Neubausiedlungen wie hier in Achern-Großweier sollen Abhilfe bei der „extremen Wohnungsnot“ schaffen. Im Gebiet „Hagmatt“ wurden bisher 28 Wohnungen bereitgestellt, maximal zwei könnten laut Stadtverwaltung noch hinzukommen. | Foto: sp

„Extreme Wohnungsnot“

Stadt Achern stellt Baumaßnahmen vor

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Achern ist attraktiv. Es ist nicht nur die liebliche Landschaft der nördlichen Ortenau, sondern auch die wirtschaftliche Stärke der Region, die für immer mehr Bevölkerungszuwachs in der Großen Kreisstadt sorgt. Dieser begrüßenswerte Zuwachs offenbart aber seine Schattenseiten, wo nicht genügend bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht – ein Problem, mit dem bekanntermaßen immer mehr deutsche Städte zu kämpfen haben. Auf Anfrage des ABB hat die Stadt nun ihre Maßnahmen gegen Wohnungsnot in einer schriftlichen Stellungnahme zusammengefasst.

Nicht weniger als 1000 Wohnungen sollen in einem Zeitraum von fünf bis acht Jahren in Achern gebaut werden, gibt Oberbürgermeister Muttach bekannt, der im Januar anlässlich des Beschlusses zum Bebauungsplan des ehemaligen Glashüttenareals selbst von einer „ganz extremen Wohnungsnot“ sprach (bnn.de berichtete).

In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind in Achern 2000 Arbeitsplätze hinzugekommen

Mietsteigerungen bremsen

Um den Wohnungsmarkt nicht zu „überhitzen“ und eine Konzentration auf ein bestimmtes Gebiet zu vermeiden, würden die Gebäude dabei auf mehrere Stadtteile verteilt, ein differenziertes Wohnungsangebot soll den Bedürfnissen von Singles, Familien und Senioren gerecht werden. Auf diese Weise suche die Stadt die aus dem „Nachfrageüberhang“ entstandenen Mietsteigerungen zu bremsen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten, so Muttach weiter, seien in Achern 2000 Arbeitsplätze hinzugekommen.

Auch in den Stadtteilen, wie hier in der Kirchstraße, werden Wohnungsprojekte realisiert | Foto: pf

Einige Bauvorhaben bereits begonnen

Dem Fachgebiet Baurecht liegen laut Muttach Bauanträge für Projekte vor, nach denen „in der Gesamtstadt allein 147 neue Wohnungen“ entstehen sollen. Die Anträge seien teilweise schon genehmigt, einige Bauvorhaben befänden sich bereits in der Entstehung. Neben den Großprojekten Süwag- und Glashüttenareal, Illenauwiesen, „Areal Lott“ sowie Baugebieten in den Stadtteilen und dem „Brachfeld IV“ werde die Stadt Achern noch in diesem Jahr die Aufstellungsbeschlüsse der Bebauungspläne für Baugebiete in Sasbachried, Önsbach und Großweier in Angriff nehmen. Dabei sollen innerhalb von fünf Jahren 90 bis 100 Wohneinheiten geschaffen werden. Sollte der entsprechende Aufstellungsbeschluss noch in diesem Jahr gefasst werden, könnten darüber hinaus noch weitere Baugebiete hinzu kommen.

Großprojekte sollen für bis zu 700 weitere Wohnungen sorgen

Mit dem erfolgten Offenlagebeschluss nehme die Planung des Baugebiets „Südlich der Meisenstraße“ mit 130 Wohneinheiten – bei angenommenen 1,5 Wohneinheiten pro Bauplatz – bereits konkrete Formen an. Mit dem Baugebiet „Langmatt Rötz II“ in Wagshurst seien Muttach zufolge außerdem 35, mit dem Baugebiet „Bühli“ in Mösbach 80 bis 90 und dem „Areal Lott“ in Oberachern 30 Wohneinheiten in Arbeit, deren Umsetzung als Einfamilien- oder Doppelhäuser geplant ist. Im Geschosswohnungsbau, führt Muttach weiter aus, würden im „Areal Lott“ zusätzlich 30 Wohnungen gebaut, den Schwerpunkt bildeten hier allerdings die Großprojekte am Glashüttenareal, den Illenauwiesen und dem Süwag-Areal mit 650 bis 700 Wohnungen.

100 Wohnstätten sollen als preisgünstige Mietwohnungen angeboten werden

Seniorenwohnungen mit Pflege- und Betreuungsdienst

Auf dem Baugebiet des ehemaligen Glashüttenareals, „Neues Wohnen an der Acher“, sollen ferner „knapp 150 seniorengerechte Wohnungen mit Betreuungsangeboten bis hin zu Wohnungen mit Pflege“ entstehen, davon 90 Pflegeplätze und 60 betreute Wohnungen. Die Stadtverwaltung lege besonderes Augenmerk darauf, dass von den errichteten Geschosswohnungen in den genannten Baugebieten 100 Wohnstätten als preisgünstige Mietwohnungen angeboten werden. Gleiches gelte auch für mindestens die Hälfte der 26 Wohnungen im Neubaugebiet „Brachfeld IV“, wo die Stadt nach Muttachs Auskunft mindestens ein Mehrfamilienhaus selbst bauen und in Eigentum behalten werde.

Als „preisgünstig“ gilt derzeit eine Kaltmiete von sechs Euro pro Quadratmeter

Keine Anträge auf Förderprogramme zu sozialem Wohnungsbau

Im vergangenen Jahr wurden in Achern laut Statistischem Landesamt 26 Wohnungen gebaut. Leerstehende Gebäude sind laut Muttach sowohl in den Stadtteilen wie in der Kernstadt vorhanden, die Ursachen und genaue Anzahl seien jedoch nicht bekannt. Eine Nachfrage zum Anteil von sozialem Wohnraum am Gesamtwohnungsbau erübrigt sich insofern, als dass die Stadt Achern in den vergangenen Jahren keine Anträge auf Landesförderprogramme für sozialen Wohnungsbau gestellt habe. Eine soziale Bindung der Investoren bei Mehrfamilienhäusern will die Stadt, wie beim Süwag-Areal, mit städtebaulichen Verträgen erreichen, die an den Vorhabenträger die Bedingung stellen, rund 15 Prozent der neu geschaffenen „Wohnflächen oder Wohnungen“ (der feine und vermeintlich unwesentliche Unterschied wurde zuletzt, wie berichtet,  in der Diskussion um das Süwag-Areal deutlich) als „preisgünstigen“ Wohnraum anzubieten – ein Prädikat, das „aktuell“ eine Kaltmiete von knapp sechs Euro pro Quadratmeter Wohnfläche auszeichnet.