Die Staustufe Rheinau/Gambsheim wird auf französischer Seite saniert. Hierzu wird der Grenzübergang im Sommer gesperrt. Das Bild zeigt den Übergang vor der Fertigstellung des Radwegs. | Foto: BNN-Archiv

Sperrung des Übergangs Rheinau

Unternehmer schlagen Alarm

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Von Christine Storck

Umsatzverluste in Millionenhöhe, Kurzarbeit oder gar Betriebsschließungen – die Szenarien, die Unternehmen durch die geplante Sperrung der Rheinbrücke zwischen Rheinau und dem elsässischen Gambsheim fürchten, könnten nicht dramatischer sein. Mehrere grenznahe Betriebe haben sich auf französische Kunden und deren besonderen Bedarf spezialisiert, sagte Andreas Kempff, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein (IHK), bei einem Pressegespräch in Offenburg.

95 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit französischen Kunden

Dominik Elble von der BKB Badische Kioskbetriebe sieht schmerzhafte Zeiten auf das Unternehmen zukommen, das in unmittelbarer Nähe der Brücke in Rheinau eine seiner Filialen betreibt, die Tabakwaren verkauft. „95 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit französischen Kunden“, berichtete er. Dort arbeiten neun Mitarbeiter, die allesamt über den Fluss pendeln. „Wir haben viele Teilzeitkräfte, die womöglich ein Problem mit der Betreuung ihrer Kinder bekommen, weil sie durch den weiteren Arbeitsweg aus den Zeiten herausrutschen. Apropos Fahrtkosten: Lohnt es sich für sie dann überhaupt noch hier zu arbeiten?“, meinte Elble.

Kioskbesitzer befürchtet Kundenschwund

Gesamtfilialleiterin Natalie Roß befürchtet zudem, dass ihre Kunden sich schnell neue Anlaufstellen suchen und es lange dauern könnte, sie zurückzugewinnen. „Die Sperrung, selbst für drei Monate, bedeutet für uns einen signifikanten Einschnitt“, sagte sie. Öffnungszeiten müssten trotzdem garantiert und Verträgen mit Lieferanten erfüllt werden, auch wenn Kunden wegbleiben.

Arbeitswege würden schlagartig länger werden

Tobias Müller, Geschäftsführer der Duravit-Logistik-Firma Duralog in Achern, rechnet mit insgesamt rund 36.000 Euro zusätzlichen Fahrtkosten für seine Angestellten. Im Zentrallager seien rund 70 Mitarbeiter beschäftigt, davon 30 Franzosen, die vor allem in Hagenau oder Bischwiller leben. Bleibt der Weg über die Rheinbrücke ab August für drei Monate gesperrt, ist ihr Arbeitsweg schlagartig 60 Kilometer länger. „Das wären 400 Euro Mehrkosten im Monat – für einen Lagerarbeiter ist das dramatisch“, rechnete Tobias Müller vor. 45 Minuten zusätzlicher Weg bei Frühschichtbeginn um 6 Uhr morgens sei zudem happig. Aber auch für den Werksverkehr seines Unternehmens nach Bischwiller hätten die Bauarbeiten Folgen: Etwa 15 Lkw-Fuhren wandern wöchentlich hin und her – müssen die Laster ebenfalls einen Umweg nehmen, wären das in drei Monaten ganze 32.000 Euro Fahrtkosten mehr. „Die Frage ist ja auch, wird die Brücke pünktlich fertig?“, sagte Müller.

Bauarbeiten werden Schifffahrt nicht beeinträchtigen

Die für den Neubau zuständige französische Regionalverwaltung versucht nach Aussage der IHK zwar, den Schaden zu reduzieren. „Aber bei jeder Baustellen kann es Verzögerungen oder Überraschungen geben“, sagte Hauptgeschäftsführer Andreas Kempff. Den Schiffsverkehr soll die Sanierung des französischen Brückenstücks zwischen Kraftwerk und Schleuse allerdings nicht behindern.

IHK fordert von französischer Seite genaue Zeitvorgaben

Unternehmen könnten sich ein Stück weit organisieren, um wirtschaftliche Folgen einzudämmen, aber das brauche Vorlauf. Verhandlungen mit Banken, Kurz- und Nullarbeit, Werksferien und die Bereitstellung von Ferienwohnungen oder Homeoffice-Arbeitsplätzen während der Bauphase seien möglich, müssten aber geplant werden. „Deshalb brauchen wir von den Franzosen genaue Zeitangaben“, forderte Kempff. Deutschland und Frankreich seien inzwischen so stark wirtschaftlich verbandelt, dass eine vermeintliche „Kleinigkeit“ wie eine Baustelle erhebliche Auswirkungen hat.

Gespräche mit französischen Behörden geplant

Die IHK will betroffene Firmen in den kommenden Wochen mit Informationen versorgen oder für gemeinsame Aktionen, wie zum Beispiel einen Pendlerverkehr zusammen bringen. Allein in Rheinau-Freistett gebe es rund 90 Mitgliedsunternehmen. In zwei Wochen seien weitere Gespräche mit den französischen Behörden geplant. Im Anschluss soll eine Informationsveranstaltung stattfinden.

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