Ruine am Strand: Das einstige Seehotel wurde vom Bewuchs „freigestellt“. Investor Jürgen Grossmann möchte hier seine Pläne für ein neues Hotel verwirklichen. | Foto: Michael Moos

Ruine am See in Achern

Das Seehotel soll nicht untergehen

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„Es ist klar, dass es wieder ein Hotel geben wird.“ Darin sind sich Christof Birkhofer und Sami Hadi einig. Beide haben in Achern einen besonderen Auftrag – sie sollen der Seehotel-Ruine am Achernsee eine neue Zukunft geben. Sie arbeiten für den Kehler Investor Jürgen Grossmann, dessen Unternehmensgruppe bekanntlich das einstige Seehotel ebenso wie den benachbarten Campingplatz erworben hat.

„Kein Fünfsterne-Hotel“

Birkhofer kennt sich aus mit Hotelprojekten. Im schweizerischen Andermatt begleitete er das Hunderte von Millionen schwere Luxus-Projekt des ägyptischen Investors Samih Sawiris. Am Achernsee geht es für ihn ein paar Nummern kleiner: „Es wird sicher kein Fünfsterne-Hotel – dafür ist es zu nah an der Autobahn.“

Bestandsaufnahme

Bis es auf dem idyllisch direkt am Wasser gelegenen Grundstück so weit ist, wird noch einige Zeit vergehen: „Fünf Jahre“, schätzt Birkhofer. Gegenwärtig geht es um eine Bestandsaufnahme. Es steht nämlich noch nicht einmal fest, ob die Seehotel-Ruine abgerissen wird oder aus ihrem „Gerippe“ Neues entsteht. Für Birkhofer haben beide Möglichkeiten Charme. Wirtschaftlich, so sagt er, macht das keinen großen Unterschied: „Das ist eher eine architektonische Frage.“ Ob abgerissen wird oder nicht, wird letztlich das Baurecht entscheiden: Ist ein Neubau mit den gesetzlichen Bestimmungen vereinbar oder muss auf der Grundlage des Bestandsschutzes weitergeplant werden? In diesem Fall wird es auch um die Statik des Bauwerks gehen.

Auftrag für R2area

Klären soll die baurechtlichen Fragen ein Fachbüro, das bereits in Achern tätig ist: Die Heidelberger Revitalisierungs-Spezialisten von „Re2area“ sind hier durch ihre Zusammenarbeit mit der Karl-Gruppe bekannt, die gegenwärtig das elf Hektar große Gelände der ehemaligen Glashütte für den Bau eines ganz neuen Stadtviertels vorbereitet. Am Achernsee soll „Re2area“ den von der Stadt geforderten Bebauungsplan entwickeln.

Bewuchs gerodet

Bei der Bestandsaufnahme ging es auch um die Verkehrssicherungspflicht und um die Erkundung des Geländes. „Dazu gehörte die Freistellung von dem Bewuchs“, berichtet Sami Hadi. In einem ersten Schritt wurden Feldgehölz und Gebüsch rund um das seit vielen Jahren leer stehende Gebäude entfernt. Dabei waren auch die Stadt Achern und das Landratsamt in Offenburg eingeschaltet, weil es hier auch Bereiche gibt, die unter Naturschutz stehen.

„Das war lebensgefährlich“

Im Zuge der Rodungsarbeiten musste nicht nur jede Menge Müll beseitigt werden, es kamen auch Schächte zum Vorschein, die zum Teil mehrere Meter tief waren: „Das war lebensgefährlich“, sagt Sami Hadi. Sie sind zwischenzeitlich gesichert, ebenso hat man nach Mitteilung der Stadtverwaltung notwendige Rettungs- und Brandschutzeinrichtungen zugänglich gemacht.

Architektonischer Anspruch

Wie das „neue“ Seehotel einmal aussehen könnte, ist noch unklar. „Es soll eine Bereicherung werden“, verspricht Christof Birkhofer. „Schließlich steht Jürgen Grossmann für einen gewissen architektonischen Anspruch.“

Von Graffiti begeistert

Apropos Anspruch: Ganz begeistert zeigte sich Jürgen Grossmann von der künstlerischen Qualität der in den vielen Jahren Leerstand im ehemaligen Seehotel entstanden Graffiti. Die besten hat er fotografisch festhalten lassen, um sie – in welcher Form auch immer – der Nachwelt zu erhalten. „Das ist eine Stilfrage“, erläutert Birkhofer. „Aber immerhin sind sie Teil der Geschichte des Seehotels.“