Ein Ort der Kommunikation ist der Lichthof mit dem zentralen Treppenhaus des Seminargebäudes der Hochschule Offenburg. | Foto: Ulrich Coenen

Bauen im Schwarzwald

Lakonische Formen prägen die Architektur

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Die Gebäude von Ludwig Harter und Ingolf Kanzler werden durch eine beinahe lakonische Einfachheit geprägt. Verbunden mit einer Perfektion bis ins Detail charakterisiert dies seit mehr als drei Jahrzehnten den Stil der beiden Architekten. Wenn der Bund Deutscher Architekten (BDA) alle drei Jahre seine Hugo-Häring-Auszeichnungen verleiht, sind Harter + Kanzler mit schöner Regelmäßigkeit unter den Preisträgern. Auch dieses Mal gab es für sie im Bereich der BDA-Kreisgruppe Baden-Baden/Rastatt/Ortenaukreis gleich zwei (von insgesamt elf vergebenen) Hugos. Die Jury prämierte das Seminargebäude der Hochschule Offenburg und das katholische Gemeindezentrum St. Sebastian in Haslach.

Das Pfarrgemeindezentrum St. Sebastian in Haslach ist in Holzbauweise entstanden. | Foto: Ulrich Coenen

Der Beitrag des Büros zur modernen Architektur im Schwarzwald ist kaum zu überschätzen. Die Wurzeln von Harter + Kanzler liegen im Kinzigtal und dort haben sie eine ganze Reihe herausragender Bauwerke geschaffen wie 2008 den Bauhof der Firma Hansmann, der neben der Hugo-Häring-Auszeichnung 2011 den Fritz-Höger-Preis, die wichtigste deutsche Auszeichnung für Backsteinarchitektur, erhalten hat. Zwei weitere bedeutende Beispiele im Oeuvre der Architekten sind das Bürogebäude und die Produktionshalle der Firma Haser-Metallbau, ebenfalls in Haslach.

Gemeindezentrum St. Sebastian in Haslach

Dass das katholische Gemeindezentrum St. Sebastian im vergangenen Jahr bei dem von Land und Architektenkammer ausgelobten Wettbewerb „Baukultur Schwarzwald“ berücksichtigt wurde, ist konsequent. Geadelt wird das Gebäude nun durch die seit 1969 verliehene Hugo-Häring-Auszeichnung, den wichtigsten Architekturpreis in Baden-Württemberg.

Saal des Pfarrgemeindetentrums St. Sebastian in Haslach | Foto: Ulrich Coenen

Nach dem Abriss des Vorgängerbaus, der den Ansprüchen der Pfarrgemeinde nicht mehr genügte, entstand an der städtebaulich bedeutenden Ecke Goethestraße/Am Schafsteg ein ortsbildprägendes Bauwerk in Holzbauweise. Das klar strukturierte Gebäude besteht aus zwei kubischen Baukörpern, die durch eine eingeschossige Galerie mit schlanken Stahlstützen verbunden sind. Die Funktionen lassen sich im Grundriss ablesen. Der Kopfbau an der Straßenkreuzung nimmt im Erdgeschoss Küche und Nebenräume und im Obergeschoss Vereins- und Jugendräume auf. Der eingeschossige Galerietrakt leitet über zum zweiten Kubus mit dem überhöhten Gemeindesaal, der sich über zwei Stockwerke erstreckt.

Nach Meinung der Jury überzeugt das Gemeindezentrum durch die konsequente Verwendung des regionalen Baustoffs Holz sowohl in der Gestaltung der Fassaden als auch in der gesamten Innenraumgestaltung und Innenausstattung. „Farbgebung und Materialwahl sind angenehm unaufdringlich“, heißt es weiter. „Großzügige Glasflächen ergänzen die Holzbauweise in moderner und zweckmäßiger Form.“

Seminargebäude der Hochschule Offenburg | Foto: Ulrich Coenen

Seminargebäude der Hochschule Offenburg

Das Seminargebäude der Hochschule in Offenburg hat auf den ersten Blick nur wenig mit der Holzarchitektur in Haslach gemeinsam. Doch auch hier vertreten Harter + Kanzler die für ihren Stil charakteristische puristische Architekturauffassung. Der fünfgeschossige verputzte Kubus mit der Grundrissstruktur eines Punkthauses setzt am Eingang des Campus einen selbstbewussten Akzent. Die Hauptfassade mit dem Eingang wird durch eine tief in die Wand eingeschnittene fünfgeschossige vollverglaste Loggia charakterisiert, hinter der sich in voller Gebäudetiefe ein Lichthof mit dem repräsentativen Treppenhaus erstreckt.

Dieses Element verbindet als Ort der Kommunikation alle Stockwerke und erlaubt dem Besucher spannende innerräumliche Perspektiven. Über die umlaufenden Flure sind alle Seminarräume und Büros erschlossen. Die seitlichen Fassaden des Kubus sind als klassische Lochfassaden ausgebildet. Alle Seminar- und Büroräume werden durch hochrechteckige Fenster belichtet.

Lichthof des Seminargebäudes der Hochschule Offenburg | Foto: Ulrich Coenen

„Im Innenraum herrscht eine sehr arbeitsfreundliche Atmosphäre mit großzügigen Lern- und Verkehrsräumen, die stark mit der Landschaft verbunden sind“, heißt es in der Begründung des Preisgerichts. „Die Präzision des Projektes spiegelt sich auch in der Enthaltsamkeit und in der Beherrschung der Details wider. Das Gebäude beweist, dass gute Architektur eine vollständige Kunst ist, in der die Stärke des Konzeptes und die Beherrschung des kleinsten Details dieselbe Rolle spielen.“ Ulrich Coenen