So könnte der Kehler Rathausplatz ab Ende 2018 gestaltet sein, wenn die Straßburger Tram bis in die Innenstadt fährt. | Foto: J.MAYER.H und Partner, Architekten

Tram-Endstation in Kehl

„Steinzeit“ vor dem Rathaus

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„Steinzeit“ vor dem Kehler Rathaus: Das Berliner Architekturbüro J.Mayer.H und Partner überzeugte bei einer Gegenstimme und vier Enthaltungen die Mehrheit des Gemeinderats, dass die Endhaltestelle der Straßburger Tramlinie D sowie der „Rendez-vous-Busbahnhof“ Ende 2018 im „Kieselstein“-Look erscheinen. Oval abgerundete Betonelemente werden Dach und Seitenwände der Wartehäuschen auf dem Rathausplatz bilden. „Das Konzept schafft eine klare Wiedererkennbarkeit und ist speziell für Kehl entwickelt“, erklärt ein Sprecher des Architekturbüros auf BNN-Anfrage. In der Haltestelle werden LED-Deckenstrahler eingebaut sowie Ticketautomaten und Sitzbänke in Seitenwände der „Kiesel“. Kosten: über 750 000 Euro, zuzüglich Honorar für Ingenieure.

Kritik an „Kieselstein-Look“

„Wir waren uns einig, ein Unikat zu haben“, betonte Ratsmitglied Richard Schüler (CDU). Kopfschütteln auf der Zuschauerempore im Rathaus, Erinnerungen an Stonehenge werden wach. Maria Nohe, Rätin der Fraktion Grüne/Frauen/Jugend (GFJ) favorisiert eine schlichte Variante, „so wie die Haltestellen in Straßburg gestaltet sind“. Architekt Mayer widersprach: Auch Straßburger Endhaltestellen seien Unikate. Für die „künstlerische Begleitung“ stellt die Stadtverwaltung den Berliner Planern 29 120,53 Euro zur Verfügung.

Trotz Kontroversen: Gemeinderat verabschiedet Doppelhaushalt

Einstimmig verabschiedeten die Volksvertreter zugleich den abgespeckten Doppelhaushalt 2017/18. Wie berichtet, gab es zwischen großen Teilen des Rats und der Verwaltung kontroverse Diskussionen, da Mangels Personal zahlreiche Bauprojekte aus dem vergangenen Haushaltsplan verschoben werden müssen. Oberbürgermeister Toni Vetrano kündigte während der Haushaltseinbringung im vergangenen Dezember an, deshalb die „Reißleine“ zu ziehen.

GJF-Fraktion fordert Transparenz und Bürgerbeteiligung

Wolfgang Maelger, Vorsitzender der GFJ-Fraktion, schien das Votum nicht leicht zu fallen. An den Oberbürgermeister gerichtet: „Dass Sie keinen bilateralen Konflikt sehen, finden wir schade.“ Der Kommunalpolitiker bezog sich auf ein Zeitungsinterview des Stadtoberhaupts. Vetrano äußerte darin, dass er keine Differenzen zwischen einzelnen Räten und der Verwaltung sähe. Hierzu Maelger: „Unter der Oberfläche waren die seismischen Störungen schon länger zu spüren und die ,Reißleinen‘-Rede des Oberbürgermeisters hat die Eruption ausgelöst.“ Dennoch werde sich für die Chance auf einen Neuanfang der Zusammenarbeit die Lage beruhigen. Die GFJ fordert einen Beteiligungsprozess der Bürger und von Baubürgermeister Krapp einen konkreten „Stadtentwicklungsplan 2030“. Ferner verlangt sie mehr Transparenz der Stadtverwaltung.

CDU-Fraktion verlangt Plan zur Stadtentwicklung

CDU-Fraktionsvorsitzender Richard Schüler schlug vor, beim Thema Stadtentwicklung einen externen regionalen Planungsdienstleister einzuschalten. Angesichts der Personalsituation fordert die CDU eine inhaltliche Neuaufstellung der Technischen Dienste Kehl. Werner Müll, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Kehler Gemeinderat, gab der Verwaltung mit auf den Weg, den Flächennutzungsplan fortzuschreiben. Horst Heitz (Freie Wähler) mahnte an, die Räte bei Planungsengpässen früher zu informieren.