Foto: Regina de Rossi

Tier-Therapie in Sasbachwalden

Überhaupt nicht „stur“ wie ein Esel

Von Regina de Rossi

Die „Anima Tierwelt Breitenbrunnen“ in Sasbachwalden wirft ihren Schatten voraus. Neben Tiergarten, Schaubauernhof und Seminarzentrum wird hier vor allem die tiergestützte Therapie Bestand haben. Rainer Wohlfarth ist Leiter von „Ani.Motion“, dem Institut für tiergestützte Therapie in der Anima Tierwelt und Psychologischer Psychotherapeut der Max-Grundig Klinik. Manche seiner Patienten mit der Diagnose Burnout, Depression oder Angststörung haben sich bereits erfolgreich auf eine Eseltherapie eingelassen. Rainer Wohlfarth „Zunächst sind die Patienten sehr skeptisch. Sie denken oft, was für eine blöde Idee, Therapie mit Eseln. Wenn die Patienten dann aber Kontakt zu den Tieren haben, dann sind sie sehr berührt.“ Das wollten wir genauer wissen und starteten einen Selbstversuch.

„Die Aussicht ins Tal wirkt heilsam“

Mit Bettina Mutschler fahre ich hoch hinauf zu dem idyllischen Bauernhof der Familie Doll in Sasbachwalden. Allein die Aussicht tief ins Tal wirkt heilsam. Eine ausladende Wiese befindet sich unmittelbar neben dem Hof. Ein winziger Bachlauf, ein kleiner Teich und Schafe. Eine Welt für sich. Erklärungen stehen an: „Wir werden uns den Tieren erst einmal langsam annähern,“ sagt Bettina Mutschler. Sie ist eigentlich Hundeerziehungsberaterin und Autorin einiger Fachbücher. „Zu Eseln aber hatte ich immer eine ganz besondere Affinität“, lacht sie – und das ist spürbar.
Gemütlich traben die drei Grautiere auf uns zu. Pedro erscheint frech und keck, Rosi, die Älteste, zahm und freundlich, Frieda, ihre Tochter, neugierig und verspielt. „Sie dürfen sie ruhig streicheln, nur nicht zwischen den Augen, das mögen sie gar nicht.“

Auf Tuchfühlung mit den drei Eseln

Das struppige Fell fühlt sich befremdlich an, und Pedro hat Gefallen an meiner Jacke gefunden. „Geben Sie nicht nach. Stoßen Sie ihn vorsichtig mit demselben Druck zurück, den er ausübt“. Abstand wahren, Nein sagen, Einhalt gebieten sind hier Botschaften, die ich unmerklich lerne.
„Wollen wir jetzt ins Gatter gehen?“ So nah wollte ich den Dreien eigentlich nicht kommen. Aber, diese Hürde gilt es zu nehmen. Verhaltensmaßnahmen helfen beim Erstkontakt. „Stehen bleiben ist wichtig, seinen Platz behaupten, sich nicht verdrängen lassen!“ Höre ich da erneut eine Botschaft heraus? Und tatsächlich. Er gibt nach. Doch sein Maul findet so vieles interessant, was eigentlich zu meinen Kleidern gehört. „Einfach sanft wegschubsen.“ Nicht ganz so leicht, aber, es funktioniert. Und irgendwann stehe ich neben ihm und wir sind Freunde. „Stellen Sie sich nie frontal zu dem Tier, das wäre eine Art Kampfansage“.

Der Kontakt mit den Tieren sorgt für eine tiefe Ruhe

Mit Rosi und Frieda wäre es etwas einfacher gewesen, doch der graue Wallach ist eine gute Herausforderung. „Es sind die Charaktereigenschaften, die diese Tiere für eine Therapie geeignet machen“, erklärt Bettina Mutschler. Einerseits sind sie freundlich und gutmütig. Anderseits aber wissen sie sich gut abzugrenzen und entscheiden immer für sich selbst!“ Die berühmte Sturheit dieser Tiere ist also nichts anderes, als sich selbst zu behaupten, für sich und die eigenen Bedürfnisse kompromisslos einzustehen.
Mittlerweile habe ich Bürste und Striegel in der Hand und streiche mit Hingabe den Staub aus dem borstigen Fell. Eine tiefe Ruhe stellt sich ein, ein Gefühl für den Augenblick und damit eine wohltuende Achtsamkeit. Nichts ist gerade wichtiger als diese Begegnung mit dem Tier, das die Zuwendung um seinetwillen genießt. „Nicht selten sind das die Augenblicke, in denen sich etwas tief in der Seele Verwurzeltes löst, Tränen fließen“, erzählt Bettina Mutschler. Drei bis vier Stunden verbringt der Psychotherapeut der Max-Grundig-Klinik hier in dieser idyllischen Umgebung. Maximal vier Klienten sind zur Therapiezeit mit den Eseln geladen.

„In mir ist eine Art von Ausgeglichenheit“

Oft geht es nach der ersten Begegnung und dem intensiven Kennenlernen gemeinsam auf Tour. Wenn der Esel denn will. Denn das Wohl des Tieres steht ebenso im Fokus wie das der Klienten.
Wir haben das Projekt nach knapp zwei Stunden beendet, mit leuchtenden Augen meinerseits. In mir eine tiefe Ruhe, eine Art von Ausgeglichenheit, die lange nachwirkt. Pedro wird mir in Erinnerung bleiben, in seiner Aufrichtigkeit, seinem Stolz, seiner Präsenz.

 

So berichteten die Badischen Neuesten Nachrichten zuletzt über die Esel-Therapie in Sasbachwalden: