Ein großes Nahrungsangebot gibt es in dieser Saison für Eichhörnchen, Mäuse, Vögel und auch Rehe und Wildschweine. Foto: dpa/Holger Hollemann

Nussernte im Raum Achern

Tiere freuen sich über viele Nüsse

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Dieser Herbst ist für viele Tiere besonders reich an Nahrung, denn die Nussernte fiel sehr gut aus. „Bei ziemlich vielen Baumarten haben wir eine Vollmast. Das heißt, dass die Bäume vollhängen“, so Alexander Wenz vom Amt für Waldwirtschaft im Landratsamt Ortenau. Das spüren auch Nusserzeuger aus der Region.

„In der Tat erleben wir dieses Jahr ein üppiges Mastjahr und in der Natur ist der Tisch reich gedeckt mit Nüssen, Eicheln, Bucheckern und Fichtensamen“, sagt Stefan Bosch, Fachbeauftragter für Ornithologie und Vogelschutz im Nabu-Landesverband Baden-Württemberg. Nahezu bundesweit gebe es ein gutes Nahrungsangebot für Tiere, „für den Südwesten trifft das auf jeden Fall uneingeschränkt zu“. Zu den Tieren, die davon profitieren, gehören laut Bosch Mäuse, Siebenschläfer und Haselmäuse, aber auch Vögel wie Buchfinken, Buntspechte, Kernbeißer oder Kleiber.

Trockenheit sorgt für kleinere Nüsse

Entgegen online verbreiteter Gerüchte, hätten auch die Eichhörnchen in diesem Jahr mehr als genug zu fressen, erklärt Bosch: „Die hungernden Eichhörnchen haben in den letzten Wochen einen völlig unberechtigten Medien-Hype verursacht.“ Es liege zwar nahe, dass der Hitzesommer ungünstig gewesen sein könnte, aber das sei nicht der Fall. „Durch die Trockenheit sind die Früchte teils etwas kleiner, aber dafür ist die Anzahl höher“, berichtet Wenz. Das liege daran, dass im Frühjahr ohne Frost die Bedingungen optimal gewesen seien.

Max Lemminger verkauft selbst angebaute Nüsse in seinem Hofladen in Achern-Mösbach und kann das bestätigen: „Dieses Jahr ist ein gutes Nussjahr.“ Auf seine Nüsse habe die Trockenheit aber keinen großen Einfluss gehabt und somit sind die meisten normal groß.

Gegensatz zum vergangenen Jahr

Die Mast in diesem Herbst steht im großen Gegensatz zum vergangenen Jahr, als im April laut Wenz viel erfroren sei. Davon war auch der Obsthof Benz in Durbach betroffen, auf dem Walnüsse angebaut werden: „Wir hatten letztes Jahr keine Nüsse“, bestätigt Christa Benz.

Dieses Jahr gebe es dagegen eine Vollernte. „Einheimische Nüsse werden gut nachgefragt“, erzählt sie. Sie ist optimistisch, dass mit der bevorstehenden Weihnachtszeit alle Walnüsse verkauft werden.
„Die Fruchtbildung ist für die Bäume auch kräftezehrend“, berichtet Wenz. Sie würden dadurch geschwächt, weswegen manche Baumarten ihre Samen früher abwürfen. „Das kommt auf die Baumart an. Die Eiche macht das nicht, aber Edelkastanien haben dieses Jahr kleiner und frühzeitiger abgeworfen.“

Tiere verändern ihr Verhalten

Die gute Mast wirke sich auch auf das Verhalten der Tiere aus, berichtet Wenz: „Wildschweine und Rehe sind im Moment im Schlaraffenland.“ Deswegen nähmen sie das Futter der Jäger nicht so gut an, welches diese bei der Kirrung benutzen, um Wild anzulocken. In Folge könnten weniger Tiere gejagt werden. „Das natürliche Futter ist einfach attraktiver“, erklärt Wenz.

„Derzeit profitieren besonders Körnerfresser“, weiß Stefan Bosch. „Sie erscheinen momentan auch kaum in Gärten und an Futterstellen, da es draußen reichlich Nahrung gibt.“ Das Nahrungsangebot reiche den Tieren noch weit in den Winter hinein und werde möglicherweise auch für zufliegende Wintergäste wie Bergfinken und Erlenzeisige interessant sein.