Verdacht liegt nahe, dass die vorläufigen Schließungen von Deponien und Wertstoffhöfen nach dem Corona-Shutdown ein Grund für eine solche Häufung sein könnte. Beim Eigenbetrieb Abfallwirtschaft in der Ortenau sieht man das allerdings nicht so.

Hier berichtet Abfallberater Johann-Georg Kathan eher von vorbildlichen Bürgern. „Wir hatten unsere Anlagen nach dem 20. März zunächst geschlossen und dann wieder ab dem 4. Mai geöffnet und dann auch wieder alle Wertstoffe und Abfälle angenommen. Es gab da also keinen Grund dafür, den Müll in den Wald zu kippen“, sagt er.

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Sperrmüll wurde „recht häufig“ abgeholt

Und auch vor den Wertstoffhöfen und Deponien sei es nur sehr selten vorgekommen, dass man Abfälle vor den Toren abgestellt habe. „Und wenn, haben wir auch keine große Geschichte daraus gemacht und die Sachen gleich entsorgt“, versichert Kathan. Man habe ja auch weiterhin beispielsweise Sperrmüll bei den Bürgern abgeholt. „Und das recht häufig. Denn viele Leute waren ja zuhause und nutzten die Zeit, ihre Keller aufzuräumen.“

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Allerdings, so der Hinweis des Abfallberaters, werde man auch nicht immer im vollen Umfang über solche Umweltfrevel informiert. Das liege daran, dass in den Kommunen vor allem die Bauhöfe die undankbare Aufgabe hätten, illegale Müllplätze aufzuräumen und die Abfälle dann zur Entsorgung zur Deponie zu bringen. „Eine Rückmeldung gibt es für uns nur selten.“

Verursacher werden selten gefunden

Eher selten könne man übrigens auch die Verursacher der Ablagerungen ausmachen. „Wenn ein alter Kühlschrank im Wald liegt, klebt in der Regel leider kein Zettel mit der Anschrift des Besitzers dran. Und selbst wenn wir Hinweise erhalten – es ist schwierig, die Entsorgung nachzuweisen.

Im Zweifel hat der Sünder dann meist seinen Kühlschrank schon lange verkauft oder verschenkt“, erklärt Johann-Georg Kathan. „Für ein Bußgeld reicht das nicht aus“, bedauert er.

Dabei könne ein Bußgeld nach dem Bußgeldkatalog Umwelt Baden-Württemberg für den Verursacher zu einer teuren Angelegenheit werden. Denn der Katalog sieht für solche Ordnungswidrigkeiten einen gesetzlichen Bußgeldrahmen von fünf bis zu 100.000 Euro vor.

So können schon weggeworfene Zigarettenschachteln, Bananenschalen oder Papierreste je nach Umfang und Gewicht des Mülls zwischen 50 und 800 Euro kosten. Elektrogeräte schlagen mit 50 bis 2.500 Euro Bußgeld zu Buche und die Strafe für Bauschuttablagerungen und Erdaushub reichen von 100 bis 10.000 Euro. Es würde sich also durchaus für die Kommunen lohnen, wenn sie den Müllsündern zu Leibe rücken würden.

Täter werden eher selten erwischt

Doch auch bei der Acherner Stadtverwaltung ist es eher ein Sonderfall, wenn ein Verursacher tatsächlich festgestellt werden kann. „Der letzte Fall, in dem wir illegal entsorgten Müll tatsächlich einer Person klar zuschreiben konnten, bescherte dem Verursacher ein Bußgeld in Höhe von 150 Euro“, bestätigt Karin Bürk von der Acherner Verwaltung.

Doch weißt auch sie darauf hin, dass es in der Regel kaum möglich sei, einen Täter zu ermitteln. „Laut unserem Bauhof kommt es leider immer wieder vor, dass irgendwo Müll abgelagert wird. Wenn wir Hinweise auf die Verursacher finden, melden wir das an unser Ordnungsamt, damit die Kollegen der Sache nachgehen und ein Bußgeld verhängen können.“ Und nein: Auch in Achern habe es keine augenscheinliche Zunahme solcher wilder Müllkippen während der Corona-Einschränkungen gegeben.