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Prozessauftakt in Offenburg

Junge Frau im Dunkeln angegriffen

Von Harald Rudolf

Ein 37-jähriger Ortenauer soll Ende Juli 2016 eine 17-Jährige von Fahrrad gezerrt haben, um an ihr sexuelle Handlungen vorzunehmen. In Offenburg begann nun der Prozess gegen den Mann, dem die Staatsanwaltschaft versuchte Vergewaltigung vorwirft.

Verzweifelter Kampf im Dunkeln

Das Opfer schilderte vor dem Landgericht seinen verzweifelten Kampf mit dem Täter auf dem Radweg zwischen Zunsweier und Ortenberg und die Flucht auf eine nahe gelegene Straße. Der Angeklagte streitet derweil ab, eine Vergewaltigung der jungen Frau im Sinn gehabt zu haben. Den Überfall an sich räumte er dagegen ein. Zum Prozessauftakt am Landgericht gab er zu, die 17-Jährige „angehalten“ zu haben, um mit ihr zu „schwätzen“, wie er dem psychiatrischen Sachverständigen gegenüber erklärt hatte. Sexuelle Absichten bestritt er. Er wisse nicht, was er damals vorhatte, ließ er seinen Verteidiger erklären. An den Tag habe er keine Erinnerung mehr.

Schülerin war auf dem Heimweg

Aus Sicht der Geschädigten verfolgte sie der Angeklagte kurz nach 22 Uhr von Zunsweier aus zunächst in einem großen Abstand. Die Schülerin war auf dem Heimweg und hatte kurz zuvor ihrer Mutter eine SMS geschrieben. Sie habe sich wegen des Radfahrers nichts gedacht, da dies ja der einzige Weg nach Ortenberg oder Offenburg sei. Dann, auf der Höhe des Anglersees, schloss der Fahrradfahrer, der ohne Licht unterwegs war, von links zu ihr auf: „Ich habe gar nicht bemerkt, dass er näher gekommen war.“

Angriff auf dem Fahrrad

Er schaute ihr ins Gesicht, dann legte er seine rechte Hand auf ihre linke Schulter und stieß zu.
Beide, so die Zeugin, seien gestürzt. Sie zog sich Schürfwunden an Händen und Knien zu. Der Angeklagte äußerte, bis heute Knieschmerzen zu haben. „Er ging sofort auf mich los“, sagte die Schülerin. Der Angreifer zog sie ins ein Meter hohe Gras. „Ich hatte keine Zeit zu überlegen.“ Sie habe nur aus Reflex gehandelt. Zunächst habe sie nicht geschrien. Nur gedacht: „Mein Gott, das passiert jetzt wirklich.“ Es sei ein ständiges auf den Boden Fallen und Losreißen gewesen.

Es hört dich eh keiner.

Sie rannte über die Straße und er hinterher. Als sie dann schrie, hielt er ihr die Hand vor den Mund. „Du kannst schreien so viel du willst, es hört dich eh keiner“, sagte der Angreifer. Nach einem weiteren Gerangel konnte sie sich losreißen und rannte, ohne auf Autos zu achten, auf die Straße.

Autofahrer stoppt Täter

Da hielt bereits ein Auto, ein zweites stoppte ebenfalls. Als der Angeklagte mit seinem Fahrrad flüchtete, verfolgten ihn die Insassen des zweiten Wagens und brachten ihn zu Fall, indem das Auto gegen das Hinterrad fuhr. „Er wollte immer auf mich kommen, dass ich auf dem Boden liege“, sagte die Schülerin, die durch ihre Anwältin beantragte, den Angeklagten für die Dauer ihrer Aussage aus dem Sitzungssaal zu entfernen, um ihm nicht gegenüberstehen zu müssen. Mit dem Bild des Angeklagten im Kopf könnten ähnlich aussehende Männer, denen sie begegne, in ihr Ängste auslösen, so ihre Anwältin.

Zeugenaussage per Videoübertragung

Die junge Frau fahre nachts nicht mehr mit dem Fahrrad und wenn sie von links überholt werde, bekomme sie einen Adrenalinstoß. „Allgemein fühle ich mich weniger sicher hier“, erklärte sie, als sie in einem separaten Raum aussagte und mittels Videoübertragung zugeschaltet war.

Angeklagter mit „Intelligenzminderung“

Der Prozess wird am 2. Februar fortgesetzt, das Urteil wird am 22. Februar erwartet. Laut Landgericht wird geprüft, „ob der Angeklagte in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen ist“. Aufgrund einer „Intelligenzminderung“ ist nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft die „Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit“ eingeschränkt. Der 37-Jährige ist nach viermonatiger Untersuchungshaft inzwischen einstweilig in der Psychiatrie untergebracht.