Ungeklärt bleibt die Frage, wer im dezember 2017 in Offenburg stecknadeln in Lebensmitteln platziert hat. Zuletzt waren auch Bäckereien (Symbolbild) betroffen. | Foto: Woitas

Ermittlungen eingestellt

Stecknadelfunde in Lebensmitteln bleiben rätselhaft

Anzeige

Die Staatsanwaltschaft in Offenburg hat ihre Ermittlungen nach den Aufsehen erregenden Stecknadelfunden Ende 2017 im Ortenaukreis ohne Ergebnis eingestellt. Zuvor hatten die Ermittler nichts unversucht gelassen, um dem oder besser den Tätern auf die Spur zu kommen. Selbst umfangreiche Handy-Ortungen sowie DNA-Tests führten aber zu keinem Ergebnis, wie Staatsanwältin Miriam Kümmerle am Mittwoch in einem Pressegespräch in Offenburg sagte.

Nicht jeder Fall authentisch

Wie berichtet, waren die gefährlichen Beigaben um Weihnachten 2017 zunächst in Backwaren aufgetaucht, die in einer bestimmten Offenburger Kaufland-Filiale auslagen. Später waren auch andere Lebensmittelmärkte betroffen. Die Staatsanwaltschaft geht inzwischen von weit mehr als einem Täter aus: „Wir haben mit der Zeit gemerkt, dass die vielen Fälle nicht in einem Zusammenhang stehen können“, so Kümmerle. Man habe sich teilweise fragen müssen, ob nicht auch angesichts der umfangreichen medialen Berichterstattung zunehmend Trittbrettfahrer im Spiel waren. Letztlich sei man zudem nicht überzeugt, dass jeder gemeldete Fall auch tatsächlich authentisch ist.

Immer weitere Nadeln aufgetaucht

Laut Kümmerle seien immer weitere Nadeln aufgetaucht, zunächst in Appenweier und Gengenbach, später auch im gesamten Südwesten und in weiteren Teilen des Bundesgebiets. Um wie viele Fälle es sich insgesamt handelte, können sie nicht sagen, da die Vorgänge nicht zentral in Offenburg bearbeitet wurden; zwar habe man Anfragen anderer Staatsanwaltschaften gehabt, auch diese Fälle zu übernehmen, doch dies sei mangels eines Tatzusammenhangs nicht sinnvoll gewesen.

Sechs Tatverdächtige ermittelt

Ohnedies hatten die Offenburger schon mit dem Nadeln aus dem Ortenaukreis alle Hände voll zu tun: Insgesamt sei die Polizei beim ihren Ermittlungen auf sechs Tatverdächtige gestoßen, doch es habe jeweils  „nur vage Verdachtsmomente“ gegeben. In einem Fall habe man sich eine Person näher angesehen, die  in dem betreffenden Supermarkt Hausverbot hatte, in einem anderen Fall sei man der verdächtigen Beobachtung eines anderen Kunden gefolgt. Teilweise habe man versucht, die Aufenthaltsorte der Verdächtigen per Handyortung nachzuvollziehen, doch dies habe sich als wenig hilfreich erwiesen, da eine Abgrenzung im vergleichsweise kleinen Offenburg kaum möglich sei. Auch die an einigen Nadeln gesicherten DNA-Spuren hätten der Polizei nicht weiter geholfen, zumal die Lebensmittel und die Stecknadeln „nicht wirklich spurenschonend behandelt wurden“ – mit anderen Worten, sie waren durch zu viele Hände gegangen.

Fälle im gesamten Bundesgebiet

Staatsanwaltschaft und Polizei hatten im vergangenen Dezember über gleich mehrere Stecknadelfunde berichtet, unter anderem in einer Packung Burger-Brötchen oder in einem Bagel. Viel sprach damals dafür, dass die ersten Stecknadeln alle an einem nicht näher bestimmten Tag vor Weihnachten in Selbstbedienungs-Backwaren des Offenburger Kauflands platziert wurden, teilweise waren an den Verpackungen Einstichstellen zu sehen. Später tauchten Stecknadeln auch in anderen Lebensmitteln auf, teilweise unterschieden sich die verwendeten Nadeln. Zuletzt waren auch Bäckereien betroffen oder auch, angeblich, eine Tütensuppe. Die Polizei ging bei ihren Ermittlungen so weit, sogar die Produktionsprozesse des betroffenen Herstellers zu überprüfen.  Über die letzten Fälle hatten Polizei und Staatsanwaltschaft im Blick auf mögliche Trittbrettfahrer nicht mehr berichtet, so Kümmerle.