Gastronomischer Leuchtturm: Auf der Hornisgrinde als höchstem Berg im Nordschwarzwald lockt die Grindehütte viele Gäste an. Die Diskussion über die Zufahrtsmöglichkeit für den Individualverkehr ist unterdessen noch nicht abgeschlossen. | Foto: Karl Anton Doll

E-Shuttle auf der Hornisgrinde

„Touristischer und technischer Hotspot“

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Die Zufahrt zur Grindehütte bleibt in der Diskussion. Auch wenn die Schranke nun an Wochenenden geschlossen ist – die Frage, ob die Straße zwischen Mummelsee und Hornisgrinde für alle, die sich als „Anlieger“ fühlen, offen bleiben soll, bewegt nach wie vor die Gemüter. Unterdessen hat der Energieeffizienzberater Michael Schmidt seine Vorschläge für eine „smarte“ Schwarzwaldhochstraße und ein autonom fahrendes E-Bus-Shuttle zwischen Mummelsee und Hornisgrinde  erneut ins Gespräch gebracht.

Konflikte programmiert

Die kurz vor Weihnachten eröffnete Grindehütte auf der höchsten Erhebung des Nordschwarzwalds erfreut sich bei vielen Gästen aus Nah und Fern großer Beliebtheit. Wie Ende Dezember berichtet, sorgte allerdings die Entscheidung des Landratsamt, die bis dahin für den allgemeinen Verkehr gesperrte Zufahrt für „Anlieger“ zu öffnen, bei vielen für Unmut: Schließlich sind – insbesondere an Tagen mit schönem Wetter – viele Menschen auf dieser Straße zu Fuß unterwegs, Konflikte mit dem Autoverkehr also programmiert.

„Smarter Road Schwarzwaldhochstraße“

Schon früh wurde deshalb die Idee eines, möglicherweise auch autonom fahrenden Bus-Shuttles eingebracht. „Das geht nicht von heute auf morgen, ist aber technisch machbar“, sagt Michael Becker vom Athos Ingenieurbüro in Eggenstein-Leopoldshafen. Er steht als Initiator des Projekts „Smarter Road Schwarzwaldhochstraße“ in dieser Sache in Kontakt unter anderem mit dem Energieunternehmen EnBW und der Firma Bosch.

Vorbild am Rheinfall

Laut Becker will sich auch das Schweizer Unternehmens „AMoTech GmbH“ (Neuhausen) engagieren, das bereits ein Angebot für eine Machbarkeitsstudie für ein autonom fahrendes E-Shuttle vom Mummelsee zur Hornisgrinde vorgelegt hat. Bekannt ist AMoTech durch ein Projekt mit einem selbstfahrenden Bus am Rheinfall Schaffhausen. Becker ist überzeugt: „Mit einem solchen Shuttle könnte man den Individualverkehr drastisch einschränken, und es gäbe einen neuen touristischen und technischen Hotspot an der Schwarzwaldhochstraße.“

Vorbild für die Hornisgrinde? Offenbar ohne technische Probleme war dieser autonom fahrende Bus in Lahr unterwegs. | Foto: SWEG

Erfolgreicher Test in Lahr

Zur technischen Umsetzung eines autonom fahrenden Busses verweist er auf die positive Bilanz des autonomen Fahrbetriebs in Lahr. Hier hatte die Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG (SWEG) im vergangenen Jahr einen autonom fahrenden Bus bei der Landesgartenschau in Lahr testweise im Einsatz. Mit Erfolg: Von der offenbar reibungslos funktionierenden Technik konnten sich mehr als 4 000 Fahrgäste überzeugen.

Autos ja, Segways nein?

Mit einiger Verwunderung hat der Karlsruher Unternehmer Jürgen Reiss die Diskussion über die Zufahrt zur Hornisgrinde zur Kenntnis genommen. Mit seiner Firma CitySeg gestaltet er „erlebbare Mobilität“ im Südwesten und ist als überregionaler Anbieter Marktführer bei geführten Segway-Touren und eMobilitäts-Angeboten sowie Händler von e-Rollern. Er scheiterte mit seinem Vorhaben, „gelegentlich geführte Segway-Touren rund um Unterstmatt anzubieten“, am Widerstand der Behörden. Begründung: „Gefährdung des Auerwilds“.

„Das ist doch paradox“

„Es ist“, so Reiss gegenüber dem ABB, „doch paradox, wenn geführte und leise Touren mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen nicht erlaubt, der Autoverkehr zur Hornisgrinde hingegen zugelassen wird“.  Reiss verweist in diesem Zusammenhang auch auf die von den Leader-Kulissen Ortenau und Baden-Baden propagierte „Förderung der touristischen Infrastruktur an der Schwarzwaldhochstraße“: „Im Konkreten fordert man hier die Entwicklung und Ausbau der Elektromobilität – so auch Segway-Touren.“ Reiss: „Elektromobilität und Forstverordnung scheinen jedoch weit auseinander zu liegen.“

„Nicht vergleichbar“

Das Landratsamt Ortenaukreis bestätigte auf Anfrage die Ablehnung des Antrags der Firma Cityseg aus Karlsruhe durch das Amt für Waldwirtschaft. Die Ablehnung sei auf der Basis des Landeswaldgesetzes versagt worden. Die beantragte Streckenführung verlief von Unterstmatt über den Mummelsee zur Hornisgrinde größtenteils auf Waldwegen im Bereich des Natura 2000-Vogelschutzgebietes „Nordschwarzwald“ sowie durch kartierte Auerhuhnprioritätsflächen   der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg. Insbesondere wegen des hohen Störpotentiales der beantragten geführten, motorisierten Segwaytouren für die streng geschützten Auerhühner sei der Antrag nicht genehmigungsfähig geweseb. Weiter heißt es: „Die von dem Segway-Touren-Anbieter beantragte Strecke war wesentlich umfangreicher als die nun für den Anlieger-Verkehr freigegebene Straße. Der damalige Antrag und die aktuelle Freigabe der öffentlichen Straße sind auch aus naturschutzfachlicher Sicht daher nicht miteinander vergleichbar.“

Zufahrt eingeschränkt
Unter dem Eindruck anhaltender Proteste gegen die für alle „Anlieger“ freie Zufahrt vom Mummelsee zur Hornisgrinde haben das Landratsamt Ortenaukreis und die Gemeinde Seebach eine Änderung vereinbart. Danach bleibt die Schranke samstags und sonntags geschlossen. Personen mit Handicap können an der Rasthütte Seibelseckle gegen eine Kaution von 50 Euro einen Transponder ausleihen, der die Schranke einmalig öffnet.
Diese Regelung gilt, wie die Grindehütte auf ihrer Web-Seite bekanntgibt, bis zu der von der Gemeinde Seebach angekündigten Installation einer „intelligenten Schranke“, die entsprechend der Zahl der an der Grindehütte verfügbaren Parkplätze die Zufahrt regelt und sich nur gegen Bezahlung einer Parkgebühr öffnen lässt. Diese Schranke soll – wie berichtet – im Sommer zur Verfügung stehen.