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Landgericht Offenburg

Vergewaltiger muss hinter Gitter

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Von Harald Rudolf

Ein Asylbewerber aus Armenien ist wegen besonders schwerer Vergewaltigung vor dem Landgericht Offenburg zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten gefordert. Mit einem bislang nicht identifizierten Landsmann beging der 29-Jährige im Juni 2016 in Kehl die Tat.

Nächtlicher Notruf

Als die Geschädigte in einem Bürocontainer auf einem umzäunten Firmengelände gegen 4.05 Uhr ohne Schuhe und Slip einen Notruf absetzte, sagte sie, sie sei von zwei Männern vergewaltigt worden. Der 29-Jährige, der sich seit Juni wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft befand, bestritt die Vorwürfe. Der Geschlechtsverkehr sei einvernehmlich gewesen.

Angeklagter verstrickt sich in Widersprüchen

Die Kammer hatte jedoch Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Armeniers, der bereits in Frankreich einen Asylantrag gestellt hatte. Bei seiner polizeilichen und richterlichen Vernehmung hatte er zunächst erklärt, es sei zu keinen sexuellen Handlungen gekommen. Erst nach Vorliegen des Gutachtens der Rechtsmedizin, die DNA-Spuren fand, änderte er sein Verhalten und gab Kontakte zu“. Das Gericht folgte der Aussage der Geschädigten, die dem einvernehmlichen Geschlechts- und Oralverkehr, den beide Männer mit ihr hatten, widersprach.

Mittäter auf freiem Fuß

Nachdem sich am Nachmittag des 2. Juni eine Gruppe in einem Kehler Imbiss zum Trinken und Reden getroffen hatte, ging man gegen Abend in eine Wohnung einer Bekannten. Dazu stieß ein Armenier, von dem lediglich sein Spitzname bekannt ist. Die Identität dieses Mannes konnte bislang nicht ermittelt werden. Der Angeklagte konnte zur Ermittlung dieses Unbekannten nichts beitragen.

Vergewaltigung in Bürocontainer

Gegen Mitternacht verließen die Geschädigte, der Angeklagte und der Unbekannte die Wohnung, um weitere alkoholische Getränke zu kaufen. Der Unbekannte fuhr daraufhin zu dem umzäunten Firmengelände, auf dem der Angeklagte öfters genächtigt hatte und für das er einen Schlüssel besaß. Mit diesem Schlüssel verschaffte sich der Unbekannte Zugang zu dem Gelände und dann auch zum Bürocontainer.

Opfer hatte Todesangst

Zaun wie Container wurden von innen wieder verschlossen. Der Geschädigten war in diesen Augenblicken nicht bewusst, was geschehen wird. Im Container zog sich der Unbekannte dann bis auf sein T-Shirt aus und erzwang die sexuellen Handlungen, die die Geschädigte weinend und in Todesangst über sich ergehen ließ.

Ungeschützter Geschlechtsverkehr

Während die Staatsanwaltschaft von einem gemeinsamen Tatplan der Armenier ausging, sah die Strafkammer im Unbekannten „die treibende Kraft“. Der Angeklagte habe die ersten Handlungen seines Begleiters aber auch nicht verhindert. Er habe „es billigend in Kauf genommen, dass sie es aus Todesangst über sich ergehen ließ“. Der Angeklagte zog sich ebenfalls aus und vollzog den ungeschützten Geschlechtsverkehr.

Alkoholeinfluss und ADHS mildern Urteil

„Es kann“, so der Vorsitzende Richter, „nicht ausgeschlossen werden, dass seine Steuerungsfähigkeit eingeschränkt war.“ Der Alkoholeinfluss in Verbindung mit einer ADHS-Erkrankung könnte die Steuerungsfähigkeit erheblich beeinflusst haben. Außerdem sei er „mitgerissen worden, sexuell stimuliert worden von dem Geschehen“, das er zunächst nicht gewollt hatte. Laut Strafkammer leidet das Opfer „erheblich“ unter den Folgen.