Gegen sechs Ärzte des Ortenau Klinikums wurden Ermittlungen wegen des Verdachts nicht korrekter Abrechnungen eingeleitet. Betroffen ist auch der Klinik-Standort in Achern. | Foto: Dominic Körner

Auch ein Fall in Achern

Sechs Ärzte im Visier der Staatsanwaltschaft

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Besuch von der Polizei hatte am Mittwoch das Ortenau Klinikum in Offenburg: Die Beamten durchsuchten die Räumlichkeiten der Zentralverwaltung des Klinikverbunds. Es geht um angeblich nicht korrekte Abrechnungen durch sechs Ärzte zu Lasten der Kassenärztlichen Vereinigung. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Baden-Baden ist auch der Klinik-Standort in Achern betroffen. Allein in diesem Fall soll im Zeitraum von 2009 bis 2011 ein Schaden von rund 100.000 Euro angerichtet worden sein. Auch die außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Staatsanwaltschaft Baden-Baden liegende Privatwohnung des Arztes habe man durchsuchen lassen, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

„Auffälligkeiten“ werden überprüft

Das Ortenau Klinikum mit Sitz in Offenburg hatte  von sich aus die Öffentlichkeit darüber informiert, dass die Staatsanwaltschaft nach dem Auftreten von „Auffälligkeiten“ die Abrechnungspraxis einzelner Ärzte überprüfe. Man sei, so hieß es, am Vortag von dem Ermittlungsbehörden über die Vorwürfe informiert worden.

Auch die Staatsanwaltschaft in Mannheim ermittelt

Neben dem am Standort in Achern tätigen Mediziner geht es um fünf weitere Ärzte, eingeschaltet ist auch die Staatsanwaltschaft in Mannheim. Geprüft wird, so Klinik-Sprecher Christian Eggersglüß, ob einzelne Ärzte im Rahmen ihrer Ermächtigung zu Erbringung ambulanter Leistungen gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg fehlerhaft abgerechnet haben. Die Ermittlungen beziehen sich auf die Jahre 2010 bis 2015.

66 Mediziner mit ambulanter Ermächtigung

Eine sogenannte ambulante Ermächtigung berechtigt Krankenhausärzte dazu, neben der stationären Tätigkeit in der Klinik Patienten auch ambulant behandeln und diese Leistungen gegenüber den Kassenärztlichen Vereinigungen abrechnen zu können. Insgesamt haben 66 Ärzte an den verschiedenen Standorten des Ortenau Klinikums von der Kassenärztlichen Vereinigung eine ambulante Ermächtigung für Leistungen erhalten, die von keinem anderen niedergelassenen Arzt in einem bestimmten Umkreis erbracht werden. Die Dauer der Ermächtigung wird alle zwei Jahre überprüft. In diesem konkreten Fall gehe es, so Eggersglüß, ausschließlich um ambulante Leistungen gegenüber Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung.

Kooperation mit den Ermittlungsbehörden

Zur Aufklärung des Sachverhalts kooperiere das Ortenau Klinikum „offen und transparent“ mit den Staatsanwaltschaften. „Wir nehmen den Sachverhalt und dessen Aufklärung sehr ernst“, betonte  Klinikum-Geschäftsführer Christian Keller. Das Ortenau Klinikum arbeite unter anderem im Rahmen des Clinotel-Verbundes aktiv an dem Thema Verhaltenskodizes zur Sicherstellung regelgerechter Abläufe mit anderen Häusern bundesweit zusammen.