Eine Straße soll in Achern nach dem hier geborenen Fußball-Nationalspieler Julius Hirsch benannt werden. Der DFB vergibt regelmäßig den Julius-Hirsch-Preis, das Bild entstand 2015 in Leipzig und zeigt Schüler des Europäischen Gymnasiums Karlsruhe. | Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Nationalspieler aus Achern

Späte Ehrung für Fußballer Julius Hirsch

Während die Fußballwelt dem WM-Finale in Russland entgegenfiebert, will Acherns Oberbürgermeister Klaus Muttach eine Straße in den Illenau-Wiesen nach dem früheren deutschen Fußballnationalspieler Julius Hirsch benennen. Muttach greift damit eine Idee von Richard Busam aus Oberachern auf. Das Konzept für die Illenau-Wiesen ist nach Mitteilung der Stadtverwaltung verwaltungsintern erarbeitet und soll dem Gemeinderat direkt nach den Sommerferien präsentiert werden, so Muttach.

In der Illenau geboren

Am 10. Oktober 1891 wurde Emma Hirsch, die Mutter von Julius Hirsch, ausweislich der Patientenakte der einstigen Acherner Heil- und Pflegeanstalt Illenau nach „vielen häuslichen deprimierenden Ereignissen, Todesfällen und Krankheiten“ dort aufgenommen. Am 7. April 1892 brachte sie Julius Hirsch in der Illenau zur Welt. Der Sohn machte als Fußballer  eine steile Karriere

Meister mit dem Karlsruher FV

1910 wurde Julius Hirsch mit dem Karlsruher FV Deutscher Fußballmeister sowie dreimal in Folge Süddeutscher Meister. 1911 debütierte Hirsch als Nationalspieler gegen die Auswahl Ungarns, in seinem zweiten Länderspiel erzielte er beim 5:5-Unentschieden gegen die Niederlande vier Tore.

Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns

Noch im Ersten Weltkrieg „diente“ er als Soldat, wurde aber dann im Dritten Reich Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns. 1933 wurde er als Jude aus dem Karlsruher FV ausgeschlossen, später zur Zwangsarbeit verpflichtet. Infolge der sich dramatisch verändernden Lebensumstände erkrankte Julius Hirsch seelisch schwer, überlebte einen Selbstmordversuch und wurde am 5. Mai 1939 in die Illenau eingeliefert.

Nach Birkenau deportiert

Die Anstalt hatte sich zwischenzeitlich von ihren ursprünglichen humanitären Ansprüchen verabschiedet, und Julius Hirsch unternahm einen Fluchtversuch, Ausdruck der Unzufriedenheit mit seinem Aufenthalt in der Illenau und der Sehnsucht nach seiner Familie. 1943 wurde Julius Hirsch nach Auschwitz-Birkenau deportiert, seine beiden Kinder Heinold und Esther kamen später in das Konzentrationslager Theresienstadt, wo sie durch die Rote Armee am 7. Mai 1945 gerettet wurden. Das genaue Todesdatum von Julius Hirsch ist unbekannt, er wurde 1950 vom Amtsgericht Karlsruhe mit Datum vom 8. Mai 1945 für tot erklärt.

Todbringende Menschenverachtung

Am Beispiel der Familie Hirsch wird nach Ansicht von Oberbürgermeister Klaus Muttach sichtbar, welche katastrophalen Folgen eine sich verändernde Weltanschauung auch in der Illenau hatte: Vom segensreichen Wirken an der Mutter von Julius Hirsch zur todbringenden Menschenverachtung. Mit der Benennung einer Straße in den Illenau-Wiesen soll dieser dramatischen Veränderung am Beispiel des in der Illenau geborenen prominenten Fußballers gedacht werden.

DFB hat Julius-Hirsch-Preis ins Leben gerufen

Die Stadt Achern könne sich damit auch der Würdigung des Deutschen Fußballbundes anschließen, der bekanntlich den Julius-Hirsch-Preis ins Leben rief – damit wird der besonderer Einsatz für Toleranz und Menschenwürde, gegen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus ausgezeichnet. ZU den Preisträgern gehört unter anderem Thomas Hitzlsperger