Zeitlosigkeit und Ruhe strahlt die Schule nach dem Urteil des Preisgerichts aus. | Foto: Ulrich Coenen

Kreisschulzentrum Offenburg

Der Schulhof fließt durch das Haus

Es ist nicht alltäglich. In der Urteilsbegründung räumt die Jury unumwunden ein, dass über diesen Preisträger kontrovers diskutiert wurde. Der neue Bau D des Kreisschulzentrums in der Zähringer Straße in Offenburg war umstritten. Das hängt mit der Diskrepanz zwischen seiner äußeren Hülle und dem Innenraum zusammen. Dennoch erhielt das Gebäude wegen seiner unbestrittenen Qualitäten die Hugo-Häring-Auszeichnung des Bundes Deutscher Architekten (BDA).

Mensa des Kreisschulzentrums Offenburg | Foto: Ulrich Coenen

Das Projekt wurde als Ergebnis eines 2013 europaweit ausgelobten Wettbewerbs nach Plänen von Harris + Kurrle Architekten aus Stuttgart (Joel Harris und Volker Kurrle) realisiert und 2016 seiner Bestimmung übergeben. Das im Jahr 2000 von den beiden Absolventen der Universität Stuttgart gegründete Büro ist auf öffentliche Bauten spezialisiert.

Die Korridore des Kreisschulzentrums haben einen orangen Bodenbelag. | Foto: Ulrich Coenen

Gewachsener Raumbedarf

Anlass für den Neubau in Offenburg durch den Ortenaukreis war der gewachsene Raumbedarf der Kaufmännischen sowie der Haus- und Landwirtschaftlichen Schulen, der schon seit längerer Zeit bestand. Bau D wird gemeinsam genutzt. Er nimmt die bislang freie Westseite des viereckigen Platzes ein, dessen übrige Seiten von den Bestandsgebäuden A, B und C gerahmt werden. Die städtebauliche Anordnung des Ensembles ist geschickt. Der Schulhof, der mit seinen in rechteckigen Formen arrangierten verschiedenfarbigen Belägen wie ein großer Teppich erscheint, bildet das ideelle Zentrum der vier sehr unterschiedlichen Baukörper.

Das Treppenhaus des Baus D am Kreisschulzentrum der Schule setzt einen farbigen Akzent. | Foto: Ulrich Coenen

Die klare Formensprache des dreigeschossigen Neubaus beeindruckt. Der wohl proportionierte Kubus setzt an der Westseite des Platzes einen wirkungsvollen Akzent und tritt in einen selbstbewussten und doch harmonischen Dialog mit den Bestandsbauten. Die Bandfassade des Baus D wurde mit großformatigen und robusten Betonfertigteilen mit einer vertikalen Profilierung ausgeführt. Diese Reliefstruktur lässt die Wand je nach Tageszeit und Sonneneinstrahlung sehr unterschiedlich auf den Betrachter wirken.

Blick ins Treppenhaus | Foto: Ulrich Coenen

Umlaufende Fensterbänder

Die charakteristischen umlaufenden Fensterbänder in den Obergeschossen erscheinen endlos und werden nur durch schlanke Pfosten rhythmisiert. Im Erdgeschoss ist an beiden Langseiten der breit angelegte und voll verglaste Haupteingang tief in die Wand eingeschnitten. Der Schulhof fließt auf diese Weise durch das Erdgeschoss, in dem sich Foyer, Mensa und Konferenzraum befinden, und mündet in den Beach-Volleyball-Platz an der Rückseite.

Kunstraum | Foto: Ulrich Coenen

Starke Rationalität

Der Innenraum im Erdgeschoss wird durch eine starke Rationalität und wenige sorgsam ausgewählte Materialien geprägt. Einen farbigen Akzent setzt das Haupttreppenhaus, das die Architekten in ihrer Projektbeschreibung als Skulptur bezeichnen. Die elegante Podesttreppe aus Sichtbeton erschließt alle Stockwerke. Sie greift die orange Farbe des Estrichs in der Mensa und den Erschließungskorridoren auf, mit der die Architekten den öffentlichen Raum kennzeichnen wollen. Weniger aufregend sind die Fach- und Klassenräume, die sehr zurückhaltend gestaltet wurden, so dass sie teilweise fast steril wirken.
Die Architekten erklären, dass sie diese Räume bewusst „intimer und neutral“ gehalten haben. Wer aber beispielsweise den an ein Labor erinnernden Kunstraum betreten hat, zweifelt, ob sich dort Kreativität entfalten kann.

Klassenraum | Foto: Ulrich Coenen

Dissoziation zwischen Form und Funktion

Das Preisgericht spricht von einer „Dissoziation zwischen Form und Funktion“. Gelobt wird die Zeitlosigkeit und Konsequenz der Architektur und ihre starke Beziehung zu den Außenräumen. Das Gebäude zeichne sich dadurch aus, „dass es eine in unserer Welt sehr selten gewordene Qualität als Priorität setzt: die Ruhe!“