Der Eurorasthof Achern bietet für Fernfahrer videoüberwachte Premium-Parkplätze an. Für eine Extragebühr wird der Parkplatzbereich videoüberwacht und ausgeleuchtet, um Diebe abzuhalten. | Foto: Christian Schäfer

Autobahn 5 bei Achern

Übergriffe auf Lastwagen-Fracht beschäftigen die Polizei

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Kraftstoffdiebstahl, aufgeschlitzte Planen von Lastwagen: immer wieder ist entlang von Autobahnen die Fracht von Transportfahrzeugen im Visier von Dieben. Der Inhaber des Euro-Rasthofs Achern hat reagiert. Seit fünf Monaten bietet er den Fernfahrern Premiumparkplätze an. Die dort abgestellten Lastwagen werden für 14 Euro pro Nacht videoüberwacht. Dem Brummifahrer werden vor Ort in der Gastronomie dafür zehn Euro erstattet. Die Pressemitteilung der Vereinigung deutscher Autohöfe zitiert den Acherner Rasthof-Betreiber Björn Lang, dass es seitdem keine Kraftstoff-Diebstähle mehr gebe. Grundsätzlicher Tenor: Premiumparkplätze bewähren sich – besonders bei Anfahrunfällen. Dies verdeutlicht Lang auf BNN-Anfrage an einem Beispiel: „Wir konnten der Polizei bereits Videoaufzeichnungen übergeben, die den Verursacher zeigen, der einen anderen Lkw beschädigte.“

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Auf der Nord-Süd-Achse ist die Park-Anlage vor der Hornisgrindestadt für Fernfahrer eine Durchgangsstation. | Foto: Christian Schäfer

Delikte knapp unter dreistelligem Bereich

Der Geschäftsführer des Euro-Rasthofs ließ die Stellplätze bereits vor der Kamera-Installation ausleuchten und von Sicherheitspersonal überwachen. Dies spiegelt sich in der Polizeistatistik wider: „Der Rasthof in Achern ist im Vergleich zu anderen Rast- und Parkplätzen entlang der Autobahn schon immer nicht besonders auffallend“, teilt die Pressestelle der Polizeidirektion Offenburg mit. Die Anzahl krimineller Übergriffe auf Lastwagen entlang der A 5 zwischen Offenburg und Bühl im vergangenen Jahr könne die Polizei bis zur Veröffentlichung der amtlichen Kriminalstatistik Ende April noch nicht beziffern. Nur so viel: „Die Delikte bewegen sich knapp unter dem dreistelligen Bereich“, so Patrick Bergmann vom Polizeipräsidium Offenburg, auf BNN-Anfrage.

Vielfältige Ausbeute entlang der Autobahn

Die Ausbeute der Täter ist vielfältig: Sie haben es hauptsächlich auf Kraftstoffe abgesehen. „Immer wieder zapfen Diebe Diesel von den Tanks der Lastwagen ab“, heißt es bei der Polizei. Auch Autoradios, Bargeld, Ersatzräder und Kosmetika gehören zu beliebtem Diebesgut. Stecken Banden dahinter? Dies seien nur Mutmaßungen, „die nicht seriös sind“. Vielmehr handele es sich um Täter, die „ihr Glück suchen“, so Polizeisprecher Patrick Bergmann.

Böse Überraschungen auch für Autofahrer

Auch Autofahrer erleben an den Tank- und Rastplätzen durchaus böse Überraschungen. Mal schnell ein Snack im Restaurant, die Tasche bleibt auf dem Beifahrersitz zurück – das Fahrzeug wird zum begehrten Beuteziel der Langfinger. „Wir warnen immer wieder eindringlich, Wertsachen nicht offen im Auto liegen zu lassen“, betont Bergmann.

Im Vergleich zu Lyon geradezu paradiesisch

Die Polizei plant derzeit nicht, Kameras für eine ständige Überwachung an Park- und Rastplätzen zu installieren. Generell sei eine Dauerüberwachung im öffentlichen Raum problematisch. „Die Vorgaben sind an hohe rechtlichen Hürden geknüpft“, bedenkt Bergmann. Die Autobahnpolizei fahre die Plätze stattdessen regelmäßig an und kontrolliere die dortigen Fahrzeuge. Aus Sicht des Verbandes Spedition und Logistik Baden-Württemberg sei die Situation entlang der A 5 im Vergleich zum Großraum Lyon „geradezu paradiesisch“.

Speditionsverband: Planenschlitzen nimmt zu

„Der Bereich zwischen Offenburg und Bühl ist nicht besonders auffallend“, sagt Geschäftsführer Andrea Marongiu. Dennoch komme es auch hier immer wieder zu Aufbrüchen. „Besonders sind die Spediteure über das zunehmende Planenschlitzen besorgt“, so Marongiu.  Ob Fernfahrer bewachte Premium-Parkplätze ansteuern, hänge von der Ladung ab. „Bei hochwertiger Fracht verlangen die Versicherungen, dass die Fahrzeuge über Nacht auf diesen Parkplätzen bleiben“, erklärt Marongiu. Und ergänzt: „Dies ist jedoch eine Frage des Geldes.“