Elf goldene und drei Platin-Schallplatten schmücken das Eigenheim von Startrompeter Walter Scholz in Achern. | Foto: Michael Moos

Ein Leben für die Musik

„Teufelszunge“ Walter Scholz feiert den 80. Geburtstag

Das Abitur hat er nicht – wohl aber das Staatsexamen für klassische Musik. Wer „Teufelszunge“ Walter Scholz auf sein Image als „Trompeter vom Schwarzwald“ und sein Faible für die Blasmusik reduziert, tut dem Mann mit dem charakteristischen Kinnbart ganz sicher Unrecht. Niemand geringeres als der Maestro selbst hat ihm das größte Kompliment gemacht: Herbert von Karajan adelte ihn als „Jahrhunderttrompeter“. Am Sonntag, 15. April, wird der Solotrompeter, Komponist und Arrangeur Walter Scholz 80 Jahre alt.

Stets bescheiden geblieben

Den Geburtstag teilt er mit Claudia Cardinale, die am gleichen Tag ebenfalls den 80. feiert und die er selbstverständlich auch schon getroffen hat. Wie so viele andere Menschen, denen er mit seiner Trompete eine Freude machen durfte. Er spielte für drei Päpste, für diverse Staatsoberhäupter und zählt berühmte Künstler aus der ganzen Welt zu seinen Freunden. Dabei ist Walter Scholz stets bescheiden geblieben. Er wohnt mit Ehefrau Silvia in einem Reihenhaus in Achern und tourt auch heute noch jährlich tausende von Kilometern als versierter Autofahrer („seit 56 Jahren unfallfrei“) durch die Lande. Nach dem Motto: „So lange ich Musik mache, habe ich keine Zeit um alt zu werden.“

Dem da oben dankbar

Tatsächlich sieht man Walter Scholz, der auch in der BNN-DVD-Produktion „Zurückgespult – Filmschätze unserer Heimat“ einen Auftritt hat, seine 80 Jahre nicht an. Er steckt voller Geschichten. Für seine Energie und seine körperliche Fitness hat er eine einfache Erklärung: „Dem da oben bin sehr dankbar für meine Kondition.“ Und verrät dabei gleich noch sein Rezept fürs gesunde Älterwerden: Indische Meditation und weitgehender Verzicht auf Alkohol.

Göttliche Schwingungen

Er bedauert die vielen Musiker-Kollegen, die vor den Auftritten am Lampenfieber („die große Geisel der Künstler“) leiden und sich dagegen mit teilweise sehr viel Alkohol zu wappnen versuchen. „Lampenfieber habe ich auch – aber den Schnaps brauche ich nicht“, stellt Scholz fest und erinnert sich dankbar an den Mann, der ihn einst in der Schweiz erfolgreich mit der Entspannung durch Meditation und mit der Hilfe durch „göttliche Schwingungen“ bekannt gemacht hat: „Dass das funktioniert, hätte ich damals nicht für möglich gehalten.“

Liebe zur Trompete in die Wiege gelegt

Als gläubiger Mensch ist Walter Scholz „dem da oben“ dankbar für alles, was er erreicht hat. Die Musik und die Liebe zu seinem Instrument wurde ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt – sein Vater leitete im hessischen Bad Arolsen den Posaunenchor der evangelischen Gemeinde; bereits als Fünfjähriger durfte Walter Scholz in diesem Ensemble mitspielen.

Tag und Nacht musiziert

Ende der 40er Jahre wurde der Profimusiker Paul Herold auf den talentierten Teenager aufmerksam: „Die Post im Walde hatte ich schon als Dreizehnjähriger drauf.“ Paul Herold sorgte schließlich dafür, dass Walter Scholz 1952 als Vierzehnjähriger Aufnahme in der Orchesterschule Siegerland in Hilchenbach fand: „Da wurde Tag und Nacht musiziert“. In diesem Musikinternat legte Scholz den Grundstein für eine beispiellose Karriere: Stationen seines beruflichen Werdegangs waren das Landestheater Detmold, an den Staatstheatern Mainz und Darmstadt sowie bei den Münchner Philharmonikern.

Mit Sondervertrag „in die Provinz“ gelockt

1962 ereilte ihn der Ruf nach Baden zum damaligen Philharmonischen Orchester des Südwestfunks. Scholz wollte eigentlich nicht von München „weg in die Provinz“, doch Chefdirigent Hans Rosbaud lockte ihn mit einem Sondervertrag – den hatte sonst kein anderer Bläser, wie Scholz nicht ohne Stolz anmerkt.

36 Jahre Erster Solotrompeter

Am Ende wirkte Walter Scholz 36 Jahre lang als Erster Solotrompeter in diesem Orchester, hier spielte er unter Dirigenten wie Pierre Boulez, Karl Böhm oder Sir Georg Solti. „Den Wechsel nach Baden-Baden habe ich nie bereut.“ Vor allem deshalb, weil er hier Menschen wie Rolf Schneebiegl oder den Tony-Marshall-Manager Herbert Nold traf, die ihm den Weg in eine ganz andere Welt ebneten – die Welt der Unterhaltungsmusik.

„Üben, üben, üben“

Als erster Instrumentalsolist überhaupt gewann er beispielsweise im Deutschlandfunk den „Wettstreit nach Noten“ mit dem Bravourtitel „Teufelszunge“. Apropos: Experten erkennen Walter Scholz allein an seinem Trompetenansatz. Und glaube niemand, dass das alles so „leicht“ ist wie es aussieht. Wer sich wie Walter Scholz auf diesem Niveau bewegt, muss üben, üben, üben…

Besondere Liebe zur Blasmusik

Obwohl von Hause aus klassisch gebildet, hat Walter Scholz hat nie ein Geheimnis aus seiner besonderen Vorliebe für Blasmusik gemacht. Als Dirigent mehrerer Blasmusikvereine war es für ihn dabei ein Anliegen, unterschiedliche Generationen beim Musizieren zusammenzubringen. Künstlerisch prägte er als musikalischer Leiter Orchester wie die Original Reblandmusikanten in Altschweier, die Stadtkapelle Bühl, die Rebläuse oder das 1986 gegründete Walter-Scholz-Orchester. Darüber hinaus profilierte er sich als Mitbegründer der Original Schwarzwaldmusikanten. Als Komponist gelang ihm 1984 mit der „Sehnsuchtsmelodie“ ein noch nie dagewesener neuer, mehrstimmiger Trompetensound und ein bis heute millionenfach gespielter Welthit, dessen Name übrigens bei einer Radiosendung („Frohes Wochenende“) gesucht wurde und letztlich von einer Dame aus Sandweier stammt.

Kritik an der Musikindustrie

Weniger gut zu sprechen ist Walter Scholz auf die Musikindustrie – und auf die Rundfunkanstalten. Eine riesige Geschäftsmaschine die Plattenindustrie, Programmgestalter die Radiosender, die laut Scholz als „Musikmafia“ agieren und gemeinsam bestimmen, was gesendet wird. „Die haben der guten Blasmusik den Garaus gemacht und einen Feldzug gegen die Instrumentalmusik gestartet“. Und doch kann er sich diesem Metier nicht ganz entziehen: Am Vorabend seines Geburtstags sitzt er beim „Grand Prix der Blasmusik“ in Bischofshofen in der Jury.

Überraschung zum Geburtstag

Und dort wird er an seinem Ehrentag auch im Mittelpunkt einer großen Party stehen. Was geboten wird und wer kommt – das weiß bislang nur Scholz-Ehefrau Silvia. Eine Überraschung also. Scholz ist aber ganz sicher, dass es auf alle Fälle eines gibt: „Viel Musik!“

 

Zahlen und Fakten
  • Die Trompeten wechseln, das Mundstück ist immer das gleiche. 60 Jahre alt ist das gute Stück, das Walter Scholz vor seinen Auftritten immer in der linken Hosentasche mit sich trägt.
  • Eine beeindruckende Sammlung hängt bei Familie Scholz im Flur: Elf Goldene- sowie drei Platin-Schallplatten dokumentieren den Verkauf von mehr als 16 Millionen Tonträgern.
  • Sie brachten ihm den Spitznamen „Teufelszunge“ ein: Mehr als 1 000 unterschiedliche Solotitel hat Walter Scholz im Lauf seiner Karriere eingespielt, davon viele Bravourstücke.
  • Zahlreiche Ehrungen hat Walter Scholz erhalten. Er trägt das Bundesverdienstkreuz am Bande und die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg, freute sich über Hermann-Löns-Medaille in Gold und Bronze, den Robert-Stolz-Preis und die Robert-Stolz-Medaille. Er ist außerdem Ehrenbotschafter der Internationalen Chorolympiade. mm