Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Alexander Weber mit der Stadtkapelle auf dem Weihnachtsmark | Foto: Roland Spether

„Verhältnis zerrüttet“

Stadtkapelle Achern beendet Zusammenarbeit mit Alexander Weber endgültig

„Zerrüttet“ – mit diesem Wort beschreibt Acherns Oberbürgermeister Klaus Muttach das Verhältnis zwischen der Acherner Stadtkapelle und ihrem bisherigen Dirigenten Alexander Weber. So zerrüttet, dass der Orchesterchef nun für den Rest der bis zum 30. Juni dauernden Vertragslaufzeit von seinen Aufgaben freigestellt wird. Weber selbst verwies gegenüber dieser Zeitung auf den desolaten Zustand der Kapelle, die in der Vergangenheit bei Auftritten zwar mit einer großen Besetzung und einem hohen Niveau glänzte, in Wirklichkeit jedoch nur noch wenige Aktive zähle und unter einer schlechten Jugendarbeit leide

Stadtverwaltung spricht Kündigung aus

Zuletzt war Alexander Weber beim Weihnachtsmarkt mit der Stadtkapelle aufgetreten. Er hatte den Dirigentenstab 2016 als Nachfolger von Rudolf Heidler übernommen. Für die Öffentlichkeit völlig unerwartet trennte sich der Verein Anfang Dezember auf Wunsch des Vorstands von ihm – Vorsitzender Jürgen Schmid hatte diese Entscheidung mit dem Verhalten Webers „gegenüber Dritten“ begründet (der ABB berichtete). Die formale Kündigung wurde durch die Stadtverwaltung ausgesprochen; dazu sei die Verwaltung auf Antrag des Vorstands „verpflichtet“, wie Oberbürgermeister Muttach seinerzeit erklärte. Obwohl der Vertrag mit Alexander Weber noch bis Ende Juni 2017 läuft, wurde die Stelle neu ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist läuft noch bis Ende März.

Situation „eskaliert“

Dass es nun zu Webers „Freistellung“ mit Fortzahlung des vollen Honorars kam, ist nach den Worten Muttachs letztlich das Ergebnis von Vorkommnissen bei einer Probe im Januar. Die Situation sei „eskaliert“, und Musiker hätten die Probe verlassen. Der Vorstand habe daraufhin gegenüber der Stadtverwaltung deutlich gemacht, dass man ab sofort auf die Dienste Webers verzichten wolle. „Ich habe mich daraufhin mit dem Ältestenrat ausgetauscht, und wir kamen zum Ergebnis, dass wir gegen den Willen der Stadtkapelle das Engagement von Herrn Weber nicht verlangen können“, so Muttach.

Vorsitzender in den Proben nicht präsent

Alexander Weber selbst sprach in einer Stellungnahme von einem „Zerwürfnis“ zwischen dem Vorsitzenden und seiner Person. Jürgen Schmid habe ihm einerseits „mangelnde Transparenz“ vorgeworfen, andererseits habe er die Proben „extrem selten“ besucht.

Kapelle auf Aushilfen angewiesen

Im Übrigen habe er bei der Übernahme seines Dirigentenamts feststellen müssen, dass das Hauptorchester der Stadtkapelle nur noch aus rund 20 Musikern bestand – ein Umstand, den übrigens auch Oberbürgermeister Klaus Muttach so bestätigt, ohne die Hintergründe näher kommentieren zu wollen. „Die Spielfähigkeit als Blasorchester war nicht mehr gegeben, da die Besetzung extrem unausgewogen war“, konstatiert Weber. „Beispielsweise hat das tiefe Blech komplett gefehlt – es geht aber nicht ohne.“ Für fast jeden Auftritt habe die Kapelle also Aushilfen engagieren müssen.

„Nachfolger hat eigentlich keine Chance“

Mängel beklagt Weber auch bei der Verwaltung: „Es gab weder einen Zeugwart noch einen Notenwart – und noch nicht mal ein Verzeichnis der vorhandenen Noten.“ Ferner habe die Stadtkapelle in den vergangenen zehn bis 15 Jahren „keine systematische Jugendarbeit betrieben“. Mit der Folge, „dass heute nur drei Jugendliche in Ausbildung sind“. Auch bei der Stadtverwaltung habe er kaum Rückhalt gehabt, bedauert Weber.
Unter all diesen Umständen betrachtet der geschasste Dirigent die Zukunft der Kapelle mit Skepsis: „Mein Nachfolger hat eigentlich überhaupt keine Chance.“