Stolzer-Parkhaus
Wird abgebrochen: Das automatische Parkhaus auf dem Parkplatz hinter dem Gericht wurde erst vor zehn Jahren eröffnet. | Foto: Roland Spether

Zu Abrissbeschluss durchgerungen

Die Tage für Acherner Stolzer-Parkhaus sind gezählt

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Das war es dann. Der Acherner Gemeinderat hat am Montagabend den Abriss des automatisierten Parkhauses auf dem Parkplatz hinter dem Amtsgericht beschlossen. Die Entscheidung fiel einstimmig. Dies täuscht aber nicht darüber hinweg, dass sich die Volksvertreter mit dem Beschluss schwer taten – war das Parkhaus doch auch Symbol innovativen unternehmerischen Wirkens in der Hornisgrindestadt.

Umrüstung auf Elektroantrieb wäre erforderlich

Letzten Endes aber beugte man sich der Macht der Zahlen. Und die wiesen nur in eine Richtung: Ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlage, die eigentlich nie über das Stadium eines großtechnischen Versuchs herausgekommen ist, wäre bestenfalls schwer zu kalkulieren. Die Stadt geht von einmaligen Anlaufkosten von 100 000 Euro aus, mittelfristig aber wäre nach Einschätzung der Verwaltung eine technische Umrüstung von Hydraulik auf Elektroantrieb erforderlich. Über die Kosten dafür gibt es nur grobe Schätzungen: Zwischen 500 000 und einer Million Euro.

Bedarfsabfrage: Nur 13 Stellplätze 2016 gebucht

Dem gegenüber steht das eher magere Ergebnis einer Bedarfsabfrage im vergangenen Jahr: Nur 13 Stellplätze waren dabei fest gebucht worden, weit weniger als die erhofften 50 festen Zusagen. Der Gemeinderat hat die Verwaltung beauftragt, die Abrissarbeiten auszuschreiben. An der Stelle des Gebäudes sollen (wieder) 22 reguläre Parkplätze eingerichtet werden, einige davon möglicherweise kombiniert mit einer Ladestation für Elektroautos. Dies entspreche, so waren sich Verwaltung und Gemeinderat einig, dem innovativen Geist des Acherner Unternehmers Paul Stolzer, der das Parkhaus gebaut hatte.

Parkhaus stand eher verloren da

Was in Großstädten wie New York bestens funktioniert – und sich bei den dort üblichen horrenden Parkgebühren auch rechnet – war in Achern eher fehl am Platze: Das vollautomatische Parkhaus, Raumwunder in beengten Umgebungen, stand auf dem Amtsgerichtsparkplatz eher verloren und vor allem über viele Jahre ungenutzt herum. Die Stadt hatte des Gebäude bekanntlich erworben und im vergangenen Jahr dann auch einen ernsthaften Versuch gestartet, es wenn schon nicht für den täglichen Pendlerbetrieb, so doch zumindest als „Lager“ zum Beispiel für automobile Oldtimer auf dem Markt zu etablieren. Ein vergeblicher Versuch, wie in der Gemeinderatssitzung abschließend deutlich wurde. Die Volksvertreter stimmten für den Abriss – wenn auch mit deutlichen Bauchschmerzen.

Abbruch als einzige Möglichkeit

Man entscheide hier immerhin über den Abbruch eines städtebaulich anspruchsvollen Gebäudes, sagte Karl Früh für die CDU-Fraktion: „Wir haben alles getan, diesen Schritt abzuwenden.“ Letztlich stimme man dem Abbruch zu. Ähnlich argumentierte Thomas Kohler (FW): Es zeichne sich keine Folgelösung ab, ein Abbruch des Gebäudes sei die einzige Möglichkeit, hier wieder Parkplätze an dieser zentralen Stelle zu schaffen. Über die Einrichtung von Ladesäulen für Elektroautos werde man gesondert beraten. Die Verwaltung hatte in der Sitzung verschiedene Optionen vorgestellt.

Wir brauchen ein Parkraumkonzept

Zwiegespalten zeigte sich Jutta Römer (ABL): „Wir waren gegen den Bau des Parkhauses, haben uns aber jetzt auch schwer getan, dem Abriss zuzustimmen.“ Es zeichne sich aber keine andere Lösung ab. Nötig sei nun eine grundlegende Neuregelung: „Wir brauchen“, so Römer weiter, „auf jeden Fall ein Parkraumkonzept“. Dabei werde es unter anderem um die Frage gehen, wie man die Neuordnung des Bereichs um die Lammbrücke mit den dortigen Parkmöglichkeiten so in ein Konzept einbindet, dass die Menschen ihre Autos gleich dort abstellen – ohne vorher noch Parksuchverkehr in der Kernstadt zu erzeugen. Patrik Schneider (SPD) bezeichnete die geplante, aber nicht beschlossene Errichtung von Elektroladestationen in dem fraglichen Bereich als „wichtiges Zeichen“.