In den Baumkronen am Markt- und Adlerplatz haben die Krähen ihre Nester gebaut | Foto: Michael Moos

Krähen brüten in Achern

Vögel ärgern Anwohner am Marktplatz

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Krähen sind äußerst kluge Vögel. Das kann jeder beobachten, der momentan in der Acherner Innenstadt, etwa am Markt- oder Adlerplatz unterwegs ist, wo die Krähen derzeit scharenweise in den Baumkronen brüten. Um an Futter zu gelangen, durchsuchen die Tiere nicht nur Mülleimer – sie nutzen auch gekonnt menschliche Mithilfe, etwa um Nüsse zu knacken. Die gesammelten Früchte werfen sie vor fahrende Autos und holen sich anschließend die essbaren Stücke von Straße oder Parkplatz, was meist mit lautem Gekrächze vonstattengeht. Sehr zum Leidwesen von Anwohnern, Marktbeschickern und Autofahrern, die unter dem Lärm und Unrat der Vögel leiden.

Eine Krähe ist auf der Suche nach Essbarem | Foto: dpa

Sondergenehmigung zum Baumschnitt abgelehnt

In diesem Jahr hat auch die Acherner Stadtverwaltung die Cleverness der Krähen zu spüren bekommen. „Obwohl Ende Januar die Bäume zurückgeschnitten wurden, haben die Vögel Plätze zum Nisten gefunden“, berichtet Martin Meier, Gärtner beim Bauhof. In der Regel würden die Bäume am Marktplatz jährlich zurückgeschnitten, was bisher auch stets erfolgreich gewesen sei. Nicht aber in diesem Jahr. „Wir wollten eine Sondergenehmigung vom Landratsamt, um die Bäume noch stärker zurückzuschneiden“, sagt Meier. Die sei aber verweigert worden, weil die listigen Vögel bereits mit dem Nestbau begonnen hatten. „Und der zählt nach dem Tierschutzgesetz bereits zur Brutzeit“, klärt der Gärtner auf. An den Bäumen dürfe nun bis Oktober nichts mehr getan werden.

NABU: Es ist wichtig, eine Strategie zu haben

„Aufgrund der Erfahrungen dieses Jahres wird man dann sehr wahrscheinlich einen wesentlich intensiveren Rückschnitt betreiben müssen“, ist die Stadtverwaltung nun überzeugt. Das sei zwar dem optischen Erscheinungsbild des Platzes weniger zuträglich, andererseits könne nur so eine erneute Ansiedlung von Krähen unterbunden werden, heißt es vom Rathaus auf Anfrage des ABB.
Ähnlich sieht es auch Franz Panter vom Naturschutzbund (NABU). „Der Rückschnitt der Bäume ist die einzige legale Maßnahme, die auch funktioniert“, ist Panter überzeugt. Wichtig sei es aber, eine Strategie zu haben. „Es reicht eben nicht, einmal zu schneiden und zu glauben, dass das reicht“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des NABU Bühl/Achern. Aus seiner Erfahrung weiß er, dass die Vergrämung der Vögel etwa in Bühl und Lahr deutlich besser klappt, weil sich dort ein Experte darum kümmert. „Wenn die Brutzeit begonnen hat, ist es eben zu spät“, sagt Panter, „und die Leute, die es abbekommen, sind dann gestraft.“

Auf einem Baum sitzt eine Krähe | Foto: dpa

Krähen-Kot kann schwere Krankheiten übertragen

Die Gestraften – das sind vor allem die Marktbeschicker, die immer dienstags ihre Stände auf dem Marktplatz aufschlagen. Auf deren Drängen wurde 2011 erstmals eine größere Schnittaktion durch die Stadt vorgenommen, die nicht ohne Proteste blieb. Das Problem: die Vögel weichen an andere Orte aus, etwa in den Stadtgarten, wo sie andere Singvögel verdrängen. Noch problematischer sind allerdings Krankheiten, die über den Krähenkot übertragen werden. Nach Forschungen von Tiermedizinern nehmen die aasfressenden Vögel giftige Moleküle, sogenannte Prionen, über infizierte Tierleichen auf und scheiden diese unverdaut über ihren Kot aus. Insbesondere bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können diese Prionen schwere Krankheiten auslösen. Daher hat auch die Stadtverwaltung ein großes Interesse daran, dass die Krähen nicht an belebten Plätzen nisten, insbesondere auch dort, wo sich Kinder aufhalten.

Externe Firma soll den Baumschnitt übernehmen

„An anderen Orten, an denen wir Bäume zurückgeschnitten haben, etwa im Schulhof in Fautenbach oder beim Kindergarten St. Nikolaus war die Aktion deutlich erfolgreicher“, sagt Martin Meier vom Bauhof. Im nächsten Herbst gelte es daher, am Marktplatz deutlich radikaler zu schneiden als bisher. Statt dreier städtischer Mitarbeiter soll sich möglicherweise eine Firma darum kümmern. „Das Bild des Marktplatzes würde sich schon verändern“, sagt Meier. Der Schutz vor übertragbaren Krankheiten sollte dies aber wert sein.