Brückenschlag über den Rhein: Die Tram soll künftig die beiden Grenzstädte Kehl und Straßburg miteinander verbinden. | Foto: Stadt Kehl

Kehl: Nahverkehr wächst zusammen

Tarifvereinbarung für Tram unterzeichnet

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Damit die Tram in Kehl, wenn sie fertig gebaut ist, auch fahren kann, haben die Oberbürgermeister von Straßburg und Kehl, Roland Ries und Toni Vetrano, der Landrat des Ortenaukreises und Aufsichtsratsvorsitzender der Tarifgemeinschaft Ortenau (TGO), Frank Scherer, sowie der Präsident der Straßburger Verkehrsbetriebe (CTS), Alain Fontanel, gestern die Vereinbarung über den sogenannten Kooperationstarif für die grenzüberschreitende Tram unterzeichnet. Darin ist festgeschrieben, dass das komplette Ticketsortiment der CTS weiterhin auf Kehler Territorium gültig ist und dass Inhaber von TGO-Monatskarten künftig die Tramlinie D nutzen können, ohne dass sie sich ein CTS-Ticket kaufen müssen.

Bürger aus der Ortenau profitieren

Diese Regelung gilt an Werktagen allerdings nur für die Monatskarten, die in den Zonen 20 und 21, also in Kehl und den Ortschaften, gültig sind. An den Wochenenden wird die Wochenendregelung der TGO auch auf die Tramlinie D ausgedehnt: Das bedeutet, dass jeder Monatskarteninhaber aus dem gesamten Ortenaukreis mit seiner Familie auf der Tramlinie D fahren kann. Im Gegenzug können Inhaber von CTS-Monatskarten (Badgeo), sobald die Tram fährt, in Kehl und den Ortschaften (also in den Zonen 20 und 21) die Busse nutzen.

Unkompliziertes System

„Das ist eine gute Lösung“, freute sich der Kehler OB Toni Vetrano, das System sei unkompliziert für die Nutzer und durch die Wochenendregelung werde die Tram zwischen Straßburg und Kehl auch zur Tram des Eurodistrikts Straßburg-Ortenau. Dass dieser Kompromiss habe ausgehandelt werden können, sei dem Umstand zu verdanken, dass am Ende alle Partner ein Stück aufeinander zugegangen seien.

Zähe Verhandlungen

Dass die Verhandlungen über den so genannten Kooperationstarif einige Zeit in Anspruch genommen hätten, habe an vielen Faktoren gelegen: So gebe es im öffentlichen Nahverkehr auf der badischen Rheinseite ein Zonensystem, in Straßburg könne man dagegen zum Einheitspreis im gesamten Netz fahren. So müsse es in Baden-Württemberg Tarifverbunde geben, in Frankreich nicht.

Überraschung bei Gesprächen

Vor allem aber, erklärte Toni Vetrano, seien die Kehler und Straßburger Partner bei ihren bilateralen Gesprächen stets davon ausgegangen, dass die Tram – wie bislang der Bus – mit CTS-Tickets benutzt werden könnte. Erst als die TGO und das Regierungspräsidium zu den Verhandlungen hinzugezogen wurden, habe man festgestellt: „Dieser Bus, der seit bald 50 Jahren fährt, fährt seit bald 50 Jahren ohne Genehmigung.“

Symbolträchtige Unterschrift: Kehls Baubürgermeister Harald Kapp, die OBs Roland Ries (Straßburg) und Toni Vetrano (Kehl), Landrat Frank Scherer, Alain Fontanel (Straßburger Verkehrsbetriebe) sowie die TGO-Geschäftsführer Jürgen Meißner und Stefan Preuss besiegeln die Tarifvereinbarung für die grenzüberschreitende Tram. Nach langen Verhandlungen ist den Beteiligten nun der Durchbruch gelungen.
Symbolträchtige Unterschrift: Kehls Baubürgermeister Harald Kapp, die OBs Roland Ries (Straßburg) und Toni Vetrano (Kehl), Landrat Frank Scherer, Alain Fontanel (Straßburger Verkehrsbetriebe) sowie die TGO-Geschäftsführer Jürgen Meißner und Stefan Preuss besiegeln die Tarifvereinbarung für die grenzüberschreitende Tram. Nach langen Verhandlungen ist den Beteiligten nun der Durchbruch gelungen.

Premiere am Rhein

Die Tram über den Rhein sei eine Premiere, ergänzte der Straßburger OB Roland Ries: Zum ersten Mal fahre eine französische Tram von April an ins Ausland, freute er sich. Während Europa sich in Gefahr befinde, „geben wir mit der grenzüberschreitenden Tram eine Antwort auf diese Gefahr“.

Antwort auf Gefahr für Europa

Die Tram komme nach Kehl zurück, erinnerte Landrat Frank Scherer an die Zeit im 19. und 20. Jahrhundert, als es schon einmal eine Tramverbindung über den Rhein gab. „Ich prophezeie, dass die beiden Oberbürgermeister in die Geschichte eingehen“, sagte er, weil sie die Grundlage für ein gemeinsames Stadtgebiet gelegt hätten, das es in einigen Dekaden bestimmt geben werde. Oft sei es leichter, Hindernisse naturwissenschaftlich zu überwinden, spielte er auf die technischen Hürden beim Bau der Tram an, als die bürokratischen, die zum Beispiel im Tarifdschungel lauerten. CTS-Präsident

Franzosen müssen nachrüsten

Alain Fontanel konnte ihm da nur beipflichten: Die CTS habe Tramzüge kaufen müssen, die über einen Blinker und über Fernlicht verfügten, sonst hätten sie in Deutschland nicht fahren dürfen, berichtete er. Man habe diese Aufgabe ebenso gemeistert wie die Tarifintegration, wie er die Kompromisslösung bezeichnete.

Handel befürchtet negative Auswirkungen

Die grenzüberschreitende Tram sei zum einen eine große Erleichterung für Straßburger, die in Kehl arbeiteten, meinte Fontanel. Befürchtungen des Straßburger Handels, dass durch die Tram womöglich noch mehr Kunden nach Kehl zum Einkaufen führen, bemühte er sich zu zerstreuen: Dass ganze Familien am Wochenende die Monatskarte eines Familienmitglieds nutzen könnten, würde bestimmt dazu führen, dass deutlich mehr Kehler als bisher zum Einkaufen oder Weihnachtsmarkt nach Straßburg fahren.

https://www.kehl.de/stadt/tram/index.php