Borkenkäfer
Mit einem gefräßigen Tierchen, das bekanntlich immense Schäden anrichtet, haben sich Studenten der Universität Freiburg befasst. Ihre Erkenntnisse präsentierten sie im Projekt „Wissensdialog Nordschwarzwald“. | Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Nationalpark Schwarzwald

Studenten stellen ihre Forschungserkenntnisse zum Borkenkäfer im Nationalpark vor

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Ein kleines Tier steht groß im Mittelpunkt: Studenten der Universität Freiburg haben sich mit dem Borkenkäfer befasst und ihre Erkenntnisse im Nationalparkzentrum am Ruhestein vorgestellt. Die Fragen dabei: Was macht der Borkenkäfer mit dem Tourismus, welche Stellen sind für einen Befall besonders gefährdet, wie läuft das Management der Pufferstreifen, und wie sieht die Zukunft der Fichte in Bezug auf Waldbewirtschaftung aus?

Damit beschäftigten sich 15 Studenten in den vergangenen vier Monaten und sprachen dafür unter anderem mit Nationalpark-Mitarbeitern sowie Forst- und Touristik-Experten – in der Natur der Sache liege, wie die Studenten betonen, dass deren Einzel-Aussagen nicht repräsentativ seien.

Wenn der Borkenkäfer eine geschädigte Landschaft hinterlässt, wirkt sich das negativ auf die Zahl der Touristen in der Region aus, weil die Realität nicht mehr zu ihrem Wunsch-Bild des Schwarzwalds passt: Diese Befürchtung hörten die Studenten in ihren Interviews mit Toristikern heraus.

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„Nebeneinander“ von Borkenkäfer und Tourismus

Zum Vergleich sprachen sie mit Mitarbeitern des sehr viel älteren Nationalparks, nämlich dem 1970 gegründeten Bayerischen Wald: Dort bewahrheite sich diese Befürchtung nicht – als Besucher nehme man schließlich den Ist-Zustand der Natur wahr, nicht ihre Veränderung bis dahin. Ebenso wichtig sei es aber, Besuchern zu erklären, woher Schäden kommen, dann sei ein „Nebeneinander“ von Borkenkäfer und Tourismus gut möglich.

Dem schloss sich auch Baiersbronns Bürgermeister Michael Ruf an, der aber zu bedenken gab: „Schäden im Wald sind das eine. Wenn ein Gast aber schon aus seinem Hotelzimmer ein verändertes Waldbild sieht, ist er enttäuscht und kommt vielleicht nicht mehr wieder.“

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Risiko-Faktoren für einen Käferbefall

Mit einer Menge Daten befasste sich eine andere Gruppe, die damit übte, wie Wissenschaftler eine Gefährdunskarte erstellen. Das Ergebnis zeigte, an welchen Stellen im Nordschwarzwald das Risiko eines Borkenkäfer-Befalls besonders hoch ist – wie die Tiere sich ausbreiten, lässt sich damit allerdings nicht erfassen. Eine solche Karte könne die Kontrollen nicht ersetzen, aber das Borkenkäfer-Management unterstützen.

Kommen an einem Standort mehrere verschiedene Faktoren zusammen, steigt das Befall-Risiko: Gemeint sind die Zusammensetzung der Baumarten (der Käfer meidet Laubbäume), die Größe der Bäume (das Tier braucht mindestens 20 Zentimeter Stammdurchmesser und 20 Meter Baum-Höhe), die Gesundheit des Baums und der Anteil an Wasser, den der Boden halten kann und die dem Baum zur Verfügung stehen.

Eine einzige Spedition fährt Holz ab

Zum Großteil gute Noten gab es von einer dritten Gruppe, die das Management der Pufferstreifen zwischen Nationalpark und bewirtschafteten Wäldern unter die Lupe genommen hatte. In dieser Zone müssten nur einzelne befallenen Bäume gefällt werden, die zeitnahe Aufarbeitung funktioniere gut – allerdings gebe es nur noch eine Spedition, die Holz aus dem Bereich fahren wolle: Die Wege des Parks seien zu schlecht.

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Experten: Fichtenanteil wird abnehmen

Weiteres Thema war die Zukunft der beim Käfer beliebten Fichte in bewirtschafteten Wäldern und die Verbindung zum Borkenkäfer-Management. Die dafür befragten Förster und Wissenschaftler waren sich einig, dass in der Zukunft der Fichtenanteil in den Wäldern abnehmen werde und eine größere Vielfalt an Baumarten erreicht werden solle.

Gegen den Borkenkäfer arbeitet einer der interviewten Forscher außerdem an einem sogenannten Ablenkungspheromon, das das Insekt vertreiben und so einzelne Bäume schützen soll.