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Zum Thema Rückengesundheit kursiert so mancher Mythos - und längst nicht alle stimmen tatsächlich. | Foto: Arno Burgi/dpa

Aktionstag am 15, März

Tag der Rückengesundheit: Bei den Acherner Kursteilnehmern muss jeder Muskel mitarbeiten

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Die Lendenwirbelsäule in die Sportmatte drücken, dabei die Schultern bloß nicht zu den Ohren hochziehen und – das ist ja nicht ganz unwichtig – gleichzeitig schön weiteratmen: Was nach einer Übung in Koordination klingt, soll den Rücken stärker machen. Im Gymnastikraum der Volkshochschule in Oberachern folgen sechs Teilnehmer, die „Rücken-fit“ werden wollen, den Anweisungen von Kursleiterin Christine Winkler. Zur Prävention von Rückenbeschwerden ruft auch ein Aktionstag auf, der „Tag der Rückengesundheit“ am 15. März. Dieser wurde 2002 vom „Forum Schmerz“ im Deutschen Grünen Kreuz eingeführt.

Für die Kursteilnehmer jedenfalls geht es in die „Hilfloses-Käferchen-Rückenlage“, die Beine in die Luft gestreckt, dann kommt ein dehnbares Gymnastikband um die Füße, an dem kräftig gezogen wird. „Es gibt kaum einen Muskel, der jetzt nicht arbeiten muss“, verspricht die Trainerin und schmunzelt: „Selbst das Gehirn muss etwas tun“. Acht Wiederholungen, dann die Spannung noch halten, das sieht doch eigentlich alles ganz leicht aus – aber während die Gymnastiklehrerin fröhlich zu „Aber bitte mit Sahne“ mitsummt, das aus der Musikbox kommt, treibt so manche Übung nicht nur dem Gast aus der Redaktion die eine oder andere Schweißperle auf die Stirn.

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Gestreckt und gedehnt wird unter der Anleitung von Christine Winkler, damit es den Rücken der Teilenehmer besser geht. | Foto: Stefanie Prinz

Die Mühen scheinen sich zu lohnen: „Man wird regelrecht süchtig nach Beweglichkeit“, erzählt eine Kursteilnehmerin, die sogar mehrmals pro Woche mitmacht, während ihre Turnmatten-Nachbarin bemerkt hat, dass ihre Schulterprobleme durch das Training nachgelassen haben. „Viele Teilnehmer haben immer wiederkehrende Rückenbeschwerden oder auch Haltungsstörungen“, berichtet Christine Winkler; bei akuten Problemen wie einem Bandscheibenvorfall sei so ein Kurs dagegen weniger geeignet.

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Die durch die Übungen erreichte Beweglichkeit mache regelrecht süchtig, findet eine Kursteilnehmerin. | Foto: Stefanie Prinz

In den Stunden wird vor allem der untere Teil des Rückens gepflegt: „Mit der Lendenwirbelsäule haben die meisten Leute Probleme“, sagt die Physiotherapeutin: Viele Menschen hätten in diesem Bereich eine zu schlaffe Haltung, „dabei ist das unsere Basis, unsere Mitte“: Wenn da die Haltung stimme, sei der ganze übrige Körper beweglicher. Gegen Bewegungsmangel werden hier deshalb jede Woche Muskeln gekräftigt und gedehnt, es wird gezeigt, wie man rückenfreundlich sitzt, und geübt, den Körper und die eigene Haltung bewusster wahrzunehmen. Das Fazit der Gruppe: „In netter Gesellschaft macht das sogar richtig Spaß“.


Eine Menge Mythen ranken sich um den Rücken und seine Zipperlein. Wir haben einige davon auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft:

1. Rückenschmerzen sind eine „Schreibtisch-Krankheit“ und werden von zu viel Sitzen verursacht.

„Es ist eher das falsche oder einseitige Sitzen, das Rückenprobleme auslöst“, sagt die Sport- und Gymnastiklehrerin und Physiotherapeutin Christine Winkler. Viele Menschen mit „sitzender Arbeit“ hätten wenig ausgleichende Bewegung und würden oft auch noch im Auto und zu Hause viel sitzen.

2. Junge Menschen sind von Rückenschmerzen kaum betroffen.

Das sei einerseits richtig: Jüngere Menschen hätten zwar insgesamt weniger Beschwerden, andererseits gebe es immer mehr Jugendliche mit Haltungsproblemen, so Winkler: Der durch den ständigen Blick nach unten ausgelöste „Handynacken“ sei inzwischen ein anerkanntes Krankheitsbild.

3. Nur unsportliche und übergewichtige Menschen bekommen Rückenbeschwerden.

Beides könne, müsse aber nicht unbedingt eine Ursache sein. Auf der anderen Seite könne zum Beispiel auch zu viel oder „falscher“ Sport Beschwerden auslösen, etwa wenn im Fitnessstudio mit zu hohem Gewicht trainiert würde.

4. Rückenprobleme sind ein psychisches Problem und entstehen stressbedingt.

Das könne in manchen Fällen sicher stimmen, sagt die Kursleiterin. Manche Betroffenen hätten dagegen genetisch bedingte schlechte anatomische Voraussetzungen. Das sei beispielsweise oftmals bei einem Rundrücken der Fall: Häufig sehe man da das Bild, dass Eltern und Kinder die gleichen Haltungsfehler hätten.

5. Schonen ist bei Rückenschmerzen die beste Medizin.

Obwohl Patienten sich bei manchen Rückenproblemen mitunter so fühlen, als könnten sie sich überhaupt nicht mehr bewegen, sei dieses Vorurteil nicht wahr: Wenn man nicht wieder in die körperliche Bewegung hineinfinde, könne es so weit kommen, dass die eigentlichen Rückenschmerzen irgendwann verschwunden seien, aber die eingenommene Schonhaltung als das eigentliche Problem noch da sei.