Bei Anruf Auto: Mit der Ausweitung der Betriebszeiten will die Stadt Achern die Attraktivität des vor fünf Jahren eingeführten Rufautos erhöhen. | Foto: Michaela Gabriel

Künftig mehr Fahrten möglich

Seit fünf Jahren in Achern unterwegs: Das Rufauto soll nicht gebremst werden

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Das Acherner Rufauto soll noch attraktiver werden. Vorgesehen ist eine Verlängerung der Betriebszeiten von derzeit 66 auf künftig 79 Stunden pro Woche. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Verwaltungs-, Sozial- und Kulturausschuss in seiner jüngsten Sitzung einstimmig. Das letzte Wort hat nun der Gemeinderat.

 

Vor fünf Jahren wurde das Rufauto als Ergänzung des Öffentlichen Personennahverkehrs eingeführt. Mit Erfolg, wie die Stadtverwaltung in ihrer Vorlage berichtet. Vom Rufauto profitieren vor allem die Menschen in den Stadtteilen; diese sind vergleichsweise schlecht mit Bussen zu erreichen. Für das Rufauto hat die Stadt Achern mit der Firma Baden-Blitz einen Partner gefunden; der entsprechende Dienstleistungsvertrag läuft am 30. November 2020 aus, ebenso die Genehmigung durch das Landratsamt Ortenaukreis.
Bislang verkehrt das Rufauto auf Anforderung stündlich montags bis freitags zwischen 8 und 20 Uhr sowie samstags zwischen 8 und 14 Uhr. Der Ausschuss stimmte dem Vorschlag der Stadtverwaltung zu, die Betriebszeiten auf 79 Stunden zu verlängern: Dann würde das Rufauto montags bis freitags zwischen 8 und 22 Uhr sowie samstags zwischen 8 und 17 Uhr stündlich fahren.

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Die Verlängerung der Betriebszeiten soll Gegenstand eines erneuten Genehmigungsverfahrens beim Landratsamt sein. Die Suche nach einem Partner erfordert die Ausschreibung eines nationalen Vergabeverfahrens.

Viel Lob

Sprecher aller im Gemeinderat vertretenen Parteien lobten das Rufauto. Die Rede war von einem „sehr guten Projekt“, dessen Fortsetzung als „unbedingt erforderlich“ angesehen wurde. Unterschiedliche Meinungen gab es zu einem Antrag der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, der eine tägliche Verfügbarkeit des Rufauto zum Ziel hatte. Danach sollte die Betriebszeit auf täglich von 8 bis 23 Uhr erweitert werden. Nur so wäre es den Nutzern des Angebots auch möglich, beispielsweise nach dem Kinobesuch, dem VHS-Kurs oder dem Vereinsabend noch mit dem Rufauto nach Hause zu kommen. Fraktionschef Martin Siffling verwies des weiteren auf spät in Achern ankommende Züge, für die der Rufauto-Anschluss fehle, wenn dieses nicht bis 23 Uhr fahre. Obwohl er nicht an der ursprünglichen Vorschlag festhielt und auf den Verkehr am Sonntag verzichtete, wurde der Antrag mit zehn gegen vier Stimmen abgelegt.

Jährlich 30.000 Euro als Zuschuss

Die Stadtverwaltung hatte darauf hingewiesen, dass der ursprüngliche Antrag der Grünen-Fraktion die wöchentlichen Betriebszeiten auf insgesamt bei 105 Stunden verlängern würde. Angesichts der Erfahrungen bei der Ausschreibung des Rufautoverkehrs im Jahr 2014 sei zu befürchten, dass bei einer so deutlichen Erweiterung der Betriebszeiten möglicherweise kein Partner melden könnte, um“ ein finanziell seriöses Angebot im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel“ abzugeben. Pro Jahr stehen 30.000 Euro zu Verfügung; diese Betrag dürfe angesichts der in Zeiten der Corona-Krise erforderlichen „Ausgabendisziplin“ nicht überschritten werden.

 

Rufauto
Seit dem 1. Dezember 2014 nahmen 11.365 Fahrgäste das Rufauto in Anspruch. Der Stadt Achern entstanden dadurch bis heute Kosten in Höhe von 122.265,50 Euro. Ein Teil der Fahrten wird durch den Ortenaukreis mit 33 Prozent gefördert. Förderfähig sind Fahrten von und in die Stadtteile, in denen an Werktagen weniger als viermal täglich ein Bus fährt. Betroffen von dieser Regelung sind die Stadtteile Gamshurst, Großweier, Sasbachried und Wagshurst. Außerdem werden alle Fahrten mit einer Haustürbedienung bezuschusst. Die Stadt Achern erhielt bis heute Fördermittel in Höhe von 27.638,84 Euro.
Die insgesamt 9.616 Fahrten von Dezember 2014 bis März 2020 teilen sich wie folgt auf: Linie 1 (Gamshurst, Großweier, Sasbachried): 3.877 Fahrten; Linie 2 (Wagshurst, Önsbach, Fautenbach): 3.781 Fahrten; Linie 3 (Mösbach, Oberachern): 1.958 Fahrten.
Die meisten Fahrten wurden morgens zwischen 8 und 11 Uhr (4.050) in Anspruch genommen. Im Laufe des Tages nimmt die Anzahl der Fahrten ab, so dass zwischen 11 und 14 Uhr noch 2.467 Fahren, zwischen 14 und 17 Uhr 1.946 Fahrten und zwischen 17 und 20 Uhr nur noch 1.153 Fahrten erfolgten.
Am häufigsten wird das Rufauto für Fahrten von Wagshurst in die Kernstadt geordert (1.452); es folgen Gamshurst (852), Sasbachried (810), Großweier (749), Mösbach (611), Oberachern (539), Önsbach (328) und Fautenbach (308).
Von Achern in die Stadtteile erfolgten die meisten Fahrten nach Gamshurst (908). Am zweithäufigsten fuhr das Rufauto nach Wagshurst (858), gefolgt von Großweier (637), Mösbach (477), Önsbach (414), Oberachern (403), Fautenbach (401) und Sasbachried (217). mm