Badisch von Owwe un unne | Foto: Hora

Die Taufpaten in der Mundart

Von der Geetl zum Götti

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In der Kirche eines Schwarzwaldorts stand eine Taufe an. Es war mitten im Winter und furchtbar kalt. Der Pfarrer und die ganze Taufgesellschaft froren. Der weibliche Täufling ganz besonders. Deshalb schickte der Pfarrer den Mesner, also den Kirchendiener, zum Wirtshaus „Engel“. Warmes Taufwasser sollte der Mesner bringen. Er bekam von der Küchenhilfe im „Engel“ einen Eimer mit warmem Inhalt. Der Pfarrer schüttete alles ins Taufbecken und begann mit der Zeremonie.

Eine ganz besondere Daifi

Gleichzeitig wunderten sich alle Anwesenden über den angenehmen Duft, der sich verbreitete. Des Rätsels Lösung: Die Küchenhilfe hatte kein warmes Wasser, sondern Fleischbrühe mitgegeben. Das Mädchen wurde trotzdem getauft, nur eben mit ganz besonderem, wenn auch nicht heiligem Wasser. Diese seltsame Daifi, wie es im alemannischen Dialekt heißt, soll sich tatsächlich in Ort Sulz bei Lahr in den 1930er-Jahren ereignet haben. Das Sulzer Heimatbuch von 1992 nennt noch den Namen des Kindes. In der anekdotenreichen Chronik des Lahrer Stadtteils wird außerdem von einem Brauch rund um die Taufe berichtet: Die weibliche Patin werde nach der Kirche von Bekannten geehrt und mit bunten Bändern behängt und die Geehrte muss ein Deifi-Bier ausgeben.

Gettel heißt die Patin in Mittelbaden

Der Mundartausdruck für die Patin lautet in Sulz wie auch sonst zwischen Rastatt und Kinzigtal überwiegend Gettel (Auch Geddl zu schreiben; die Form Gettle kommt mancherorts vor.) Sprachlich nah verwandt ist diese Patin mit ihrer „nordbadischen“ Kollegin. Nördlich von Karlsruhe und im Kraichgau spricht man im südfränkischen Dialekt von der Geetl oder Geete – mit langem Vokal.
Gemeint ist auf jeden Fall eine Verwandte oder heute auch Bekannte, die zu einer besonderen Beziehung mit dem getauften Kind verpflichtet ist. Sie ist Zeugin der Taufe und soll die Eltern sowie natürlich das Kind unterstützen. Die Bestärkung im Glauben ist zumindest formal noch immer wichtig. Die katholische Kirche verlangt, dass mindestens ein Taufpate selbst katholisch ist. Die Protestanten akzeptieren meist einen Taufpaten aus weiteren christlichen Kirchen.

Aus dem Familien- und Bekanntenkreis werden die Taufpaten eines Kindes ausgewählt. Für weibliche wie männliche Paten gibt es alte Ausdrücke in den badischen Mundarten. Zeichnung: Dorothee Mahnkopf

Der Pateunkel löst den Pfetterich ab

Wenn heute am Weißen Sonntag die katholische Erstkommunion und an anderen Frühjahrsterminen die evangelische Konfirmation als Familienfeste anstehen, sind die Paten wieder gefragt. Nicht mehr stark im Gebrauch sind allerdings deren alte Mundartbezeichnungen. Eine Geetl oder Gettl kennen vor allem die über 50-Jährigen. Gerade in Städten sowie teilweise auf dem Land sagte man schon lange Patedande und Pateunkel. Das versichern versierte Dialektautorinnen wie Brigitte Wagner (Rastatt) und Else Gorenflo (Friedrichstal). Die Wörterbücher der Karlsruher Stadtteile verzeichnen denn auch kaum einen Dialektausdruck für Patin. Nur im Grötzinger Wörterbuch ist die Geddle aufgeführt. Wenn eine Tante aus den kinderreichen Familien viele Patenkinder hatte, dann war das eine Rechimentsgeedel, erfährt man aus dem Mundartlexikon von Karlsdorf. Für Wingderschdorf (Wintersdorf) überliefert Manfred Ell die Bezeichnung Geddl-Donde wenn die echte Tante Patin wird. In Wörterbüchern taucht für das 19. Jahrhundert in Landshausen oder Untergrombach auch die Gode auf. Das kindliche Gegenstück nannte man in Rußheim Gottebub und Gottemadel.
Besonders schwer sich in mancher Mundart zu halten, hat es der männliche Pate. Im Raum Bruchsal stößt man in der Sprachpraxis sehr selten auf den Pfetterich. Vetter und Pfetter(ich) sind in Mittelbaden und dem Hanauerland zu Hause und bei den Dialektsprechern noch bekannt. Für Mannheim ist der Gettel das Gegenstück zur Goote.

Getti und Götti sind in Südbaden zu Hause

Im Kinzigtal und südlich davon hat sich Getti oder Götti als männlicher Pate dagegen bestens gehalten und gehört fest zur alemannisch sprechenden Familie, neben der weiblichen Gotti. Auf regelmäßige Geschenke wartet das Getti– oder Gottikind. Mit der Folge dass ein Sprichwort entstand: „Getti si  (sein) isch Ehr, aber s macht dr Biidel (also den Geldbeutel) läär“.

Dede und Dode bei den Schwaben

In einer BNN-Familienanzeige wurde kürzlich ein Verstorbener auch als Dede gewürdigt. Das ist im schwäbischen Sprachraum zwischen Pforzheim, Freudenstadt und Ulm die Bezeichnung für den Taufpaten. Auf der Ostalb und in Hohenlohe heißt es dann Doode. Das weibliche Gegenstück ist überwiegend die Dood, wie man dem sprechenden Sprachatlas  der Universität Tübingen entnehmen kann. Außerdem gibt’s die schönen Verkleinerungsformen Dootle und Deetle.