Masterplan Innenstadt Achern
Der Masterplan soll als Grundlage für eine integrierte Stadtentwicklung dienen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Entwicklung des Einzelhandels, der Steuerung der Verkehrsströme und der Gestaltung von Freiräumen zu. | Foto: Roland Spether

Masterplan präsentiert

Turbokreisel, Tempo 30 und Tangenten für Achern

Eine Fußgängerzone wird es in der Acherner Hauptstraße aller Voraussicht nach nicht geben. Das ist eine von vielen Erkenntnissen der Sondersitzung des Gemeinderats zur Präsentation des sogenannten Masterplans.

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, um sich im Rathaus Am Markt aus erster Hand über die Erkenntnisse der Gutachter und die Schlüsse der Stadtverwaltung zu informieren – und um eigene Ideen und Vorstellungen einzubringen. Damit erfüllten sie umgehend den von Stadtplaner Rolf Bertram formulierten Wunsch, die Bürgerinnen und Bürger sollten die Maßnahmen „kritisch und konstruktiv begleiten“. Bertram legte dazu einen ambitionierten Zwölf-Punkte-Plan vor (siehe unten), der die von der Verwaltung empfohlenen Maßnahmen zusammenfasst.

8,5 Millionen Euro stehen zur Verfügung

Mehr als 200 Seiten dick ist die Sitzungsvorlage, die Gemeinderat und Öffentlichkeit zum Masterplan präsentiert wurde. Erklärtes Ziel ist, wie es darin heißt, „die Bestandsbewertung, Verbesserung und Sicherung der Funktionalität der Innenstadt unter besonderer Berücksichtigung des Verkehrs, des öffentlichen Raums (Straßen, Wege, Plätze) und des Einzelhandels“. Dazu hat die Stadt bei Fachbüros in Dortmund, Stuttgart und München Gutachten eingeholt. Zur Umsetzung von Maßnahmen des Masterplans in der Innenstadt stehen allein in den Jahren 2018 bis 2022 8,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Scheck-in-Kreisel Achern Masterplan
Zu einem Turbokreisel soll der Kreisverkehr am Scheck-in-Center umgestaltet werden. Die Zufahrt zum Einkaufszentrum wird dabei verlegt. | Foto: aki

Als planerische Schwerpunkte im Masterplan kommen der Neugestaltung des Scheck-in-Kreisels und der Fautenbacher Straße, der Umsetzung von Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in der Hauptstraße sowie den – übrigens schon seit vielen Jahren diskutierten – Tangentenlösungen eine besondere Bedeutung zu. Letztere sollen langfristig neue Straßenverbindungen zwischen dem Autobahnzubringer und der Bernhard-Früh-Straße (Südosttangente) sowie zwischen der Infrastrukturstraße und der Sasbacher Straße (Nordosttangente) schaffen.

Innenstadt Achern Masterplan
Beispiel für eine gelungene Gestaltung: Aufenthaltsqualität zeichnet den Platz im Bereich Badischer Hof/Planet P aus. | Foto: Roland Spether

Dabei hat sich die Stadt viel vorgenommen: Scheiterte die Südosttangente bislang vor allem am Widerstand der betroffenen Landwirte, ist für die Umsetzung der Nordosttangente an der Gemarkungsgrenze zu Sasbach ein erheblicher baulicher Aufwand nötig: Müssen hier doch die Bahnlinie ebenso wie die neue Bundesstraße 3 über- oder unterquert werden. Allerdings hat diese Tangente im Zusammenhang mit dem aktuell diskutierten Neubau des Acherner Krankenhauses im „Brachfeld“ eine völlig neue Dimension.

Tempo 30 zwischen Rathausplatz und „Wilder Mann“

Der Gemeinderat wird die Beratungen über den Masterplan noch vor der Sommerpause aufnehmen. Viel Spannung verspricht die Diskussion über die Hauptstraße. Die Stadtverwaltung will im zentralen Bereich zwischen Rathausplatz und „Wilder Mann“ auf baulichen Veränderungen verzichten und es bei einer Beschränkung auf Tempo 30 belassen. Sie verwirft damit die vom Gutachter empfohlene Einbahnstraßenlösung, die einen Teil des Verkehrs in die Straße „Am Stadtgarten“ verlagern würde. Dafür soll zwischen Lammbrücke und Rathausplatz eine gemischte Verkehrsfläche („Shared Space“) entstehen. Widerstand gibt es bereits gegen den Vorschlag, auf die Parkplätze am Adlerplatz zu verzichten.

Innenstadt Achern Masterplan
„Shared Space“ als Gedankenmodell: Auf „Augenhöhe“ sollen sich die Verkehrsteilnehmer künftig in diesem Bereich der Hauptstraße bewegen. | Foto: Roland Spether

 


Zwölf-Punkte-Plan: 

Masterplan Achern

Zwölf Punkte umfasst die Liste der Verwaltung zur Umsetzung des Masterplans:

  • Turbokreisel am Scheck-in-Center mit Bypass und neuem Kreisel an der Auffahrt zur Landesstraße 87 in Fautenbach
  • Neues Profil für die Fautenbacher Straße (Beibehaltung Tempo 50)
  • Dritte Fahrspur in der Fautenbacher Straße (verlängerte Abbiegespuren
  • Sanierungsgebiet auf der Südseite der Fautenbacher Straße
  • Modernes Gewerbegebiet am der Nordseite der Fautenbacher Straße („Hinterbann“)
  • Investorenwettbewerb zur Umsetzung des Wettbewerbsergebnis zur Neubebauung des Areals an der Lammbrücke
  • „Shared Space“ (gemischte Verkehrsfläche) in der Hauptstraße zwischen der Lammbrücke und dem Adlerplatz
  • Aufwertung der öffentlichen Räume am Rathausplatz unter Einbeziehung von Wilhelm-Schechter-Straße, Adlerplatz und „Zum Klauskirchel“
  • Fußläufige Querungen der Hauptstraße durch Verbindung „Rathausplatz-Adlerplatz-Schulhöfe“ sowie „Zum Klauskirchl-Kapellenstraße“ – hier soll die Hautstraße optisch gebrochen werden
  • Verkehrsberuhigter Geschäftsbereich mit Tempo 30 in der Hauptstraße von Rathausplatz bis „Wilder Mann“ (baulich keine Veränderungen)
  • Südosttangente und Nordosttangente
  • Umsetzung von Vorschlägen aus dem Freiraumkonzept (Thema Wasser in der Innenstadt)