Wandern Schwarzwaldverein Corona
Wandern mit Abstand: Das ist für die Schwarzwaldvereine und ihre Gruppenangebote wieder möglich. | Foto: Barbara Gindl/APA/dpa

Gruppenwanderungen erlaubt

Schwarzwaldverein Sasbach: So darf nach der Corona-Zwangspause wieder gewandert werden

Anzeige

Wanderungen in Gruppen dürfen nach der Corona-Zwangspause wieder angeboten werden, das hat der Hauptverein des Schwarzwaldvereins am 2. Juni mitgeteilt. Wie das aussehen könnte, hat Redakteurin Stefanie Prinz den Vorsitzenden des Schwarzwaldvereins Sasbach/Obersasbach, Albert Bohnert, und seine Stellvertreterin Claudia Wilhelm gefragt.

Wie können Vereinswanderungen unter den aktuellen Umständen funktionieren?

Albert Bohner: Wir haben in dieser Woche mit einer ersten Walking-Tour angefangen, davor gab es keinerlei Vereinsaktivitäten. Bei unseren mehrtägigen Touren, zum Beispiel nach Österreich, ist noch offen, ob sie stattfinden können. Der Wanderplan wird schon im Oktober für das jeweils nächste Jahr aufgestellt. Abgesagt ist so etwas schnell, aber im „vorauseilenden Gehorsam“ – das wäre schade.

Die Anfahrten zu den einzelnen Wanderungen werden wohl in Fahrgemeinschaften mit mehr Autos als sonst und mit Mundschutz stattfinden. Wer mitwandern will, muss sich jetzt vorher anmelden, das war bisher nicht nötig, das ging spontan. Es ist möglich, dass 24 Personen mitwandern, also zwölf pro Wanderführer in zwei Gruppen, die zueinander noch einmal Abstand halten.

Claudia Wilhelm: Und dann müssen wir ausprobieren, wie das alles klappt.

Wie groß sind die Gruppen sonst?

Claudia Wilhelm: Wir hatten am Anfang der Saison schon große Wandergruppen mit mehr als 50 Personen, auch einmal mit fast 70 – dieses Jahr hat sehr stark begonnen, das geht jetzt so nicht mehr.

Auch interessant: Manuel Andrack: Wandern in Corona-Zeiten neu entdecken

Wie ist Abstandhalten auf Wanderwegen überhaupt möglich?

Albert Bohnert: Es gibt Empfehlungen, breitere Wege zu nutzen, aber das ist kaum umsetzbar. Die schöneren Wanderungen sind sowieso die auf kleineren, schmalen Wegen – auf einem „Single Trail“ kann man nur hintereinander gehen, da ist Abstand gut möglich. Wir müssen darauf achten, nicht im Pulk zu wandern, aber vor allem auf den Abstand beim Treffpunkt zur Begrüßung.

Claudia Wilhelm: Inzwischen ist das Abstandhalten bei den meisten Menschen außerdem auch schon in Fleisch und Blut übergegangen.

Albert Bohnert: Noch dazu kennen wir ja jedes einzelne Vereinsmitglied und wissen, dass das vernünftige Leute sind. In einer solchen Gruppe ist die Sache unkomplizierter als wenn zum Beispiel an einem Sonntag im Nationalpark sehr viele Familien unabhängig voneinander gleichzeitig losziehen wollen und sich dann in die Quere kommen.

Schwarzwaldverein Sasbach
Der Vorsitzende des Schwarzwaldvereins Sasbach/Obersasbach, Albert Bohnert, und seine Stellvertreterin Claudia Wilhelm. | Foto: Stefanie Prinz

In diesem Sommer könnte es in den Wäldern – nicht nur im Nationalpark – noch voller werden als sonst, weil ja die Möglichkeiten für Urlaubsreisen begrenzt sind.

Claudia Wilhelm: Es sind tatsächlich jetzt schon mehr Menschen draußen unterwegs: In den Pfingstferien wären viele weggefahren, dazu kommt, dass die Freibäder noch zu waren – und Familien müssen mit ihren Kindern eben raus.

Albert Bohnert: Die bekannten Hotspots wie der Mummelsee oder die Hornisgrinde und die Premiumwanderwege sind mehr frequentiert als üblich, da hat man dann aber eher ein Parkplatz-Problem. Im Schwarzwaldverein sind wir dort weniger unterwegs, sondern suchen uns individuelle Wege.

Claudia Wilhelm: Da biegt man auch einmal spontan links oder rechts ab und trifft dabei unterwegs kaum jemanden.

Auch interessant: BNN-Ausflugstipps: Kleine Fluchten aus dem Alltag

Profitieren die Schwarzwaldvereine am Ende sogar von der Krise, weil die Menschen vielleicht ihre eigene Region gerade mehr zu schätzen lernen?

Claudia Wilhelm: Viele merken jetzt, was für eine schöne Landschaft wir hier zu Hause haben, weil man sich eben ein „Heimatprogramm“ zusammenstellen musste anstatt eines Urlaubs.

Albert Bohnert: Wandern wird schon seit einiger Zeit immer beliebter, aber die Leute sind eher als Paare oder mit Freunden unterwegs als im Verein. Der Ortsverein Sasbach ist trotzdem einer der wenigen, der seit 20 Jahren wächst. Woran viele nicht denken: Man muss sich vorher kümmern, eine Tour aussuchen – im Verein braucht man nur zum Treffpunkt zu kommen, hat alles organisiert und bekommt vom Wanderführer noch etwas zur Umgebung erklärt.

Auch interessant: Zehn kostenlose Ausflugstipps für die Region